Die Selbstgerechten verleihen sich einen Preis

Am Sonntag wurde in Köln vom Lew-Kopelew-Forum der Lew-Kopelew-Preis an den türkischen Journalisten Can Dündar und den russischen Soziologen Lew Gudkow verliehen. Den Namen Lew Kopelew kannte ich noch als Kind aus den Nachrichten immer in Kombination mit Dissident; also einem Verfolgten des Sowjetregimes. Das reichte damals und reicht heute um zu Ehren zu kommen. Der undotierte Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte ist nach dem russischen Schriftsteller Lew Kopelew (1912–1997) benannt und wird seit 2001 in unregelmäßigen Abständen vom Lew Kopelew Forum in Köln verliehen. Mit ihm sollen „Menschen, Projekte oder Organisationen“ ausgezeichnet werden, „die im Sinne Lew Kopelews tätig sind“.

Es schadet nicht, wenn man sich seinen Lebenslauf ansieht.1912 geboren war er schon in seiner Jugend brennender Kommunist und meldete sich im 2.Weltkrieg freiwillig an die Front. Aufgrund der Grausamkeiten der Roten Armee gegenüber der deutschen Zivilbevölkerung geriet er in Zweifel und wollte weitere Gräueltaten verhindern. So fiel er in Ungnade und erhielt am Ende 10 Jahre Lagerhaft. Trotz allem blieb er Anhänger des Kommunismus und war bis 1968 am Institut für Kunstgeschichte und distanzierte sich erst wegen des Prager Frühlings vom Kommunismus und fiel dadurch wieder in Ungnade. Er wurde entlassen, erhielt schreibverbot und wurde zur Anlaufstelle für kritische Schriftsteller. So mutierte er für den Westen zum „prominenten Dissidenten“.

Man wird ausgezeichnet, wenn man im Sinne Kopelews tätig ist. Man bleibt trotz eigener Lagerhaft fast bis zu seinem 60. Lebensjahr der menschenverachtenden Ideologie des Kommunismus treu und lässt sich vom System aushalten. War er ein Leben lang Opportunist und glaubte sich während des Prager Frühlings rechtzeitig auf die richtige Seite zu schlagen? Woher sollte er wissen, dass das Sowjetregime danach die Zügel wieder anzog? Mir ist kein Werk von ihm bekannt. Auszeichnung „Prominenter Dissident“. Ein Stachel des Westens im Fleisch der UdSSR, den man erst durch die Erlaubnis zur Ausreise loswurde.

So passt auch die Auszeichnung von Lew Gudkow in dieses Schema, denn „der Preisträger Lew Gudkow aus Russland leitet das unabhängige Meinungsforschungsinstitut „Lewada-Zentrum“ in Moskau. Er kämpft gegen die staatlich verordnete Bezeichnung des wissenschaftlichen Instituts als „ausländischer Agent“.

Russland behandelt die vom Ausland mit finanzieller Unterstützung geförderten NGOs genauso wie der Westen. Sie müssen sich als ausländische Agenten registrieren lassen. Und seine „Leistung“ besteht darin, dass er gegen diese Bezeichnung kämpft?

Die Laudatio von Ex-Präsident Gauck macht wirklich keinen Hehl daraus, warum er diesen Preis erhält. In Gaucks Augen ist Russland natürlich ein repressives System, das Angst hatte „dass der Geist des Euro-Maidans“ in ihr Land überschwappen könnte. Dass es sich hier um eine lang geplante Destabilisierung der Ukraine handelte, um sie der russischen Einflusssphäre zu entziehen, dürfte auch bei ihm schön langsam angekommen sein.

Natürlich reiht sich Gudkow ein unter die prominenten Kremelkritiker Pussy Riot und Navalny. Die angebliche Jugendband sind nichts Anderes als talentlose Wichtigtuer die nur durch „öffentliche Orgien, obszöne sexuelle Handlungen, Bespritzen von Polizisten mit Urin, gespielte Hinrichtungen, Erstürmung von Kirchen (und) Bepöbeln von Gläubigen“ auffallen. Dass Navalny auch nicht wegen „Kremlkritik“ verhaftet wurde, sondern meist wegen Verstoßes gegen das Versammlungsrecht, weil er zum Beispiel das zugewiesene Gelände mit seinem versprengten Haufen einfach verließ, wird wohlweißlich unterschlagen.

Am Ende schiebt Gauck die Verfolgung von Schwulen in Tschetschenien dann noch den Russen in die Schuhe, obwohl die islamische Bevölkerungsmehrheit diese Gruppe doch wohl eher aus Glaubensgründen verfolgt, während man in St Petersburg unter den Augen Putins sogar eine Gay-Parade abhalten konnte.

