Jungwähler an die Urnen!

Britt-Marie Lakämper will sich auf bento dafür rechtfertigen, dass die jetzigen Erstwähler wie sie am liebsten Merkel als Bundeskanzler möchten. Wenn man sieht, welche Politiker sich noch um sie scharen, nachdem sie alle möglichen Konkurrenten von Format frühzeitig abgeschossen hat, dann kann man die jungen Leute sogar verstehen.

Am Ende des Artikels meint sie, dass Politiker ihr Land durch eine bestimmte Zeit steuern, und sie glaubt, dass niemand behaupten würde, dass die Zeit insgesamt betrachtet, eine leichte gewesen wäre.

Wenn man die Leute sieht, die hier steuern, Studienabbrecher, quotierte Linksideologen (w) aus Laberfächern und hochgediente Parteisoldaten, dann ist das für manchen über 50-jährigen so, als würde man in einem Airbus A380 sitzen und meinen, die Landung wäre jetzt insgesamt keine leichte Aufgabe, während das Flugzeug von einer Hauswirtschaftslehrerin und einem Lageristen gesteuert wird.

Irgendwie dämmert es aber Britt-Marie, dass es früher wohl anders war:

Und während Mama und Papa stolz auf Demos Plakate mit „Atomkraft, nein Danke“ und „Make love, not war“ vor sich hertragen konnten, ahnen wir, dass die Welt längst zu komplex geworden ist für simple Slogans und Ideologien. 

Stimmt! Schließlich mussten die simplen Slogans und Ideologien der Eltern endlich umgesetzt werden. Was hätten sich die Eltern gefreut, wenn schon Helmut Kohl im Handstreich aus der Atomkraft ausgestiegen wäre. Man hätte sich die Demos in Wackersdorf sparen können und Ohu II wäre gar nicht fertig gebaut worden.

Womöglich wären die GRÜNEN nicht über 5% gekommen, wenn man dazu schon damals die Ehe für Alle durchgedrückt hätte (bei make love haben die Eltern zwar an etwas Anderes gedacht), weil dann hätte man gleich Sex mit Minderjährigen wie von den GRÜNEN gefordert legalisiert. Da hätten sich die GRÜNEN glatt überflüssig gemacht. Wenn man bedenkt, dass uns damit Beck, Hofreiter und Roth erspart geblieben wären, würde man Kohl nicht nur wegen der Wiedervereinigung dankbar sein.

Aber so hat Merkel endlich alles umgesetzt und die jungen Leute mögen sie dafür, denn „(Aber) auch dafür steht Merkel: eine grundsätzliche ideologische Haltung überdenken können. Ergebnis davon sind beispielsweise die Energiewende und die Abstimmung über die Ehe für Alle.

Stimmt auch! Schließlich hat sie ihre sozialistische Vergangenheit nochmal überdacht und festgestellt, dass Planwirtschaft doch funktioniert, wenn man sie nur richtig macht. Darum bestimmt jetzt die Politik durch Subventionen und Regulierungen den Strompreis. Der ist zwar nun bedeutend höher, aber was tun man nicht alles dafür, damit wir uns in Zukunft moralisch gleich viel besser fühlen.

Darum schalten wir auch bald die Kohlekraftwerke ab und verzichten auf Verbrennungsmotoren. Ein Volk der Radfahrer, das sein Leben wieder nach Wind und Sonne ausrichtet wie vor 300 Jahren.

Die Ehe für Alle soll nur für die Auflösung der traditionellen Familie sorgen, weil die sozialistischen Ideen der DDR wollten sich dort einfach nicht richtig festsetzen. Diesmal will Merkel nicht den gleichen Fehler machen.

Dann kann auch der Cem Özdemir gefahrlos die Autoindustrie reformieren: Eine politische Kommission soll planen, was gebaut werden soll. Hat damals schon toll funktioniert.

Aber Britt-Marie mischt sich natürlich auch politisch ein:

Wenn ich heute für ein vereintes Europa und gegen das Abdriften der osteuropäischen Staaten demonstrieren will, liegen die Ursachen bei der EU, der Flüchtlingskrise und Russland.

Klingt vernünftig. Wenn man es aber etwas zerpflückt, kommt man allerdings zu einem etwas verstörenden Ergebnis. Wenn ich sie richtig verstehe, will sie ein richtig vereintes Europa, nicht so eine EU, die nicht verhindert, dass osteuropäische Länder abdriften, woran Russland schuld ist, was man natürlich unterbinden sollte. Und die jetzige EU ist auch schuld an der Flüchtlingskrise, denn wäre sie richtig vereint, ohne Grenzen, dann könnten wir alle Flüchtlinge gleichmäßig verteilen und ihnen aus EU-Geldern überall das gleiche bezahlen. Dann gäbe es keine Länder mehr die sich streiten, denn die paar Millionen würden auf der ganzen Fläche gar nicht auffallen und nicht die Bürger in den einzelnen (nicht mehr vorhandenen) Ländern müssten das bezahlen, sondern die EU. Und dann hätten wir schon lange eine gemeinsame Armee, die dem Russen zeigt, wo der Hammer hängt. Schon 1942 standen wir vor Moskau…

Ruhig Britt-Marie! Wir schaffen das. Wenn die Merkel und die EU das mit dem Sozialismus geschafft haben, können wir uns dann gemeinsam mit den USA Russland zuwenden.

Aber wenn du im September brav die Merkel wählst, wird deine „Generation in einem stabilen, sich trotzdem wandelnden Land“ weiter aufwachsen.

Bei „stabil“ bin ich noch nicht so sicher, das „Wandeln“ hat aber schon begonnen.

Marie-Britt. Du schaffst das!

 

Fettdruck im Original, Bild: https://de.wikipedia.org/wiki/Bestattungsurne bearbeitet