Ein Gefühl, das Apparatschiks fremd ist.

Soeben hieß es in den B5-Nachrichten zu Katalonien, dass sich die EU nicht in die inneren Angelegenheiten Spaniens einmischen wolle. Eine Einmischung geschehe nur, wenn Länder permanent gegen EU-Recht verstoßen, so wie das bei Polen und Ungarn der Fall sei.

Ach was! Wie war das mit dem Maastrichtvertrag? Frankreich verstößt seit 10 Jahren dagegen. Schengen? Dublin? Das letztere Vertragswerk ist laut Merkel ja im Grunde nicht mehr existent. Ein Gesetz, an das ich mich selbst nicht halte, kann ich leicht als nicht existent bezeichnen.

Ich kann mich erinnern, dass man in Deutschland Leute seit Jahren als Rechtspopulisten und Antidemokraten bezeichnet, weil sie meinen, dass es ganz nett wäre, wenn man sich die EU wenigstens an die eigenen Gesetze halten würde.

Dass Polen und Ungarn genau den Willen der klaren Bevölkerungsmehrheit umsetzen, ist den EU-Apparatschiks natürlich ein Dorn im Auge.

Die Berichterstattung über Katalonien ist natürlich völlig unausgewogen, wenn man im Vergleich dazu sieht, wie man die Abspaltung des Kosovo von Serbien vom Westen aktiv betrieb, um dort entsprechende US-Stützpunkte zu errichten, oder das Referendum der Schotten unterstützte.

Es ändert aber nichts daran, dass nun auch die Katalanen ihren Willen durch ein Referendum Ausdruck verliehen haben und die Regionalregierung in deren Auftrag handeln möchte.

Aus verwandtschaftlichen Verbindungen nach Katalonien weiß ich, dass man innerhalb der Familie zwar nicht einheitlich die Linie einer Abspaltung vertritt aber alle eint der Hass auf die Zentralregierung in Madrid. Die Katalanen hatten vor allem während der Franco-Diktatur unter ihr zu leiden, weil ihnen die eigene Sprache und die eigene Kultur versagt wurden. Auch nach der Diktatur war Madrid nicht gewillt, allen Forderungen der Katalanen innerhalb des Staatsverbundes nachzugeben. Was lange gärt, wird nun endlich Wut.

Wenn kleinere Länder eigenständig werden wollen, dann wird immer mit einem wirtschaftlichen Niedergang gedroht. Nie wird dabei bedacht, dass ein Referendum, das auf demokratischem Weg zu einer Unabhängigkeit führt, auch zu einer höheren Solidarität untereinander führt und man die Folgen eher mit aller Konsequenz mittragen wird, als jede Einmischung durch ein nicht gewähltes Politbüro in Brüssel.

Weil heimatlosen und kinderlosen Journalisten und Politikern dieses Gefühl der Solidarität völlig fremd ist, muss es sich in deren Augen bei den Befürwortern einer Abspaltung grundsätzlich um kurzsichtige und minderintelligente Radikale handeln.

Bild:https://de.wikipedia.org/wiki/Flagge_Kataloniens#/media/File:Senyera_(Pl._Octavi%C3%A0,_S._Cugat_del_Vall%C3%A8s)_01.jpg