Auf der Suche nach der richtigen Frage

In der Klasse meines Sohnes stellte ein Schüler die Frage: „Warum hat der Obama eigentlich den Friedensnobelpreis bekommen?“

Wann und wo könnte man sich gemerkt haben, das „warum“ ist vernebelt durch irgendetwas Friedliches oder so.

Über Google, Wikipedia, soziale Netzwerke und unterschiedlichste Nachrichtenkanäle können wir Daten und Fakten über jedes vergangene oder gegenwärtige Ereignis generieren und manchmal sogar die Glaubwürdigkeit prüfen. Für das „warum“ benötigt man dann häufig schon ein Buch. Doch wer hat dazu heute schon Zeit, um damit der Sache auf den Grund zu gehen.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir von Daten, Fakten und Details, die oft ohnehin völlig belanglos sind, zugemüllt werden, damit keine Zeit mehr bleibt Fragen zu stellen. Ja, dass uns gar nicht mehr in den Sinn kommt, die einfache Frage zu stellen.

In regelmäßigen Abständen hören wir von dem einzigartigen rechten Terror des NSU, der das Land über Jahre in Atem gehalten hat. Nun gibt es auch wieder einen Abschlussbericht eines Untersuchungsausschusses. Acht Morde gehen auf das Konto von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und deren Helferin Beate Tschäpe und es soll uns mit dem Hinweis darauf in jedem Nebensatz auch die allgegenwärtige Gefahr des rechten Terrors neuerlich vor Augen geführt werden.

Kennen sie Dokumentationen der öffentlich-rechtlichen Sender über Serienmörder? Eine Chronologie des Schreckens. Auch die grausamsten Szenen werden in schummriger und verwackelter Kameraführung nachgestellt, fiktive blutige Tatwaffen werden gezeigt und jeder noch so belanglose Nachbar, der jemals neben dem Täter gewohnt hat, darf sein Statement abgeben.

Kennen Sie die Frühlingsstraße 26? Dort hat das Mödertrio des NSU zuletzt gewohnt. Im Gegensatz zu anderen Fällen kann man deren ehemalige Adresse ganz einfach googeln. Die Wohnung, oder zumindest was davon übrig ist, ist 76 km vom Gebäude des Mitteldeutschen Rundfunks in Leipzig entfernt.

Haben sie jemals ein Interview mit den Nachbarn gehört? Oder mit einer Verkäuferin vom Schlecker um die Ecke, wo die Uwes damals womöglich eingekauft haben? Oder mit einem Feuerwehrmann, der damals am brennenden Wohnmobil war?

Der mdr produziert ein Boulevardmagazin, wo man schon mal einen Zoowärter befragt, wenn das Pandababy Schnupfen hat, wenn man sich gerade nicht auf ein Familiendrama stürzen kann. Und dieses Magazin findet es in den letzten 5 Jahren nicht für nötig zumindest eine Praktikantin für einen Vormittag für Fotos und ein paar dünne Worte in die Frühlingsstraße zu schicken und diese mit etwas dramatischer Musik zu unterlegen?

Mit dieser Frage beginnt die eigentliche Suche nach der Wahrheit.

 

Bild: screenshot: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2016/kw25-pa-3ua-nsu/428152

 

 

3 Gedanken zu “Auf der Suche nach der richtigen Frage

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.