Das Blendwerk eigener Größe

In einem Artikel der WELT heißt es schon in der Überschrift, dass man die Pflicht habe, eine neue Weltordnung aufzubauen. Macron meinte, diese müsse friedlicher und gerechter sein. Würden bei Zeitungen Journalisten arbeiten, dann hätten sie nach dem Gesäusel über Frieden und Diplomatie den Finger in die Wunde gelegt und hätten nicht folgendes so stehen gelassen:

„Französische Medien hatten im Vorfeld von Macrons außenpolitischer Rede eine Kehrtwende in Sachen Syrienpolitik als große Überraschung angekündigt. Letztlich fielen viele seine Worte sehr viel diplomatischer als erwartet aus. „Wir müssen die Methode ändern“, sagte Macron und hat damit deutlich gemacht, dass er mit der Linie seines Vorgängers François Hollande bricht, der nicht mit dem syrischen Diktator Baschar al-Assad verhandeln wollte und Luftschläge gegen das Regime anordnete.

Macrons Linie ist mehr von Effizienz, weniger von moralischen Überzeugungen geprägt. Sein Credo ist wie so oft Pragmatismus. Das heißt im außenpolitischen Kontext: Manchmal muss man moralische Bedenken über Bord werfen, wenn es der höheren Sache und dem Frieden dient.“

Man kann sicher sein, wenn alles nach Plan gelaufen wäre, dann hätte auch Macron im Interesse Frankreichs ein besiegtes Syrien sauber zerteilt und filetiert wie sein Vorgänger dies auch getan hätte. Dann wäre die jetzige Kehrtwendung gar nicht nötig. Schließlich waren auch die „Drohungen“ gegenüber Libyen, ihnen Demokratie und Menschenrechte zu bringen nur vorgeschoben. Der von Gaddafi geplante afrikanische Golddinar hätte die Vorherrschaft Frankreichs in Afrika doch deutlich beschnitten.

Auffällig war, dass bereits wenige Wochen nach Beginn des libyschen Bürgerkrieges 2011 die vom Westen favorisierten Rebellen der libyschen Kyrenaika in Bengasi eine Art Gegenzentralbank gegründet hatten. Einen derartigen Vorgang hatte es zuvor noch nie gegeben.“

Macron ist zu feige, in Frankreich die überbordende Bürokratie und die Gängelung mittelständischen Unternehmertums, u.a. durch übertriebene Kündigungsregeln, zu beschneiden. Dieser Staat ist nicht in der Lage, das zu erwirtschaften, was er selbst verbraucht. Während Frankreichs damalige Größe auf ihren offen zur Schau gestellten Kolonien beruhte, verlegt es sich heute auf die diskrete Ausbeutung, denn es

sind 14 afrikanische Länder durch einen kolonialen Vertrag mit Frankreich verpflichtet, 85% ihrer Devisenreserven in der französischen Zentralbank zu lagern, unter Kontrolle des französischen Finanzministers. Bis heute (2014) zahlen Togo und 13 weitere afrikanische Länder noch immer die Kolonialschulden an Frankreich. Afrikanische Politiker, die sich weigern, werden getötet oder Opfer eines Putsches. Jene, die gehorchen, werden unterstützt und von Frankreich mit einem opulenten Lebensstil belohnt, während ihre Völker extreme Armut und Verzweiflung erleiden.

Dieses System ist so bösartig, dass selbst die Europäische Union dagegen Stellung bezog, aber Frankreich ist nicht bereit, von einem kolonialen System zu lassen, dass jedes Jahr etwa 500 Milliarden Dollar aus Afrika in seinen Haushalt spült.“ (hier)

Der weichgespülte französische Sozialismus wäre allein also nie tragfähig. Man muss sich wundern, dass Macron dafür zusätzlich noch eine Vergemeinschaftung seiner Schulden innerhalb der EU anstreben muss, um seinen Laden am Laufen zu halten.

„Manchmal muss man moralische Bedenken über Bord werfen, wenn es der höheren Sache und dem Frieden dient.“  Ach was. Soll wohl heißen: Man muss vorübergehend zur Drecksau werden und eben abgreifen, was gerade geht, dass es eben für alle Franzosen so weiterläuft und sie brav ihre Schnauze halten. Dann können wir uns weiterhin weltpolitisch wichtigmachen, wenn alles wenigstens so aussieht wie wenn.

Macron ist nichts weiter als ein telegener Schönling und Blender. Die Franzosen wählten die Veränderung, damit sich für ihr Leben möglichst nichts ändert. Und für die Eliten ohnehin nicht.

So wie man den Deutschen die immerwährende Schuld einredet, so redet man den Franzosen die immerwährende Größe ein.

Bildquellen:https://de.wikipedia.org/wiki/Emmanuel_Macron, bearbeitet