Gerne deutsch

Es gibt ja Leute, die leugnen, dass es so was wie eine westliche Kultur überhaupt gibt. An zwei Beobachtungen, die ich in Berlin machte, kann man aber deutlich sehen wie sie unser Zusammenleben bestimmt.

Sonntags in der U-Bahn vom Wannsee stadteinwärts, die Bahn eher dürftig besetzt. Als eine Frau zusteigt, ihr Rad an die Rückenlehnen einer Sitzgruppe lehnt und sich dann einen Platz sucht, mokiert sich eine jüngere Frau, dass das Rad hier in der Nähe der Tür nicht stehen könnte. Die Frau stellte das Rad um. Nun mischte sich ein Mann ein, dass das nicht notwendig gewesen wäre. Es entwickelte sich ein Disput mit der jungen Frau, etwas kleinkariert und nervig und nicht gerade freundlich, aber es eskalierte zu keiner Zeit. Irgendwann meinte die junge Frau, sie wollte jetzt nicht mehr weiter unterhalten. Da war die Sache gegessen.

Wie oft hört man inzwischen bei einer Einmischung: Was willst du! Was willst du! Hast du ein Problem!?…

Am Gesundbrunnen ging eine Familie, eher so türkisch-arabischen Einschlag mit dem Kinderwagen über den wirklich riesigen Platz an der U-Bahn-Haltestelle. Der etwa 4-jährige Bub rannte plötzlich quer zum Platz und war daran den Weg eines Radfahrers zu kreuzen. Dieser wich ganz normal etwa auf zwei Meter aus und als er sah, dass der Junge vor Schreck auf den Hosenboden gefallen war, blieb er kurz stehen. Sofort setze die volle Hysterie ein. Der Vater rannte zum Kind und die Mutter griff sofort zum Handy. Irgendwie versuchte der Radfahrer die Situation zu erklären und als es im wohl zu blöd wurde, wollte er wegfahren. Doch der Vater rannte hinterher und hielt ihn am Gepäckträger fest.

Inzwischen fuhr ein Krankenwagen mit Blaulicht auf den Platz und etwa eine halbe Minute später ein Polizeiauto. Der Junge wurde zum Krankenwagen getragen, die zwei Polizisten unterhielten sich mit dem Radfahrer und dem Vater.

Vor allem weil die Situation innerhalb von ungelogen zwei Minuten ablief, musste man entweder an versteckte Kamera denken oder die Welt ist inzwischen wirklich völlig irre geworden.

Früher hätte man dafür den Sohn eher geschimpft, weil er ohne zu schauen den Weg eines Radfahrers gekreuzt hat. Bei Abschürfungen hätte man wohl gesagt: Das hast du jetzt davon!

Vielleicht mag ich doch die Kultur, die etwas spießig, ruppig und kleinkariert ist und am Ende doch immer beherrscht bleibt. Also richtig deutsch.

Dass es sich ändert, merkt man, dass Messer bei Meinungsverschiedenheiten inzwischen eine immer größere Rolle spielen.