Phoenix setzt Zeichen: Gefühle statt Fakten.

Ich habe mich schon weitgehend vom ÖR-Fernsehprogramm verabschiedet. Dennoch muss die Dichte des staatlichen Einflusses doch sehr groß sein, wenn man bei etwas weniger als einer Stunde Fernsehkonsum sogar zufällig über besondere Highlights kommt. Gestern war es wieder soweit.

Auf Phoenix wurde ein Politologe interviewt. Nach etwas Recherche stellte ich fest, dass es sich um den Politologen Prof. Emanuel Richter handelt. Das ist der, der auf dem gleichen Sender am 19.09.2017 meinte, dass sich bei einer letzten Umfrage von 12% für die AfD, es durchaus möglich wäre, dass sich die Wähler am Ende doch für die etablierten Parteien entscheiden und die AfD womöglich 10% erreicht; denn wer wählt schon Parteien, die keinen Einfluss auf das politische Geschehen haben.

Dieser „Experte“ hat auf Phoenix nun die Nachrichten von ARD und ZDF weiterentwickelt. Während die etablierten Sender genehme Bruchstücke einer Meldung bringen und dann „Experten“ uns erklären, wie wir das zu verstehen haben, bringt uns Phoenix auf eine neue Stufe. Mehr oder minder in einem Nebensatz bringt uns der Kommentator auf die AfD im Bundestag. Richter meint dann sinngemäß, dass die Partei eine ungute Stimmung ins Parlament bringt und die Redebeiträge eine bemerkenswerte Schärfe haben. Im Übrigen zersetzen sich solche Parteien, wie in den Landesparlamenten zu beobachten sei, aber es ist bisher im Bundestag noch nicht beobachtbar. Er oder der Sender liefern weder Namen, Belege, Redebeiträge oder untermauernde Einspieler. Hier wird für Steuergelder und GEZ-Beiträge munter drauflos gelabert. (Leider noch nicht in der mediathek verfügbar)

Ich sag mal wie das war: Der Richter hat vor dem Interview bei google kurz gecheckt, ob bei der ersten Debatte irgendein Naziwort gefallen oder entsprechend gehetzt worden ist. Dann hat er natürlich bei unseren Qualitätsmedien nachgeschaut, wo was von „unguter“ Stimmung gestanden ist; ohne Beleg natürlich. Und dann hat er das Gefasel überflogen, wo man darüber sinniert hat, wie das ist, wenn die AfD im Bundestag sein wird: Völkische und rassistische Reden, denen man Einhalt gebieten muss! Die Linke hat dann den Fehler gemacht, genau das an den Reden zu mokieren, obwohl sogar Schäuble zugeben musste, dass da nix war. So wie Richter geredet hat, hat er sich keine einzige Rede der AfD angehört. Da wird einer mit Steuergeldern gefüttert, macht einen auf Experte und wird eingeladen und hat dann keine 15 Minuten Zeit mal kurz diese Reden zu überfliegen? Ich bin berufstätig und nehme mir schon zwischen 5 und 6 Uhr morgens Zeit, mir einen Überblick über die durch die Zeitverschiebung aktuellen Blogs und Nachrichtenseiten zu verschaffen. Da laufen solche Reden bei mir im Hintergrund.

Nun mach ich mal einen auf „Politologe“ und meine, dass das mehr Substanz hat, als das Gefasel von diesem Dödel.

Die Leute von der AfD haben vorher schon gewusst, dass man ihnen aus jeder Unstimmigkeit, jeder falschen Wortwahl und jeder zweifelhaften Quelle einen Strick drehen würde. Jeder schwarze Fleck im Lebenslauf eines der Redner wäre tödlich gewesen. Also hat man den völkischen Hinterbänklern gesagt, ihr könnt hier jetzt fleißig abkassieren, solange ihr die Schnauze haltet und uns nicht blamiert. Dann haben sie eine Armada an wissenschaftlichen Titeln aufmarschieren lassen und den anderen Abgeordneten einfach die Fakten hingeknallt. Angemessen gekleidet und in der Wortwahl gewählt und seriös, haben sie weder den anderen Abgeordneten, noch den Medien einen Angriffspunkt gelassen. Die ganzen anderen Worthülsenakrobaten sahen dann ganz schön alt aus.

Es gilt für alle Themen, für die eine bestimmte Agenda ins Bürgerhirn geprügelt werden soll- sei es menschengemachter Klimawandel, wir brauchen Fachkräfte aus Afrika, NSU, AfD=Nazipartei, wir können unser Geschlecht selber wählen usw.- solange der Bürger zu faul ist, sich anderweitig zu informieren, hat er es nicht anders verdient.

Das Interview mit E. Richter nimmt zukünftige Nachrichtensendungen vorweg. Heute kommt nach jedem Einspieler ein Experte, wie wir das zu verstehen haben. In Zukunft verzichtet man auf die Fakten und labert darüber, wie diese Meldung gefühlsmäßig rüberkommt. Ein tweet von Trump, der sich an die Seite einer Islamkritikerin gestellt hat, kommt mir da in den Sinn. Die Fakten und Hintergründe sind egal, solange man über irgendwas mit Trump oder Rechts beleidigt oder bestürzt sein kann.

Und der Zuseher bestürzt dann fleißig mit, wenn der Kleber bedeutungsschwer seine Birne zur Seite legt. Der Zuseher muss sich dann nicht mehr die Fakten merken, sondern nur so ein Gefühl, damit er die Welt versteht. Phoenix hat hier ein Zeichen gesetzt.

Keine Fakten und Ahnung von nix formen die öffentliche Meinung.

Wir haben es nicht anders verdient.