Narrenturm beim Büchersturm

Nun versucht man nach dem Buch finis germania von Rolf Peter Sieferle auch „Kontrollverlust“ von Thorsten Schulte vor dem Kunden zu verbergen oder den Kauf zu erschweren. Große Buchhandlungen haben es nicht auf Lager, streichen es aus den Bestsellerlisten oder weigern sich es zu bestellen.

Händler und Journalisten gebärden sich, als könnten Millionen an Lesern ein Aha-Erlebnis haben und daraufhin den zementierten Meinungskorridor verlassen. Hunderttausende journalistische Meisterwerke der Tagespresse könnten in den Zeitungsständern liegenbleiben, wenn das vorgegebene Narrativ plötzlich in Zweifel gezogen wird. Sucht man jedoch beide Bücher in den Verkaufszahlen bei amazon, so schaffen sie für August und September zusammen sicher nicht mehr als je 4000 Exemplare. Nimmt man die Leser und nicht nur die Verkaufszahlen, so erreicht jedes der Bücher nicht 1 Tausendstel einer Tagesausgabe der BILD.

Warum dann diese überzogene Reaktion? Keine Ahnung. Ich habe beide gelesen und wegen des Inhalts muss sich nun wirklich keiner ins Hemd machen. Doch es lassen sich doch die einen oder anderen Argumente für deren Reaktion finden:

Journalisten leiden an einer völligen Fehleinschätzung der Realität. Die Narrative über die Ukraine, Syrien, die Migrationskrise, NSU usw., die man gebetsmühlenartig wiederholt, brechen ja schon zusammen, wenn man ein beliebiges dieser Schlagworte in der Suchfunktion mit Fake verbindet. Sicher kommt man dort auch auf weniger vertrauenswürdige Seiten, doch wer dem Strang folgt, der kommt über die Quellen am Ende wieder zu gewöhnlichen „seriösen“ Nachrichten, die man wohlweislich nur einmal als Dreizeiler gebracht hat. (hier, hier hier). Jeder der nur den Staub wegbläst und nicht mal an der Oberfläche kratzt, der muss größte Teile der Berichterstattung in den ÖR für einen schlechten Scherz halten.

Journalisten wissen, wovon sich Menschen beeinflussen und so auch manipulieren lassen. Sie wissen, dass der Leser nur die Überschriften liest, Dinge fürwahr hält, wenn man sie oft genug wiederholt, und das meiste ohnehin schnell wieder vergisst. Man hat nicht Angst, dass die Leute das Buch wirklich lesen, sondern dass das Schlagwort „Kontrollverlust“ kombiniert mit dem düsteren Einband mit Merkel und Draghi ihnen in jedem Buchgeschäft unter die Augen kommt und sich so unterbewusst festsetzt. Schließlich machen Journalisten das ja schon erfolgreich, wenn sie „Trump“ täglich mit entsprechenden Schlagwörtern kombinieren.

Derartige Bücher zu diskreditieren oder tot zu schweigen sind jedoch gleichzeitig der beste Garant für steigende Verkaufszahlen ohne zusätzliche Werbung, wodurch es dann am Ende auch mehr erschwingliche Gebrauchtexemplare gibt.

Journalisten trauen dem Frieden nicht und glauben, dass irgendwann so ein Buch zusammen mit einem besonderen Ereignis Auslöser sein könnte, dass die Regierung und mit ihr die anbiedernde Staatspresse hinweggefegt werden. Viele wählen ja schon entgegen ihrer Überzeugung aus taktischen Gründen. Wie kann es sein, dass 70% dafür sind, Flüchtlinge zurück nach Libyen zu bringen, während der gleiche Prozentsatz genau die Parteien wählt, die nicht mal eine Obergrenze für Deutschland fordern. Hat man sich nicht immer darüber lächerlich gemacht, dass es kein leichtgläubigeres und gutmütigeres Volk gibt als die Deutschen? Aber auch kein anderes fanatischer ist, wenn erst der Deckel vom kochenden Topf geflogen ist.

Was ist nun der wahrscheinlichste Grund, dass man „wenig hilfreiche“ Bücher trotz gegenteiliger Wirkung versucht zu verheimlichen oder niederzuschreiben?

Ich denke, die meisten Journalisten der „Qualitätspresse“ sind unterqualifizierte und realitätsferne Angsthasen. Und wenn sie nix tun und nix schreiben wäre dazu allen geholfen.

Bild: Von Gryffindor – Eigenes Werk, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1139500