bento: Welches Geschlecht bin ich? Und wenn, wie viele?

Ausgehend von Oswald Kolle und Dr. Sommer waren Artikel über Beziehung kurzweiliges Geplauder wie der Topf am Ende irgendwann seinen Deckel findet. Dass man dabei Fehlgriffe und Umwege macht, war schon vor Oswald Kolle so.

Nun gibt es die Seite bento; für alle die morgens vor dem Spiegel stehen und überlegen: Welches Geschlecht bin ich und wenn, wie viele? Zumindest pansexuell konnte mir mein damals 13-jähriger schon Sohn erklären. Eine gleichaltrige Schülerin in seiner Klasse war nach ihrer Aussage pansexuell, denn sie konnte sich nicht entscheiden, ob sie nun auf Männlein oder Weiblein stünde. Früher nannte man das vorpubertär. Da muss jeder durch, bevor die Hormone zumindest 98% der Menschen in die gängige Richtung justieren.

Nun beschäftigt sich bento mit sapiosexuellen Personen. „Für Sapiosexuelle ist, nach eigener Aussagenicht das Aussehen eines potenziellen Partners entscheidend für romantische Anziehung – sondern dessen Intelligenz.“ Für bento ist das aber keine sexuelle Orientierung, sondern eine sexuelle Präferenz. Schnell gegoogelt, was eigentlich dann die sexuelle Orientierung ist. Dass nun hier auch „sapiosexuell“ geführt wird, wundert mich nicht. Die esoterischen Sozialwissenschaften wie Gender-Studies oder Kritisches Weißsein erlagen ihre Erkenntnisse ja nicht durch wissenschaftliche Methoden, sondern durch diskursiven Stuhlkreis, wo widersprüchliche Schlussfolgerungen ein Markenzeichen sind. Aber egal.

Es ist ja bekannt, dass Menschen eher selten intellektuell nach oben oder unten heiraten. Einleuchtend, weil ja die eigene Beschränktheit nicht ins Gewicht fällt, wenn man ebenso beschränkt ist wie der Partner. Dann passt meist auch der Topf zum Deckel.

Da wirken die Bedenken des Autors doch etwas weltfremd: „Aber wenn Menschen, die nicht über klassisch-akademische Intelligenz und Bildung verfügen, systematisch als Partner ausgegrenzt werden, ist das definitiv bedenklich.“ Da spricht der Tschonalist im Dunstkreis des SPIEGEL, wo es auch für ihn einen Hiwi gibt, der das Pulver für den Cappuccino und den Biojoghurt für’s Müsli beibringt. Da kennt man die Verkäuferin eher nicht persönlich. Wäre ja nett, wenn sie auch mal einen journalistischen Weltenerklärer kennenlernen würde.

Aus schlechtem Gewissen, weil bento womöglich auch von „Minderbemittelten“ besucht wird, hat er wohl noch Folgendes nachgeschoben: „Die Realität zeigt aber, dass ein hoher IQ oder eine Promotion kein tatsächliches Wissen oder sogar Weisheit garantieren.“

Nur eine Streicheleinheit für mangelndes Selbstwertgefühl oder ein Wink in Richtung Laberwissenschaften? Dass in den USA aus dieser Richtung schon Widerstand gegen „cognitive privilege“ gibt, deutet darauf hin, auch wenn es dem Autor vielleicht nicht bewusst ist.

Eine gute Fleischwarenfachverkäuferin, die nett und kompetent ist und mich gut berät, ist eine wirkliche Bereicherung für die Welt und wenn sie noch einigermaßen attraktiv und nett ist, dann findet sich auch der Deckel dazu.

Eine promovierte Person, die keinerlei Mehrwert erzeugt, ideologisch vollkommen verblendet ist und deren Jammern einzig darin besteht, den Schuldigen dafür zu finden, dass sie trotz Karriere eine hohle Nuss geblieben ist und den Argumenten eines bodenständigen Handwerkers schon nicht gewachsen ist, kann höchstens noch Lesbe aus dem gleichen Fachgebiet werden. Gleichzeitig versuchen sie krampfhaft ihre eigenen Probleme für eine Art Selbstfindung in Wissenschaft zu verpacken.

Männer, die eher Wert auf das Visuelle und Griffige legen, fahren ihre Ansprüche nach ein paar Bier ohnehin herunter, weil sie selbst keine Ausgeburt an Attraktivität sind. Umso schlimmer, wenn dann noch eine jammert.

Wer besonderes Wissen oder besondere Fähigkeiten hat, der weiß darum und genügt sich in dieser Hinsicht meist selbst. Der sucht sich jemanden, der auf welchem Niveau auch immer, in dieser Hinsicht mit sich selbst im Reinen ist.

Sapiosexuelle reden sich ihre sexuelle Orientierung nur ein. Sie sind entweder hässlich und wollen neben einem gleichwertigen Partner nicht auch noch hohles Gewäsch ertragen. Oder sie verbreiten selbst akademisch lizensiertes Gewäsch und werden von jedem, der einen halbwegs gesunden Menschenverstand hat, lächerlich gemacht. Allerdings dürfte das eher selten sein, denn genau diese Klientel bleibt ja unter sich. Bento verbreitet nun deren Banalerkenntnisse mit wissenschaftlichem Anstrich, sozusagen die therapeutische Maßnahme, um das Jammern zu ertragen, weil man keinen abbekommt, während man es darauf schiebt, weil man ach ja so intelligent ist.

Der junge Waidler ist nicht so weltfern wie man denkt und eher unkompliziert. Wenn es ans Heiraten geht, dann hat er im Hinterkopf sicher noch den Spruch:

Liebe geht, Hektar besteht. Schön wenn der- oder diejenige auch noch attraktiv ist und gleichzeitig etwas im Kopf hat. Heißt aber trotzdem nicht hektarsexuell.

 

Übrigens ist „vegansexuell“ auch eine sexuelle Orientierung. Sicher lustig, wenn man die Frau nicht betrügen oder schlagen muss, sondern einfach nur genüsslich das Schweineschnitzel auf den Grillrost wirft, damit sie in die Scheidung einwilligt.

Wenn es ums Sorgerecht geht, kann man auch das Rinderhack ins Tofu mischen und sich dann pseudomäßig ob dieses Betrugs entrüsten. Welches Gericht sollte die Schuldfrage klären, wenn man die Frau bezichtigt, sie hätte schon vorher öfter den Weg über die Fleischtheke genommen.