Kein Grund zum Schämen

Deutschland ist ein gespaltenes Land, aber die Bruchlinien verlaufen anders als man denkt und beide Seiten denken sich, welche negativen Außenwirkungen jeweils die andere Hälfte auf unser Bild im Ausland hat. Früher schämte man sich für die überkorrekten, spießigen, deutschen Touristen, die bei der Erstbegehung des Hotelzimmers die Mängel schon gleich auf einem Notizblock notierten, vor dem Frühstück die Liegestühle mit dem Handtuch belegten oder bei einer 150.- Pauschalreise ein 5 Sterne Hotel deutschen Standards erwarteten. Diese Gattung nervt im Ausland aber immer noch und sie halten sich selbst zum Fremdschämen ohnehin für die allergrößten.

Laut der Politiker der etablierten Parteien sind es jedoch Parteien, Veranstaltungen, Reden und allein die falsche Gesinnung aus einer bestimmten Richtung, die zur Schande für Deutschland gereichen und das Verhältnis zu den Nachbarländern belasten. Darum sind die Links-Liberalen, von der anderen Seite „Gutmenschen“ oder „moralische Imperialisten“ genannt, im Ausland darauf bedacht, sich dauernd noch für die Nazizeit zu entschuldigen und dass der braune Mob nun schon wieder durch Deutschlands Straßen rennt. Das ist so überdreht, dass es in England eigene Sketche dazu gibt.

Die Konservativen, von der anderen Seite schlicht „Nazi“ genannt, schämen sich dafür, dass man sich schon wieder seine eigene Wirtschaftsleistung und sein moralisches Bessersein so penetrant heraushängen lässt.

Meine Familie sagt auf die Frage, woher man käme, aus Bayern oder nahe der tschechischen Grenze. Einer meine Söhne spricht zum Glück so gut Französisch, dass man ihn schon fragte, aus welcher Provinz er käme. Obwohl in Tschechien viele Deutsch sprechen, fragen wir stets nach einer englischsprachigen Speisekarte.

Egal wohin man fährt, hat die gutmenschliche Hälfte im Hinterkopf, dass unsere Nachbarländer sich immer noch in dem Stadium befinden, Deutschland von den Nazis säubern zu wollen, Höckes Reden anhören oder die schuldtriefenden Statements von Sigmar Gabriel oder Claudia Roth dazu verfolgen. Sie lesen deutsche Zeitungen und überprüfen täglich anhand deutscher Nachrichten, ob die „Deutschland-Verrecke-Fraktion“ auch wirklich nach jeder PEGIDA auf die Straße geht.

Und die andere Seite der Urlauber schämt sich dafür, dass unsere Regierung andere Länder blöd anmacht, wenn sie nicht nach deren Wünschen wählen, und sogar mit der Erhöhung des militärischen Engagements drohen, obwohl die links-bunten Truppen nicht mal übers Schlachtfeld laufen würden, wenn sich dort das Revier des geschützten Juchtenkäfers befinden würde, und glauben, dass das Verhalten unserer Regierung auf alle Deutschen zurückfällt.

Zum Schämen ist für beide Seiten, dass wir andern Völkern unterstellen, sie würden uns täglich penetrant nachstellen und jeden unserer Schritte penibel verfolgen. Da schließen wir mit unserem typisch deutschen Verhalten auf andere.

Um uns von unserer Schuld frei zu sprechen, muss natürlich nach Meinung der Links-bunten alles Deutsche verschwinden. Jeder orientalische Maisbrei ist kulinarisch höherwertiger als ein Schweinebraten, jedes Dschungelgebräu ist bayerischem Bier mindestens ebenbürtig. Traditionen müssen vor jeder der vermeintlich höherwertigen Kulturen zurückweichen, Straßennamen werden geändert und die im Ausland geschätzten deutschen Tugenden werden über Bord geworfen, denn das Leben in Deutschland muss nach Ansicht der Integrationsbeauftragten Özoguz ohnehin täglich neu ausgehandelt werden. Gleichzeitig bleiben wir trotzdem die moralisch Besseren, die dem Land unserer Befreier vorhalten, dass die Hälfte der Amerikaner grenzdebil sei, weil sie Trump gewählt haben.

