Wir brauchen eine „Neue Aufklärung“

Die Zeit der Aufklärung war darauf gerichtet,  „durch rationales Denken alle den Fortschritt behindernden Strukturen zu überwinden“. Seit der Renaissance versuchte man, die Natur und den Menschen und nicht Gott in den Mittelpunkt zu stellen. Doch erst als man das Joch der Kirche, des Aberglaubens und der althergebrachten Hierarchie in der Aufklärung weitgehend abstreifen konnte, begann der wirkliche Fortschritt. Denn nach Kant kann nur der Mensch vernünftig handeln, der wirklich frei ist. Der Mensch verließ zwar das Joch der Kirche, doch gleichzeitig den Schoß, der die Erlösung versprach. Kein Wunder, dass der Fortschritt auch die Erlösung im Diesseits versprechen musste, um das Volk bei der Stange zu halten. Nationalsozialismus, Kommunismus und Sozialismus brauchten Millionen von Toten, den Irrtum zu erkennen, dass jenseits von Leichenbergen auch keine Erlösung wartet.

Die Zeiten sind überwunden und mit der Straffreistellung von Homosexualität und es kein Tabu mehr ist, dass Frauen ihr Leben selbstbestimmt leben können, scheint der Mensch zumindest im Westen endgültig frei zu sein. Vernunft und Fortschritt könn(t)en sich seitdem frei entfalten.

Das ist ein Trugbild. Schon in dem Buch „Nachrichten aus dem Jammertal“ von 1994 konnte man lesen, wie an den Universitäten in den USA sachliche Kritik mit persönlichen Angriffen gleichgesetzt wurde.

Zu meiner Studienzeit erschienen mir solche Marotten wirklich als bescheuert und ich blieb zum Glück davon verschont. Doch heute wird bei sachlicher Kritik genau ausdifferenziert, ob sie nicht gleichzeitig rassistisch, antifeministisch oder homophob sei. Es entsteht damit eine Art Schutzraum für die Unvernunft und ein Opferprivileg, das teilweise mit Drohungen der sozialen Vernichtung oder direkter Gewalt durchgesetzt wird.

Leider ist diese Welle auch nach Deutschland übergeschwappt. Man versucht zum Beispiel Biologen und Humangenetiker, deren Erkenntnisse im Vorbeigehen Gender-Mainstream und 60 Geschlechter als völligen Blödsinn entlarven, mundtot zu machen und zu diskreditieren. Klimaforscher, die wirklich an Erkenntnissen interessiert sind und sich nicht den Klimahysterikern anschließen, werden ohnehin nicht gehört, lächerlich gemacht oder diffamiert.

Dabei kann sogar der gebildete Laie erkennen, dass Gender-Mainstream oder der menschengemachte Klimawandel nur ein Vorwand sind, ein Netz an Profiteuren zu etablieren, das Wissenschaft und Gesellschaft in ein Korsett zwingt, in dem es keinen Fortschritt geben kann.

Forschungsrichtungen, die nur dazu dienen eine politische Ideologie zu verbreiten, um politische Entscheidungen zu rechtfertigen, hemmen jeden Fortschritt. Denn Regulierungen und Subventionen töten jeden Anreiz, technische Dinge zu verbessern, wenn diese ohnehin schon genug Ertrag abwerfen.

Ohne die EEG-Umlage und Vorrangeinspeisung hätte man sich auch Gedanken darüber gemacht, wie man den Strom speichern oder gleichmäßiger einspeisen könnte. Wenn ein Windrad aber schon Profit abwirft, wenn es keinen Strom produziert, dann ist die Grenze zu Irrsinn und technischem Stillstand erreicht.

Um 1900 diskutierte man in London über das Problem des überbordenden Pferdemists in der Stadt. Ohne Fahrverbote für Kutschen und Regulierungen erledigte sich das Problem durch das Automobil von selbst.

