Die Rückkehr zum Frühmensch oder die evolutionäre Sackgasse.

Inzwischen ist man beinahe fassungslos, wie viele Menschen sich der Realität verweigern und auch gegen Fakten völlig resistent sind. Sei es nun die Energiewende, die Masseneinwanderung, Inklusion und Integration oder die Geldpolitik. Ohne große Recherche ist es möglich den allgemeinen Konsens in jedem der genannten Gebiete auszuhebeln. Es kann nicht allein daran liegen, dass der Mensch dauernd im Widerstreit von Gesinnungsethik und Verantwortungsethik liegt. Die Welt und jeden einzelnen Bewohner retten zu wollen, nur um zu den Guten zu gehören, um nicht sozial ausgegrenzt zu werden, müsste die negativen Folgen für die Zukunft völlig ausblenden. Die kognitive Dissonanz muss hier fast unerträglich sein, wenn der eigene Verstand so beleidigt wird. Es fällt schwer, eine Erklärung zu finden, dass diese „grünen Positionen“ dann vor allem von noch jungen Menschen, Studenten und eher höher Gebildeten vertreten werden.

Ein äußerst lesenswerter Artikel brachte mich nun dazu, die Sache von einer evolutionären Seite zu betrachten. In dem Artikel schildert die Autorin Gedaliah Braun ihre 30 Jahre Erfahrung mit der afrikanischen Kultur. Sie stellte über die Jahre fest, dass abstrakte Konzepte eher die Ausnahme sind und belegt das anhand vieler interessanter Beispiele. (https://transformier.wordpress.com/2016/07/15/moral-und-abstraktes-denken-wie-afrikaner-sich-von-westlern-unterscheiden-moegen/)

Mir fiel zum Beispiel auf, dass Afrikaner nur selten Versprechen hielten und auch keinen Anlass sahen, sich zu entschuldigen, wenn sie eines brachen. Es war, als ob ihnen nicht bewusst wäre, dass sie irgendetwas getan hatten, für das man sich entschuldigen müsse. (…)

Aber wenn es in Zulu kein Konzept von Verpflichtung gab, wie konnte es dann das Konzept von Versprechen geben, da ein Versprechen ja die mündliche Zusicherung einer Verpflichtung ist? Ich habe angefangen, mich dafür zu interessieren, so erzählte ich ihm, weil Afrikaner oft Versprechen nicht einhalten und sich nie dafür entschuldigen – gerade so als ob dafür keine Entschuldigung notwendig wäre.

Ein Licht schien ihm aufzugehen. Ja, sagte er, das Zuluwort für Verspechen – isithembiso – ist nicht das korrekte Wort. Wenn ein Schwarzer etwas „verspricht“ meint er damit „Vielleicht mache ich es, vielleicht auch nicht.“ Aber, so sagte ich, das macht ein Versprechen ja unsinnig, der eigentliche Sinn davon ist doch, dass man sich bindet, etwas Bestimmtes zu tun. Wenn man nicht sicher ist, ob man etwas tun wird oder nicht, kann man doch etwas in der Art sagen wie „Ich will es versuchen, aber versprechen kann ich es nicht.“ Er sagte, er habe schon gehört, wie Weiße das sagen, aber es bis heute nicht verstanden. Wie es ein junger rumänischer Freund auf den Punkt brachte: Wenn ein Schwarzer etwas „verspricht“, dann heißt das „Ich werde es versuchen.“

Die Unfähigkeit, Versprechen zu halten, ist daher kein sprachliches Problem. Es ist schwer vorstellbar, dass sie nach so langer Zeit des Zusammenlebens mit Weißen die korrekte Bedeutung nicht erlernt haben sollten, und es wäre zu viel des Zufalls, dass man dasselbe Phänomen auch in Nigeria, Kenia und Papua-Neuguinea findet, wo ich auch gelebt habe. Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass Afrikanern allgemein das Konzept an sich fehlt und sie deshalb dem Wort nicht seine korrekte Bedeutung geben können. Das scheint auf einige Unterschiede in der intellektuellen Kapazität hinzudeuten.(…)

Zeit ist ein weiteres abstraktes Konzept, mit dem Afrikaner so ihre Schwierigkeiten zu haben scheinen. (…)

Der Text bietet immer wieder eingängige Beispiele zu dieser Behauptung. Eines ist besonders erhellend:

