Wenn die Faust nicht aufs Auge passen darf

Ein interessanter Artikel fand sich beim tagesspiegel. Eine bestimmte Stelle fand ich da besonders diskussionswürdig, denn, obwohl er schon 5 Jahre alt ist, wirft er mit der jetzigen Entwicklung in Syrien doch einige Fragen auf.

…Bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) hat sich seit Januar eine Gruppe von bis zu 50 syrischen Oppositionellen aller Couleur geheim getroffen, um Pläne für die Zeit nach Assad zu schmieden. Das geheime Projekt mit dem Namen „Day After“ wird von der SWP in Partnerschaft mit dem United States Institute of Peace (USIP) organisiert, wie die „Zeit“ von Beteiligten erfuhr. Das deutsche Außenministerium und das State Department helfen mit Geld, Visa und Logistik. Direkte Regierungsbeteiligung gibt es wohlweislich nicht, damit die Teilnehmer nicht als Marionetten des Westens denunziert werden können.

Nach der Eskalation der Kämpfe und dem Scheitern der Diplomatie durch das Veto Russlands und Chinas aber ist ein „Wendepunkt“ (Westerwelle) erreicht; Deutschland stellt sich offener hinter die Opposition.

Der Syrienkenner Volker Perthes, Direktor der SWP, betont, die beteiligten Regimegegner hätten „sich selbst rekrutiert, denn es ist nicht unsere Aufgabe, hier eine neue syrische Regierung auszuwählen“…

Dieser Artikel im tagesspiegel ist vor allem dann erhellend, wenn man nicht durch das gängige Narrativ über den Syrienkrieg in den Mainstream-Medien sediert wurde. Inzwischen dürfte weitestgehend durchgesickert sein, dass die USA schon 2001 planten Syrien anzugreifen bzw. zu destabilisieren (neben 4 anderen Ländern). Ob der Grund die Umsetzung Brzezinskis geopolitischer Ideen oder die Weigerung Assads eine Pipeline von Katar nach Europa durch Syrien zuzulassen, ist hier unerheblich. Trump hat ja dem CIA inzwischen untersagt, bewaffnete „oppositionelle“ Gruppen und „Rebellen“ zu unterstützen, „überraschenderweise“ nahmen dann auch die Angriffe und Möglichkeiten der Terroristen deutlich ab.

„Das geheime Projekt mit dem Namen „Day After“ wird von der SWP in Partnerschaft mit dem United States Institute of Peace (USIP) organisiert, wie die „Zeit“ von Beteiligten erfuhr. Das deutsche Außenministerium und das State Department helfen mit Geld, Visa und Logistik.“    

Hier fehlt eigentlich nur noch die Wiedergeburt Mutter Theresas um das Ganze abzurunden. Die gleichen Leute, die jahrelang terroristische Gruppen mit Waffen beliefert haben und diese „moderate Rebellen“ und „Oppositionskräfte“ nannten, bringen jetzt sozusagen Kaffee und Kuchen in Berlin vorbei, damit sich die gleichen Leute treffen können, um das Land nach Assads Sturz nach ihren Vorstellungen zu gestalten.

Sogar die Menschen in arabischen Ländern müssen zugeben, dass der Islam unfähig ist sich an demokratische Gepflogenheiten zu halten, wenn er die Mehrheit hat. Man sieht ja was sich in Ägypten nach der Wahl der Muslimbrüder entwickelt hatte. Multireligiöse Länder, wo Islam eine wesentliche Rolle spielt, funktionieren nur, wenn ein Despot die Hand darüber hält. Das macht die Leute zwar unfrei gegenüber der Regierung, aber es sichert zumindest allen Minderheiten das Überleben. Ist der Despot weg, beginnt neben der Unfreiheit auch noch das große Schlachten untereinander und Drittländer beginnen es zu plündern. Siehe Libyen und Irak.

Laut tagesspiegel haben sich die Beteiligten „selbst rekrutiert“, damit nicht der Anschein entsteht, sie wäre nur Marionetten. Ach was! Die haben sich also alle ganz locker in der Schischa-Bar getroffen und gleich den Steimi angerufen: „He Steimi! Wir sind da ein paar Leute, die möchten gerne in Berlin ein bisschen miteinander labern, was wir mit dem Land so machen könnten; nach Assad und so. Liegt eigentlich noch das Spionageschiff des BND im Hafen, das uns vor Jahren schon geholfen hat? Wäre nett, wenn wir da einchecken könnten?“   Und dann sagt Steimi, dass er dazu auch noch ein bisschen Geld und Geschenkgutscheine von Obama besorgen könnte. Schließlich heißt es ja im Text: Das deutsche Außenministerium und das State Department helfen mit Geld, Visa und Logistik.“

In dem Artikel ist von der Freien Syrischen Armee (FSR) die Rede. Wenn ich mich dunkel erinnere, sind das die Dödels, in die CIA und Pentagon 500 Millionen Dollar gesteckt haben, damit 50 bis 100 von ihnen mit Waffengewalt die Demokratie bringen. Ein totales Desaster. Witzig, dass der tagesspiegel auch noch ein Bild von ihnen zeigt: „Syrische Rebellen in Aleppo.“ Die gehören doch dann zu denen, die neben den Weißhelmen und Bana immer von Assad mit Fassbomben beworfen wurden. Und die FSR haben dann ganz Aleppo von den Terroristen und Assads Truppen befreit. Nein, Moment. Assad und die Russen haben Aleppo befreit und die sind sich dann mit der FSR, den Weißhelmen und anderen moderaten Rebellen in den Armen gelegen.

Es reicht allein Kleber & Co zu schauen, damit der Zuschauer die richtige Frage stellen kann. Natürlich waren die sauer, dass die Russen die Bevölkerung Aleppos befreit und vor der Stadt humanitäre Anlaufstellen eingerichtet haben, und haben das totgeschwiegen.

Aber welches Bild hätte die Zuseher mehr gerührt, als wenn die Korrespondenten vor Ort (Kairo!)mit dem Kamerateam den mutigen Rebellen der FSR und den vom vielen Helfen ausgemergelten Weißhelmen entgegengegangen wären. Wenn man die rastlos twitternde, nun vor Erleichterung weinende Bana unverletzt in die Arme geschlossen hätte. Die Sender, die es schon vor Rührung überschlägt, wenn im Pekinger Zoo ein Pandabär geboren wird, schicken dort kein Kamerateam hin?

Zum Glück filmen sich die Rebellen ja selbst und Bana hat sich ja auch nachher mit Erdogan fotografieren lassen; ein Glück! Sie lebt!

Und Steimi (oder später Gabriel) und der BND haben dann ganz locker in den Gelben Seiten geblättert, wo man die ganzen syrischen Heiligen denn unterbringen könnte. Und da ist man dann auf die Stiftung Wissenschaft und Politik gekommen. Da sitzen sicher ganz viele Praktikanten aus der frauenquotierten Soziologie-Schiene wie in anderen politischen Stiftungen. Ob so ein Ort dann so passend wäre, um das Ganze Treffen „unter dem Radar der Öffentlichkeit zu halten?“

Worum es sich bei der Stiftung Wissenschaft und Politik handelt, kann man nur erahnen. Aber überlegen Sie mal, um wen es sich wohl handelt, wenn eine offiziell verantwortliche Stiftung, die „US“ und „Frieden“ im Namen trägt, von ihrem „Partner in Deutschland“ spricht.

Für die gängigen Nachrichten passt das ganze trotzdem nicht wie die Faust auf’s Auge.