RTL und das gewisse Nichts

Nach geschätzten 10 Jahren bin ich zufällig auf das explosiv-Magazin auf RTL gekommen. Gar nicht gewusst, dass es das noch gibt. Da war ein Bericht angekündigt, den wollte ich wirklich sehen.

Ein Schüler der 5.Klasse muss kurz nach der Pause aufs Klo. Der Lehrer meint, er solle noch warten. So hat er kurz darauf vor allen Schülern „eingenässt“. Die haben ihn dann zur Schulleitung geschickt, wo sie die alleinerziehende Mutter angerufen haben. Die war natürlich sauer, der Sohn hat geweint, die Mutter sagte, sie musste auch beinahe weinen. Dann kam die übliche Platte: Sohn traumatisiert, Mutter lässt sich das nicht bieten und macht eine Anzeige, eine Soz-Päd-Tussi darf auch noch ihren Senf dazu geben; Verletzung der Menschenwürde bla, bla.

Tolle Mutter. Wenn ein Mann im Haus gewesen wäre, dann hätte der Junge vielleicht das Gleiche gehört, wie ich sicher von meinem Vater in so einer Situation:

„Könnst ja na bleeda sei, wenn kuaz vorhea eh Pause gwesn is!“

Damit wäre die Sache gegessen gewesen. Nein. Die Mutter macht eine Anzeige und hält natürlich voll zu ihrem Sohn, weil er ja alles richtig gemacht hat. Mag sein. Ob es aber schlau war, gleich RTL anzurufen, steht auf einem anderen Blatt. Nun kennt ganz Deutschland das Gesicht und, wenn die Mitschüler den Bericht logischerweise auf facebook teilen, dann hat der Balg glatt ein Alleinstellungsmerkmal fürs Leben, wenn er sich mal wo bewirbt.

Da kann er dann als diskriminiertes Schneeflöckchen auftreten, weil ihm sogar noch seine dunklere Hautfarbe entgegenkommt. Für die Mutter scheint „Opfer sein“ ein Qualitätsmerkmal für ihren Sohn.

Die Mutter müsste man wegen Kindesmissbrauchs drankriegen. Wie kann man einen Jungen, der später wohl gerne ein richtiger Mann sein will, so dauerhaft blamieren.

Ich habe in dem Alter auch mal auf dem Skihang in die Hose gepinkelt, weil der Reißverschluss vom Anzug klemmte. Und?

Heute vermutet man dort schon ein Trauma, wo vorher nicht mal ein Problem war. Meine Lösung wäre wie schon mal vorgeschlagen: Vier Wochen Stromausfall. Da redet keiner mehr, ob die Unterhose mangels Waschmaschine braune Streifen hat. Auch Acrylamidwerte in Weihnachtsplätzchen, Kinderyoga oder Feinstaub auf dem Schulweg würden dann auf ihre wahre Bedeutung für das Leben zurechtgestutzt. Null.

Die anderen angekündigten Berichte auf explosiv hatten das gleiche Kaliber. Bei einem trimmt so ein Weib seinen Arsch für einen Wettbewerb.

Diese Sendung wird erst abgesetzt, wenn ein Ereignis eintritt mit kurzfristigen evolutionären Konsequenzen, wodurch diejenigen ausgemerzt werden, die sich vorherrschend mit dem gewissen Nichts beschäftigen.