Als ein Bekannter von mir versuchte, seine afrikanischen Arbeiter davon zu überzeugen, eine Krankenversicherung abzuschließen, fragten sie „Wozu ist das gut?“ „Nun, wenn Ihr einen Unfall habt, würde die Versicherung das Krankenhaus bezahlen.“ Ihre Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: „Aber wir hatten keinen Unfall, Chef!“ „Aber wenn Ihr einen hättet?“ Die Antwort? „Wir hatten keinen Unfall!“ Ende der Geschichte. (…)

Es fällt auf, dass das Zuluwort für „Zukunft“ – isikhati – dasselbe Wort ist wie das für Zeit und auch das für Raum. Realistisch gesehen bedeutet das, dass diese Konzepte wahrscheinlich im Denken der Zulus gar nicht existieren. Es fällt auch auf, dass es auch kein Wort für „Vergangenheit“ gibt – das heißt für die Zeit, die der Gegenwart vorausging. Die Vergangenheit hat mal existiert, aber existiert nicht mehr. Daher werden Menschen, die Schwierigkeiten damit haben, sich Dinge vorzustellen, die es nicht gibt, auch Schwierigkeiten haben, sich sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft vorzustellen.

Das hat eine offensichtliche Auswirkung auf Gefühle wie Dankbarkeit und Treue, von denen ich schon lange bemerkt habe, dass sie bei Afrikanern unüblich sind. Wir fühlen Dankbarkeit für Dinge, die in der Vergangenheit geschehen sind, bei Menschen mit wenig Sinn für Vergangenheit kommen solche Gefühle mit geringerer Wahrscheinlichkeit auf. 

Was hat das nun mit der gegenwärtigen Entwicklung in Deutschland zu tun? Es besteht Einigkeit darüber, dass die Wiege der Menschheit in Afrika liegt. Unsere Vorfahren wurden in eine Region „hineingeboren“, deren klimatischen und topographischen Begebenheiten sich Jahrtausende nicht änderten. Jeder Tag war und ist dort heute noch die Wiederkehr des Gleichen. Erst als die ersten Menschen nach Norden zogen in die gemäßigten Zonen und sogar Richtung Polarkreis, war der Mensch gezwungen sich an Jahreszeiten anzupassen und auch an die Zukunft zu denken. Ich meine, dass hier die Auslese vergleichbar zügig verlief und relativ schnell nur die robusten Menschen überlebten und solche, die geistig in der Lage waren, in die Zukunft zu denken. Denn Fehler waren hier schnell tödlich. Es war der Beginn der Sesshaftigkeit und Lagerhaltung, sowie des Nachdenkens über Kulturtechniken, den Widrigkeiten dieser Region zu trotzen.

Das erforderte ein abstraktes Konzept über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sowie moralischen Regeln, die jeder von sich aus befolgte, nicht durch Repression eines Stammesältesten, sondern weil diese freiwillige Kooperation auch das eigene Leben sicherte. „Treue“, „Dankbarkeit“ und der Verlass auf das gegebene Versprechen und die eigene empfundene Verpflichtung haben wohl hier ihren Ursprung. Sie setzen ein Mehr an Bewusstsein voraus, um das eigene mit fremden Verhalten zu spiegeln und sich passgenau zum Wohle aller zu integrieren. Tugenden wie Gerechtigkeit, Geduld und Mäßigung dienten wohl ebenfalls dazu, Nahrung innerhalb der Sippe so zu verteilen, dass es am Ende wieder allen diente, vor allem, wenn ein Mangel bestand, wie er in anderen Breiten unbekannt war.

Was hat sich nun verändert? Vor allem für Einzelkinder aus höheren Schichten ist es nicht mehr notwendig Geduld, Gerechtigkeit oder Mäßigung zu erlernen. Vom Kleinkind an ist alles zu jederzeit vorhanden und Eltern erfüllen ihnen beinahe jeden Wunsch zeitnah oder sofort. Wie bei unseren afrikanischen Vorfahren entwickeln sie so kein Bewusstsein für Zeit. Auch „geschieht“ alles unabhängig von ihrem eigenen Verhalten, egal, ob etwas erbettelt oder am Ende aggressiv eingefordert wird. Dazu wird jede beliebige Leistung des Kindes überhöht, jede Fehleistung wird relativiert, anderen oder den Zuständen in die Schuhe geschoben.

Wer vor über 30 Jahren eine Grundschule besuchte, der konnte feststellen, dass bei den Schülern Fremdschämen angesagt war, wenn sich ein Mitschüler unflätig gegenüber einem Lehrer benahm. Jeder einzelne konnte nachempfinden, welche Peinlichkeit es bedeutet, wenn man selbst betroffen wäre und die Eltern und die restliche Schule davon erfahren würden.

