Wenn man eine Kultur zerstört

Man hat für den Erfolg fast jede Anstrengung aus dem Weg geräumt und bei jedem Misslingen sind nie die eigene Unpässlichkeit oder das eigene Unvermögen schuld, sondern inzwischen fast haarsträubende Begründungen. Dabei geht es gar nicht mehr darum, dass einem das gelungene Ergebnis versagt bleibt, sondern die daraus folgende Anerkennung. Das traumatisierende Erlebnis, dass man zurückgesetzt wird, weil andere bewundert werden. Anstatt dies als Ansporn zu sehen, hart an sich zu arbeiten, versucht man pädagogisch planmäßig jegliche Enttäuschung zu vermeiden. Sitzenbleiben wird abgeschafft, sowie von manchen Eltern gefordert die Bundesjugendspiele. Generell wird das Niveau in allen Bereichen für alle erreichbar gesenkt.

Alles ist toll, alles ist supi, Hauptsache man hat sich angestrengt. Und wer sich weniger anstrengt, der wird damit getröstet, dass ja die Umstände so schwer waren, so dass das Ergebnis, wenn man das berücksichtigt, wieder voll supi ist. Das pflanzt sich fort bis in die Universitäten. Da finden es Studenten dann völlig unproblematisch Germanistik zu studieren, obwohl es schon an der Rechtschreibung und Grammatik hapert; man hat eben eine diagnostizierte Rechtschreibschwäche.

Kein Wunder, wenn dann völlig Unbegabte sich bei DSDS bewerben, sich zum totalen Gespött machen und es dann auf die Jury oder das Publikum schieben.

Doch eine Minderheit, auch junger Leute, lässt sich nicht blenden. Anrührend Musik zu spielen, ergreifende Bilder zu malen, sportliche Höchstleistungen zu vollbringen oder tiefgründige wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen sind kein vererbtes Privileg, sondern bestehen zu 90% aus Aspiration und 10% Inspiration. Weil diese Kinder es meist von den Eltern vorgelebt bekommen, will man alle Kinder in die Kita zwingen. Denn jedes Kind im Vorschulalter könnte erkennen, wann ein anderes Kind in einem Bereich so gut ist, dass man sich der Bewunderung nicht entziehen kann.

Ich meine, dass der linke Mob, der das Denkmal in Charlottesville vom Sockel gerissen hat, sich genau aus dieser Erziehungsschiene rekrutiert, in der man immer erzählt hat, das Versagen sei die Folge von sozialer Herkunft, Geschlecht, Rasse, Mikroaggression und vieler anderer Ausreden.

Und an der Uni merken sie spätestens, dass anderen deren „Leiden“ völlig egal sind. Die ignorieren das einfach. Der eine tüftelt bis in die Nacht an einer technischen Lösung, ein anderer spielt sich am Klavier Rachmaninow, ein anderer läuft von der Uni noch spontan in Jeans die 10 km nach Hause, schließlich läuft er den Marathon auch unter 2.40 h und wieder ein anderer bringt seine Gedanken so strukturiert aus dem Stegreif auf einen Nenner, was die Stuhlkreise in manchen Seminaren während eines ganzen Semesters nie erreichen. Das ist der mitgemeinte Stinkefinger an die ganzen Versager, die nun meinen, sie könnten ihnen die Hölle heiß machen, wenn sie sich nicht mit den ganzen Nichtskönnern gleichmachen und sich nicht der Ideologie umfassenden Gutseins zur Weltenrettung anschließen.

Und alles baut vor allem in den USA und Europa auf kreative „weiße (!) Vorleistung in den Künsten, der Geschichte und der Wissenschaft.

Die Linken Gleichmacher können einen Wert an sich gar nicht mehr erkennen. Sie sind unfähig zu interesselosem Wohlgefallen. Jede Leistung und jedes Werk sind kontaminiert durch ein unberechtigtes Privileg von Hautfarbe, sozialer Herkunft, Geschlecht und „falscher“ Gesinnung oder Egoismus. Darum muss es zerstört werden. Es ist für sie Ausdruck des Bösen, das die Ungleichheit sinnlich greifbar werden lässt. Gleichzeitig werden jedes Gedudel und jeder Schrott durch die richtige Gesinnung zum Kunstwerk veredelt.

Darum fühlen sich die Demonstranten bei der Zerstörung so befriedigt und berechtigt, sich wie wilde Hyänen aufzuführen. Sie zerstören den unterschwellig, angeblich immer sichtbaren Rassismus.

Wenn die Denkmäler und Gebäude der „weißen“ Vorherrschaft getilgt sind, jedes Kinderbuch politkorrekt umgeschrieben ist, dann geht auch die Jagd auf Menschen los, Womöglich macht man es so, wie während der Kulturrevolution, als man Klavierspielern einzelne Finger abhackte.

Die Bürger wissen nicht, was verloren geht, wenn der Neomarxismus und die Scharia durch die westliche Welt fegen: Es ist das „Ringen um die Form“, die menschliche Anstrengung, um der Sache selbst Willen, das ästhetische Erlebnis interesselosem Wohlgefallens. Darauf hat keine Regierung Zugriff, deshalb muss auch diese Art Mensch getilgt werden, weil er weniger empfänglich gegenüber sozialer Ausgrenzung und den Verlockungen des Konsums ist als andere.

Wer nachempfinden will, was uns verlorengehen wird, schaue sich jeweils den Vorspann der folgenden Dokumentationen an. Schon auf diesen eineinhalb Minuten erlebt der Zuseher eine Dichte an kultureller Errungenschaften aus Architektur, Musik und Sprache, die einen ergriffen zurücklässt.

Ich denke, es ist wert, das alles nicht kampflos aufzugeben.

 

Bild Youtube: screenshot, beiden Dokus sehenswert.