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(…) Geschlechtergerechte Sprache

Damit die Seiten der Senatsverwaltung [Berlin] für Bildung, Jugend und Familie gut lesbar sind, haben wir bei geschlechtsspezifischen Formulierungen abwechselnd die weibliche und die männliche Form verwendet. Selbstverständlich ist dabei auch das jeweils andere Geschlecht gemeint.

https://www.berlin.de/sen/bjf/service/impressum/

Und das ausgerechnet in dem Bundesland, wo man alle Geschlechterunterschiede eingeebnet sehen will (Unisextoiletten, Frauenquote, obwohl Frauen eine Stelle nicht nachfragen) und gleichzeitig beleidigt ist, wenn nicht jedes Geschlecht explizit mitgemeint ist. Man hat geschlechtergerechte Sprache sicher nicht deshalb aufgeweicht, weil man dem Bürger nicht weiter auf die Nerven gehen wollte, sondern wohl selbst gemerkt hat, dass das im internen Schriftverkehr ebenfalls nervt. Geschlechtergerechtigkeit hin oder her.

Man hört ja, dass inzwischen Fahrradkurse für Migranten angeboten werden. Nach der obigen Regel ergäben sich dann aus dem Satz

Polizisten und Polizistinnen bringen Migranten und Migrantinnen das Fahrradfahren bei. Dabei dürfen Migranten und Migrantinnen nicht wie Schüler und Schülerinnen einer Grundschule behandelt werden 

zwei mögliche Lösungen:

Polizistinnen bringen Migranten das Fahrradfahren bei. Dabei dürfen Migrantinnen nicht wie Schüler einer Grundschule behandelt werden.

bzw.

Polizisten bringen Migrantinnen das Fahrradfahren bei. Dabei dürfen Migranten nicht wie Schülerinnen einer Grundschule behandelt werden.

Dabei stellte die deutsche Sprache ohnehin immer eine Lösung für diesen Fall bereit.

Das generische Maskulinum wird laut dem Duden traditionell dann gewählt, „wenn das natürliche Geschlecht unwichtig ist oder männliche und weibliche Personen gleichermaßen gemeint sind. Das Maskulinum ist hier neutralisierend bzw. verallgemeinernd (‚generisch‘)“[ Da das Maskulinum neben seiner generischen Funktion auch spezifisch (also ausschließlich für Männer) verwendet werden kann, hängt es ohne explizite Hinweise von der jeweiligen gesellschaftlichen Situation und vom Einzelnen ab, ob das andere Geschlecht eingeschlossen wird.

Also: Polizisten bringen Migranten das Fahrradfahren bei. Dabei dürfen Migranten nicht wie Schüler einer Grundschule behandelt werden.

Und allen war alles klar. Anscheinend sind einige aus der Generation Millenium inzwischen in der Berliner Verwaltung angekommen. Da man ihnen in der Schule die geschlechtergerechte Sprache alternativlos aufs Auge gedrückt hat, kennen sie nichts Anderes und verwenden dort womöglich viel Zeit darauf, um für ihr Geschwurbel eine praktikable Lösung zu finden.

Die geschlechtergerechte Sprache hat den Weg zurück versperrt. Die Angst von Frauen, nicht mitgemeint oder -gedacht zu werden, hat dazu geführt, dass sie bei der heutigen Verwendung des generischen Maskulinums wirklich nicht mitgedacht werden.

Der Artikel über das generische Maskulinum auf Wikipedia ist zwar lang aber dafür auch aufschlussreich. Der Brüller kommt natürlich ziemlich am Ende.

In einem Beitrag in der Welt stellt Ingrid Thurner die Frage, ob „die fortgesetzte Betonung des eigentlich Selbstverständlichen, nämlich der Mehrgeschlechtlichkeit, die gesellschaftlichen Ungleichheiten nicht nur nicht aufgeweicht, sondern sogar zementiert“ habe. Laut Thurner wird „die Sprachgerechtigkeit den Frauen von den Männern als Geschenk dargebracht, ist aber bloß ein Ablenkungsmanöver“. Alternativformen wie das Binnen-I hätten nach Thurners Auffassung nichts an den tatsächlichen Ungleichstellungen geändert. Männer „sehen ihre Vormachtstellung durch den inflationären Gebrauch von ein paar Sonderzeichen nicht bedroht“

In diesem Welt-Artikel schreibt sie weiter:

Denn ständig wird da implizit betont, dass es kein Miteinander gibt, keine Komplementarität der Geschlechter, keine Übergeschlechtlichkeit, die einfach nur alle Menschen umfasst.

Ach was! Waren es nicht die Hardcor-Feministen, die betont haben, dass es keine natürliche Komplementarität der Geschlechter gibt, sondern den Frauen ihr Frausein von der bösen, weißen, männlich-dominierten Gesellschaft aufgedrückt wurde? Ausgerechnet die wollten ja das Miteinander aufgeben, dass sich Männer und Frauen ergänzen, indem sie einfach ihren Interessen und Neigungen folgen. Norwegen gilt als das geschlechtergerechteste Land der Welt. Trotzdem finden sich hier im Verhältnis wesentlich mehr Frauen in Frauenberufen und weniger in weitgehend reinen Männerberufen als in Indien. Nur in den elitären Berufen soll alles nach Quote gehen, außer wenn Frauen schon in der Mehrheit sind, wie in den Sprachen-Studiengängen.

Wenn auch die geschlechtergerechte Sprache an der Benachteiligung nichts ändert, warum schenken wir uns diesen Käse nicht einfach? Weil sonst die ganzen Aufpasser aus der Frauenfraktion an den Unis ebenfalls überflüssig würden. Die haben zwar keinen blassen Schimmer von Informatik oder Mathematik, erkennen aber an der verwendeten Sprache sofort, ob es sich bei einem Studenten um einen frauenverachtenden Macho handelt.

Diese Superfrauen haben dafür gesorgt, dass sich die gewöhnlichen Frauen in Männerberufen durch Quote und geschlechtergerechte Sprache noch mehr beweisen müssen, weil man unterstellt, sie wären nicht wegen der Leistung hier.

Nachdem die ersten beiden Wellen des Feminismus die Frauen zum Glück weitgehend von den gesetzlich und gesellschaftlich verankerten Benachteiligungen befreit haben, erkennt man den wirklichen Feind der Frauen.

Es sind Weiber, die persönliche Probleme haben eine Frau zu sein und die Schuld für ihre Unzufriedenheit bei der „Gesellschaft“ suchen.

Hätten sie die Schuld bei sich gesucht, wäre uns allen, gewöhnlichen Frauen und Männern, viel erspart geblieben. Auch, dass es in Kiel kein Zurück zu einer praktikablen Sprache gibt, denn dort ist das generische Maskulinum generell verboten.

 

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