Heute verhalten sich nicht nur Grundschüler, sondern auch Schüler in der Pubertät wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Da gibt es schon bei kleinen Anlässen Wutanfälle und Schreikrämpfe und vormals pflegeleichte Kinder mutieren innerhalb weniger Augenblicke zu wahren Furien. Wie lässt sich so ein Verhalten in ein eigenes Selbstkonzept integrieren? So ein Kind muss entweder keine Außensicht über die Welt besitzen, bösartig, narzisstisch veranlagt sein oder in einer Art „Bewusstlosigkeit“ handeln oder leben. Eine Welt in der es keine Vergangenheit oder Zukunft gibt, sondern nur die Gegenwart der Bedürfnisbefriedigung. Diese Verhalten geht aber als Erwachsener nicht mehr verloren: Kunden stürmen rücksichtslos Geschäfte für Sonderangebote und lassen jede Selbstbeherrschung fahren. Leute brechen schreiend und weinend zusammen wie kleine Kinder, als Trump zum Präsidenten gewählt wurde.

Bis zum Studium befinden sich diese Heranwachsenden so in einer Art Schutzraum, wo von den Eltern alles gestellt wird und keine ihrer eigenen Taten oder Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, Auswirkungen hat. Und egal, was man studiert, man erwartet am Ende, dass jemand kommt, der einem einen gut bezahlten Job gibt. Oft sind es Posten, die meist nicht produktiv sind, sondern der Staat und NGOs zur Verfügung stellen.

Wie wird ein Mensch die Welt wahrnehmen, wenn alle grundlegenden Bedürfnisse fast naturgesetzlich zur Verfügung stehen? Der wird davon ausgehen, dass Leistung beliebig ist und honoriert werden muss und jeder somit ein Recht auf ein Auskommen im Hier und Jetzt hat. Wenn sie jemand nicht erbringen kann, dann liegt es an den unterschiedlichen Startbedingungen, den Zuständen und verschiedenartigster Diskriminierung.

Wenn dazu jeder mit allen zu jeder Zeit vernetzt ist, wer kennt dann noch den Zustand des Verliebtseins bis zum nächsten Treffen? Da wird man schon argwöhnisch, wenn nur die Mailbox erreichbar ist. Wie soll sich da ein Vertrauensvorschuss über einen längeren Zeitraum entwickeln?

Ich meine, dass sich der Mensch hier evolutionär wieder zurückentwickelt. In einem Land, in dem jeder Tag die Wiederkehr des Gleichen ist (sein soll), da stören natürlich alle, die darauf hinweisen, dass unser relativer Wohlstand, Sicherheit und Fortschritt keine Selbstverständlichkeiten sind. Damit alles funktioniert, braucht es auch ein abstraktes Konzept, warum unser Staat aus sich selbst funktioniert. Das nennt man dann unsere Kultur. Zu erkennen, dass man Teil dieses abstrakten Konzepts ist, dazu sind viele nicht mehr fähig. Man geht für die Energiewende auf die Straße, für die Einreise einer unbegrenzten Zahl an Flüchtlingen, um die Welt zu retten, man möchte, dass der Islam aus Gründen der Religionsfreiheit bei uns jegliche Forderung durchsetzen kann. Das gibt ein Wohlgefühl bei den Guten zu sein, denn im Rotweinviertel sind Auswirkungen schlichtweg nicht zu registrieren und so auch in deren Realität nicht vorhanden, weil ein abstraktes Konzept über gesellschaftliche Auswirkungen fehlt. Dass für sie bisher jeder Tag die Wiederholung des Gleichen war, ist Beweis genug, dass es so bleiben wird.

Die, die sich heute dieser Realität verweigern, glauben in ihrem Narzissmus entweder, dass dieser Staat deshalb funktioniert, weil jeder mehr oder minder ein Klon von ihnen selbst ist. Oder sie glauben an die imaginäre, schützende Hand des Staates, dem man sich solidarisch zeigen muss. Er zeigt uns, wo die Guten sind und wer zu den „Feinden der Demokratie“ gehört. Und der Staat ist repressiv, wenn man zu den Abweichlern gehört. Nicht mehr Fleiß, Verantwortungsbewusstsein, Beharrlichkeit, Ausdauer, Mäßigung und Geduld sind gefragt, sondern Toleranz, Weltoffenheit und Vielfalt.

In einem fast bewusstlosen Zustand, glauben sie, dass diese Tugenden der Garant für ihr Auskommen sind, und leben, als gäbe es kein Morgen. Es gibt ein Morgen und dieses Morgen heißt „evolutionäre Sackgasse.“

 

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