Das Gleiche gilt für die Geisteswissenschaften. Wenn die vermeintliche Erkenntnis vor der eigentlichen ergebnisoffenen Forschung steht (Gender, kritisches Weißsein, …), dann verkommen deren Vertreter zu Zuträgern für linke Ideologen und sind als „Experten“ gern gesehene Gäste in den ÖR-Medien.

„Skeptiker“, „Leugner“, „solche, die für Argumente(?) nicht mehr erreichbar sind“, so tituliert man die, die von den vermeintlichen Erlöserworten der Klimareligion und des Kulturmarxismus nichts mehr hören wollen. Die Hohepriester  sind die Politiker der etablierten Parteien, die Verkünder der Frohbotschaft sind die Universitäten und Medien. Die Deutschen können erlöst werden von ihrer historischen Schuld, wenn sie die ganze Welt mit offenen Armen aufnehmen, das Klima retten und alle menschlichen Unterschiede einebnen.

Galileo musste noch vor die Inquisition. Heutige Wissenschaftler müssen sich vor dem Unikanzler rechtfertigen, erhalten Redeverbot oder werden vom wissenschaftlichen Diskurs ausgeschlossen, auch indem man ihnen keine Fördergelder zuteilt.

Früher war geächtet, wer den Namen Gottes achtlos aussprach oder die Lehre der Kirche in Frage stellte. Heute erleidet man das gleiche Schicksal, wenn man gegen die Political Correctness verstößt, denn die Wortführer können sich wie damals auf Denunzianten und einen großen Rückhalt in der Bevölkerung stützen. Wie damals rufen sie: Verbrennt sie!

Doch die Neue Aufklärung hat sich schon auf den Weg gemacht. Nachdem die Kirchen für Argumente unzugänglich waren, mussten sie mit der Zeit Spott und Verachtung hinnehmen. Dies geschieht heute wieder in gleicher Weise, wenn Kritiker diesen diesseitigen Erlöserglauben aufs Korn nehmen.

Und wie vor ein paar Hundert Jahren ist das Gezeter bei den Glaubensbrüdern groß. Und wie damals wird es dem Volk nach und nach wie Schuppen von den Augen fallen, vergleichbar, als sie sich plötzlich nicht mehr durch die Angst vor Hölle und Fegefeuer gängeln ließen.

Bei jedem größerem Sturm hängen die Menschen an den Lippen der vermeintlichen Klimaforscher, die ihn als Folge unserer CO2-Emmissionen sehen. Und durch Windräder werden wir erlöst werden. Genauso wie damals, als man uns weismachte, dass der Sturm eine Strafe Gottes für unser unzüchtiges Leben wäre. Drei Vaterunser und eine kleine Spende würden uns erlösen.

Parallel hat der Buchdruck zwar die Lehre der Kirche verbreitet, doch durch ihn kamen auch die Gegenmeinungen unters Volk. Funktioniert nicht das Internet heute in gleicher Weise?

Gender und Political Correctness haben die Geisteswissenschaften getötet. Die Euro-Geldpolitik hat den freien Geldmarkt ausgehebelt und manipuliert. EEG-Umlage, Atomausstieg, Subventionen und sinnfreie Umwelt- und Gleichstellungsauflagen haben freien Wettbewerb um die beste Lösung und die besten Köpfe zum Erliegen gebracht und eine Unmenge an Schmarotzern produziert, die dieses System unbedingt erhalten wollen.

Wir brauchen die Neue Aufklärung. Eine nüchterne Bestandaufnahme, die am Ende den ganzen fortschrittshemmenden esoterischen Quatsch hinwegfegt, damit man sowohl am Stammtisch, als auch an den Universitäten wieder frei atmen kann.

Der Tag wird kommen. Und jeder, der das vorgeschriebene Gedankenkorsett selbstbewusst abwirft und frei ausspricht, was er denkt, hat seinen Teil dazu beigetragen.

 

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