Die Medien haben mich so weichgekocht, dass ich gar nicht mehr im Ausland Urlaub machen will, weil ich immer glaube, dass andere Völker deutsche Kultur und Deutsche im Allgemeinen einfach nur scheiße finden.

Dann lernte ich Donna kennen. Ihren Youtube-blog „I wanted living abroad“. In einer etwas überdrehten, einnehmend netten Weise erzählt sie Wissenswertes über deutsche Kultur, den Charakter der Deutschen und deren Gepflogenheiten (hier und hier und viele mehr). Man spürt ihre Begeisterung für dieses Land und maßt sich in keiner Weise an, Dinge zu bekritteln, die ihr etwas fremd und umständlich erscheinen.

Ausgerechnet die deutschen Tugenden wie Pünktlichkeit, Ordnung und Verlässlichkeit und Verbindlich eine Abmachung einzuhalten haben es ihr angetan. Dinge sofort auf den Punkt zu bringen und einen festen Termin zum Kaffeekränzchen zu vereinbaren, wirken für Amerikaner erst mal etwas spröde und wenig spontan. Doch in ihren Augen macht das Sinn und auch andere Amerikaner berichten auf Youtube, dass sie manche „teutsche“ Tugenden mit nach Hause genommen haben. Eine trauert auf einem Video der ganzen deutschen Art des Zusammenlebens nach.

Als Gegenprobe suchte ich unter den Stichwörtern „hate Germany“. Sogar diese Statements betrafen eher Belanglosigkeiten. Sonntags sind die Geschäfte zu, Kartenzahlung oft nicht erwünscht oder Nahverkehr zu teuer.

Kein Klagen über Nazis auf der Straße, kein Klagen über Homophobie, Frauenfeindlichkeit, Rassismus oder mangelndes Schuldbewusstsein wegen des 2.Weltkrieges. Gabriel, Roth, Stegner oder ein Röttgen leiden an völligem Größenwahn, wenn sie nur glauben, ihr Gesülze würde überhaupt jenseits der deutschen Grenzen jemanden interessieren.

Gauck sagte, nicht die Eliten sind das Problem, sondern die Bevölkerung. Der meint wohl, dass sich die Normalbürger aus den verschieden Völkern den Schädel einschlagen würden, wenn sie nicht wären. Dass ein Trump Merkel als „irre“ bezeichnet, können sie natürlich in ihrer moralischen Überheblichkeit beiseite wischen, denn unsere Politiker sind ja von den ausländischen Politikern ja so geachtet und man ist sich ja so verbunden. Darum wollte man ja Hillary Clinton als Präsidentin. Dabei meinte ihr Wahlkampfteam, „früher brauchte man Atombomben um Europa zu zerstören, heute braucht es nur mehr eine blöde Kuh mit einem Wiedergutmachungsfimmel.“

Putin meinte, es bringe nichts, sich mit deutschen Politikern zu unterhalten, weil die müssten erst immer die Amerikaner fragen.

Man hält die Völker Europas für unfähig friedlich zusammen zu leben, weil sie unterschwellig immer Vorbehalte haben, die sich gewaltsam entladen könnten, wenn nicht unsere Eliten für uns sorgen würden. Ausgerechnet diese korrupten Abzocker, Lobbyisten und Minderleister ohne sinnvolle Ausbildung, von denen manche durch gemeinsamen Kinderfick die zwischenstaatlichen Beziehungen verbessern, obwohl sie sich oft aufs Blut nicht leiden können, sollen unser Schicksal bestimmen?

Den Normalbürgern in Europa ist unsere Rolle im 2.Weltkrieg inzwischen dermaßen scheißegal und schätzen diejenigen Leistungen unseres Landes, bei denen der linke Allparteienblock Schnappatmung bekommt und ein Nazi-Netzwerk vermutet.

Mein Tipp für die Auslandreise. Wenn sie sich wie ein Arschloch aufführen, dann werden sie auch wie ein Arschloch wahrgenommen, egal woher sie kommen. Wenn sie nett sind und es irgendwie unterbringen können, dass unsere derzeitige Regierung einen an der Waffel hat, dann werden sie feststellen, dass es den anderen genauso geht. Spätestens wenn Sie dann freudig gemeinsam einen heben, dann haben Sie mehr zur Völkerverständigung geleistet als das ganze EU-Moloch.

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