Frau Künast braucht seriöse Nazis

Vor zwei Tagen gab Renate Künast ein Interview bei nt-v. Im Vorlauf gab es einen Einspieler, in dem Göring-Eckert an sie gerichtete Hassmails öffentlich vorlas. Das Ganze war in bedrohlichem Grau gehalten. Nun kam bei Frau Künast die ganze Litanei von Hass, Hetze, Verrohung, PEGIDA, AfD, Bedrohung der Demokratie usw.

Manchmal wünsche ich mir für sie, dass sie bei angeschaltetem Licht ins Schlafzimmer zu ihrem Rüdiger kommt und dieser lechzt: Renate! Du siehst heute so scharf aus! Dann würde sie vielleicht nicht ab und zu in so hysterische Phasen eintreten wie jetzt. Denn schon einen Tag später wird sie in einem Artikel mit gleicher Stoßrichtung zitiert.

Die AfD strebe „ein autoritäres System und keine Demokratie mit einer Gewaltenteilung und der Herrschaft des Rechts“ an, fügte Künast hinzu. Die Abgeordneten der etablierten Parteien müssten daher aufpassen, „dass wir vor lauter rassistischen Hassreden und ideologiegetränkten Inszenierungen noch Zeit und Raum haben für Gesetzesarbeit und Regierungskontrolle“.

Lassen wir mal dahingestellt, ob es die Bedrohung wirklich gibt, man nur Angst um seine eigenen Pfründe hat oder möglichst viele Kollegen mit Steuergeldern im Kampf gegen Rechts unterbringen möchte. Ziel ist es immer, beim Bürger Angst und Ablehnung zu erzeugen und einen direkten Bogen zu Hitler zu schlagen, der kurz vor der Wiederauferstehung ist.

Bisher schien mir das ganz gut gelungen. Fast täglich kann man auf den Spartensendern Hitler-Dokus sehen von Hitlers Wahn, Hitlers Frauen, Hitlers Hunde bis zu Hitlers Ufos. Mit dem Wortschatz dieser Sendungen bestückt man danach in den Nachrichten auch die Berichte über PEGIDA, AfD und alle anderen, die gesinnungsmäßig nicht die medial vorgegebene Linie fahren. So entsteht ein dunkel waberndes Bild, das einen vermuten lässt, hinter jedem Kritiker an Merkel stünde ein Nazi.

Nun habe ich aber meine Zweifel, nachdem ich heute zufällig einen Teil einer Doku über eine Art Nazi besetztes Viertel in Dortmund gesehen habe. Hier marschierten NPD und Dritter Weg auf. Wenn man in die grenzdebilen Gesichter sieht, teilweise mit Hitlerbärtchen und akkurat gescheitelt, dann denkt man unweigerlich daran, dass man nachweislich einen IQ von 63 braucht um allein aufs Klo zu gehen. Um zu erkennen, dass deren Weltbild zwar autoritär ist, aber etwa das Niveau hat wie die dunkle Seite auf Barbies Ponyhof, dazu braucht es keinen Rechtsextremismusexperten.

Spätestens seit Lindner („alle Flüchtlinge müssen zurück“) und de Maiziere (Zuwendungen an Asylanten kürzen) die angeblich nazi-kontaminierten Vorschläge der AfD übernehmen, kann man die Ausführungen von Frau Künast nicht mehr glaubwürdig halten. Schon der interessierte Laie erkennt, dass viele Vorgänge in Deutschland und Europa inzwischen wenig mit Demokratie zu tun haben. Die EU-Kommission ist nicht demokratisch gewählt, Merkel hat die Grenzen eigenmächtig ohne Zustimmung des Parlaments öffnen lassen, die Klagen dagegen wurden vor Gericht ohne Begründung abgewiesen. Ganz abgesehen davon, dass man sich um verschiedene EU-Gesetze ohnehin nicht mehr schert. (Maastricht, Dublin)

Die „ideologiegetränkten Inszenierungen“ nach Künasts Worten findet man doch eher bei mancher Landtagspräsidentin, sobald ein Redner der AfD ans Pult tritt. Für den politisch Interessierten ist das so lächerlich, dass man annehmen muss, dass viele Posten nicht nach Qualifikation vergeben werden. Geschenkt.

Wenn man den politischen Gegner mit Hilfe der Medien in die Naziecke stellen will, dann muss man den Zuseher schon für geistig entkernt halten, wenn man sich eine Wirkung davon verspricht, wenn man auf grölende, grenzdebile NPD-Marschierer einen Bericht über AfD oder PEGIDA folgen lässt.

In ihrer gegenwärtigen hysterischen Phase ist Frau Künast sicher dankbar für jeden besseren Vorschlag aus der links-medialen Praktikantengilde.

Um den seriös wirkenden Auftritten der AfD-Spitze gerecht zu werden, sollte man vielleicht auf einen Einspieler über ein Jungmädelsingen eine Rede von Beatrix von Storch folgen lassen. Zu Bystrons Herkunft und Stimme passt dann sicher eine Fronleichnamsprozession in Böhmen und Mähren von 1937 als Einleitung.

Das ist zwar genauso bescheuert, aber dann kann Renate in ihrer Parallelwelt verbleiben und der Zuseher hat einen weiteren Grund weiter zu zappen.