Irgendwann hatte ich bei Gaucks Rede das Gefühl er beschriebe sein eigenes Land. Im Blick auf Russland meinte er, dass Leute, die sich gegen das Regime stellen nicht mit Solidarität aus der Bevölkerung rechnen können und auf „Unverständnis der erweiterten Gesellschaft“ stoßen. Dazu „scheut das Regime die Debatte um die Wahrheit“.

Die Gründe sieht er „in eingeübtem Verhalten nationalem Selbstbildes, durch ein generationenlanges Angst- und Anpassungssyndrom um nicht aufzufallen“ (ab 23:00).

Verändert man „national“ in „antinational“ gibt er selbst das Regime, das Deutschland beschreibt. Seit dem Ende des Krieges erzogen zum Selbsthass wagt es die Mehrheit der Deutschen aus Angst und Anpassung oder purem Opportunismus nicht zu seiner eigenen Nation zu stehen und der Mulikuli- und EU-Sozialismus-Politik offen die Stirn zu bieten.

Weiter meint er in Russland, eine „Rückkehr zum Autoritaritismus“, eine „Steuerung der Medien, den Mangel an unabhängige Zeitungen“ und „eine manipulierten Welt und Wirtschaft zu politischen Wohlverhalten“ sowie einen „Führerkult“ zu erkennen.

Ich fass es nicht! Eine bessere Beschreibung der Gegenwart Deutschlands hätte er nicht liefern können. Die gleichgeschalteten ÖR-Medien, die ausschließlich linken Printmedien, die in Vasallentreue zum Merkelregime stehen. Großkonzerne, denen Klimaesoteriker jede Regulierung und jeden Grenzwert reindrücken können, ohne dass man dort auf nennenswerten Widerstand stößt. Ganz im Gegenteil unterstützt man eine völlig verfehlte Energiewende, die sämtliche energieintensiven Industrien ins Ausland treibt, nur um der grünen Politik im konservativen Gewand wohlgefällig zu sein.

Zum Glück hat man ihm mit Thomas Roth noch einen der Chefpropagandisten der Tagesthemen an die Seite gestellt, so dass der ehemalige Präsidentendarsteller noch unwidersprochen zu Höchstform auflaufen konnte.

Nach seinen Worten braucht heute niemand mehr Mut, „um den Meinungen eines Regierunsvertreters oder Vertreters des Mainstreams im öffentlichen Raum zu widersprechen“. (ab 39:45) Niemand braucht heroisch zu sein oder um seinen Arbeitsplatz fürchten.

Was haben wir gelacht! Gehen sie mal zu einer „Demo für alle“ und demonstrieren gegen die Frühsexualisierung ihrer Kinder oder zum „Marsch für das Leben“. Da rotten sich sofort die Kampflesben und Feministen von den Genderlehrstühlen zusammen und faseln was von „ewiggestrig“, „klerikal“ und „Nazi“, während sie dann im Abendprogramm vom Politarschkriecher Oliver Welke noch vor einem Millionenpublikum lächerlich gemacht werden.

Oder halten Sie mal einen Vortrag über Evolutionsbiologie oder kulturelle Diversität an einer Uni. Unter den Augen des Staates mutiert dann dieser Ort mit Hilfe eines staatlich geförderten Antifa-Mobs zu einem rechts- und wissenschaftsfreien Raum. Da würde ich mir schon überlegen, ob ich nächstes Semester noch einen Lehrauftrag haben will oder lieber arbeitslos werde.

„Wir ehren zwei Menschen, denen Wahrhaftigkeit mehr bedeutet als Karriere und das Wohlwollen der Machthaber“, meinte Gauck.

Da gäbe es unter den deutschen Journalisten nicht viel zu ehren, wenn man an die ganzen Zäpfchen bei ARD und ZDF sieht, die sich bei den Mächtigen anbiedern, ohne dass man es ihnen verordnen müsste.

Man stelle sich vor, Putin würde über Russland sagen „nicht die Eliten sind das Problem, sondern die Bevölkerung(en)“ und danach Birgitt Kelle auszeichnen, weil sie gegenüber der deutschen Gender-Politik das traditionelle Familienbild hochhält.

Die deutschen Medien bekämen Schnappatmung, ob dieser Propaganda und Provokation. Doch selbstgerecht hockte diesmal das Establishment am Sonntag in Köln zusammen und ehrte sich selbst und zwei, die wie Lew Kopelew nicht mehr sind, als ein Stachel im Fleische des Feindes, an dem sie sich alle in ihrer moralischen Überheblichkeit hochziehen können.

 

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