Wenn eine „Trulla“ eine „Hähn“ ist

oder wie man Wörter kriminalisiert.

Heute las ich von einem Mann, der auf seiner Facebook-Seite eine öffentlich umstrittene Muslimin als Musel-Trulla bezeichnet hat und dann eine Hausdurchsuchung über sich ergehen lassen musste. Ihm droht nun eine Anzeige wegen Beleidigung und Volksverhetzung.

So ein Vorgang ist in Deutschland nun wirklich keine Überraschung mehr, denn in diesem Fall ist die Polizei der verlängerte Arm der roten Inquisition; da ist man dann nicht sicher, ob es hier nur um diesen Begriff geht oder die Beiträge auf dieser Facebook-Seite insgesamt „wenig hilfreich“ waren.

Egal. Wenn sich die erste Bestürzung gelegt hat, wie schon bei den Begriffen „entsorgt“ oder „Schießbefehl“, dann habe ich immer ein bestimmtes Bild vor Augen.

Meist eine Rothaarige wie Katja Kipping, die dann verbittert den Kopf schüttelt und meint: „Dieser Hass. Diese Hetze.“ (wo wir doch schon seit Jahren gegen Rechts kämpfen, wollte sie am liebsten noch ergänzen).

Du Katja, denk ich mir dann, mach dich mal locker. Ich weiß ja nicht, ob du in der Kita in der Normannenstraße sozialisiert worden bist, wo man schon als Kind vor dem Hass und der Hetze des Klassenfeindes gewarnt wurde und das entsprechend leicht verinnerlicht hat. Da maßt man sich als Erwachsener leicht an, dass hinter dem Wort „Musel-Trulla“ echter Hass stecken müsse.

Wer im ländlichen Bayern vor 30 oder 40 Jahren sozialisiert wurde, weiß, dass der angeblich Beleidigte dabei nicht noch zu Ehren einer Gefühlsregung kommen soll und solche Begriffe eher „informell“ sind.

Wenn früher bei großen Familienfeiern alle zusammenkamen, so fragten natürlich die Jungen die Erwachsenen, wer diese(r) oder jene(r) wäre. Natürlich waren darunter auch welche, die ihnen nicht so sympathisch waren.

Da hieß es dann bei Frauen: „Des is halt aa so a Hähn (Henne)/Schnepfa/Goaß/Gweih/Hepfa/Hofa.“

Und bei Männern: „Des is a rechter Kaschperl/Depp/Noa(Narr)/Aff/Schwoeschell (Schwellschädel).“

Ging es um die ganze Sippe, so hieß es dann „Gschweal“ (von Geschwirre) und „Gfrass“ (wahrscheinlich von Fresser).

Solche, die eben unglücklicherweise nicht mit Intelligenz gesegnet sind, werden nie in dieser Weise abgewertet. Da sagt man dann „De hand vo da schwaara Seitn“, soll heißen, die hätten es immer schon schwerer gehabt. Da sollte man Nachsicht haben.

Ich kann zwar die Begriffe einem Außenstehenden nicht erklären, in meinem Umfeld ist aber jedem klar, was gemeint ist. Sie charakterisieren nur völlig nüchtern in der Hinsicht: Ich muss nicht jeden mögen, mich muss aber auch nicht jeder mögen.

Deshalb sind Sätze auch in direkter Anrede wie „Du bist aa so a Hähn/Depp“, keine Beleidigung innerhalb eines Sprachspiels, das den Beteiligten bekannt ist.

Bei einer Wahlveranstaltung in einem Wirtshaus im Bayerischen Wald würde doch niemand einen Besucher anzeigen, wenn er zum Politiker meint: „Oabatn bei eich lauter secherne Kaschperln?“ (Arbeiten bei euch lauter solche Kasper (wie du)?)

Wer sich an die Auseinandersetzungen zwischen Strauß und Wehner erinnert, der weiß, dass sie sich neben den Beleidigungen doch schätzten und respektierten. Eine gemeinsame Kultur heißt auch, dass man weitgehend am gleichen Sprachspiel teilnimmt.

Wenn sich nun Kulturen etablieren, die eher leicht beleidigt sind (Muslime, „Schneeflöckchen“, linksorientierte Aktivisten) und nun für sich reklamieren, wir sollten uns ihrem Sprachspiel unterwerfen und die Political Correctness dies auch noch fördert, dann wird man am Ende jeden für jede Äußerung wegen dessen Unwissenheit an die Wand nageln können.

Ich habe wieder die Rothaarige vor Augen. Vergiss es. Die DDR hat es in 40 Jahren nicht geschafft, denn die von oben verordneten Begriffe wurden an der Basis eben ins Gegenteil verkehrt. Man kann die Begriffe vorschreiben aber nicht das Sprachspiel, in dem sie gebraucht werden.

Man kann allerdings die Menschen entsprechend einschüchtern wie das im obigen Fall beschrieben ist. Hoffen wir, dass am Ende doch wieder die Freiheit gewinnt. Doch sie wird nur gewinnen, wenn jeder sich jetzt noch mutig die Freiheit des Wortes nimmt. Sonst kann es diesmal länger als 40 Jahre dauern.

Bild: Die Henne „Schock“; sie erstarrt immer, wenn man sie herumträgt.