Die dankbaren Opfer

Gestern war wieder „Verstehen sie Spaß“. Meine Frau und mein Sohn sehen das gern, während ich das meistens nur auf einem Auge mitbekomme. Aufmerksam wurde ich erst bei einem Beitrag, als so ein Bärtiger, etwas Beleibter, einen Yoga-Kurs leitete. Irgendwie turnten alle auf einem großen Gymnastikball herum und am Ende gab es die Anweisung, dass sich alle in die Gymnastikmatte einrollen sollten, um zu spüren wie einen die Welt umarmt. Zwei Männer in dem Kurs hatten schon vorher lachend die Segel gestrichen, während es doch einige Frauen gab, die bis zum Ende mitmachten.

Wirklich beeindruckend, dass man hier eine Autorität akzeptiert, obwohl jedem klar sein musste, dass das nichts mit Yoga zu tun haben konnte und der Vorturner in keiner Weise den Erwartungen für einen Yogalehrer entsprach. Als alles aufgelöst wurde, saßen alle am Boden und klatschten. Worüber? Womöglich nur, weil die die Sendung kannten und am Ende immer alle klatschen. Sonst müssten die meisten nach kurzem Innehalten vor Scham im Boden versinken.

Dieses Format eignet sich wirklich vortrefflich für Deutschland, denn die Macher treffen auch im öffentlichen Raum fast ausschließlich auf Menschen, die auch bei den größten Gängelungen, die sie erfahren, noch die Contenace bewahren. Jedem, der eine „Uniform“ trägt, und sei es ein Hausmeisterkittel, unterwirft man sich in allen Belangen, egal wie absurd eine Forderung oder Behauptung ist. Da werden beim Tanken Ehefrauen entführt, Pferdeäpfel auf der polierten Motorhaube deponiert oder Anzeigen mit unverschämten Geldforderungen geschrieben.

Da hält man schon kurz inne und fragt sich, ob es dieses Format auch in anderen Ländern gibt. Schließlich kommt es in manchen südländisch dominierten Stadtteilen immer wieder zu aggressiven Massenaufläufen, allein schon, wenn die Polizei einen Autofahrer darauf hinweist, dass man nicht in zweiter Reihe parken dürfe.

Aber es gibt Sendungen mit dem Konzept von „Verstehen Sie Spaß“ auch in anderen europäischen Ländern und Kanada.

Auch in Ägypten und Algerien ist die Sendung beliebt. Dort heißt sie Dzscoop. Dazu gibt es auch Videos auf Youtube. Was jedoch auffällig ist und mir durch die Kleinwüchsigkeit einer Darstellerin sofort ins Auge gestochen ist, ist, dass es sich mit ihr mehrfach um das gleiche „Opfer“ handelt. Ebenso spielen alle Szenen mehr oder minder nie im öffentlichen Raum; verschleierte Frauen sind ohnehin nicht zu sehen.

Allein die beinahe hysterische Reaktion eines anderen Opfers in einem Kosmetikstudio(?) wäre im öffentlichen Raum durch eine deutsche Frau in der Lautstärke fast undenkbar.

Wer kennt nicht die Slapstickeinlagen, wo ein Lockvogel z.B. Kaffee oder Essen über den Anzug eines Mannes oder das Kleid der Ehefrau kippt und dazu noch einen „witzigen“ unverschämten Spruch dazu ablässt.

Machen sie das mal bei einem Türkenmacho oder in der arabischen Shischa-Bar. Wenn ihnen nicht ohnehin gleich die vordere Zahnreihe fehlt, so werden sich in wenigen Minuten diverse Onkel, Cousins und Brüder am Ort des Geschehens zusammenrotten. Während der „Geschädigte“ hier als Lockvogel für die ganze Verwandtschaft dient, bekommt das Wort „Opfer“ bei „Verstehen sie Spaß“ eine völlig neue Bedeutung.

Es gibt ja Kulturen, die sind leichter beleidigt oder sich in der Ehre gekränkt fühlen; Deutsche gehören nicht dazu. Die klatschen noch, wenn man sie lächerlich macht oder bis auf die Knochen blamiert, dazu sind sie meist bis in die Haarspitzen friedfertig und reagieren jederzeit höflich und kultiviert. Wenn ein Deutscher ob eines Streiches schon innerlich kocht, so reagiert er äußerlich doch nur „leicht ungehalten“.

Sollte sich Deutschland in die Richtung bewegen, wie es sich die Integrationsbeauftragte Özuguz vorstellt, dass wir nämlich unser Zusammenleben täglich neu aushandeln müssen, dann ist auch das Ende von „Verstehen Sie Spaß“ in der jetzigen Form eingeläutet, wenn man die Sendung nicht „kultursensibel modifiziert“.

Denn es ist unwahrscheinlich, dass sich einen Lockvogel in dieser Zukunft einfach mit einer Gefahrenzulage abspeisen lassen würde.