Mimikama und die Betonköpfe.

Die WAZ meldete, dass mimikama, ein Verein, der fake-news und Internetbetrug aufdecken möchte, ein gefaktes Bild im Netz gefunden hat, auf dem gegen Angela Merkel gehetzt wird. Es zeigt ein paar Beton-Bauklötze als LKW-Sperren vor einem Weihnachtsmarkt, auf denen das Konterfei der Kanzlerin mit erhobenen, grüßenden Händen zu sehen ist. Dazu der Schriftzug: Ich schütze Euch.

Das ist also nun Hetze gegen die Kanzlerin. Die Leute von mimikama haben sich die Mühe gemacht und herausgefunden, dass ein Bild entsprechend nachbearbeitet wurde. Tolle Leistung. Ich dachte, sowas macht man höchstens als Millenium-Kind, das außer dem Merkel-Führerkult in Deutschland politisch noch nichts Anderes gesehen hat. Der Gründer scheint einem Foto nach doch eher um die 50 zu sein. Allerdings ist die letzte beißende regierungskritische Karikatur in meiner Lokalzeitung auch schon gefühlte 20 Jahre her. Auch sämtliche Satiriker und Comedys der ÖR sind klar auf Allparteien-Kurs und gipfelt jeden Freitag in der heute-show von Oberhetzer Welke, dessen Witzchen so platt sind, dass sogar der Applaus vom Band kommen muss.

Da ist doch irgendwie ein gewisser merkelscher Heiligenstatus gewachsen. Früher hatte man Anstand genug, keine derben Witze über den Papst oder Mutter Theresa zu machen; ans Christenbashing getraut sich der Welke aber schon ran. Aber an seine indirekte Brötchengeberin?

Entweder ist mimikama in den letzten Jahren so sensibel geworden oder man möchte einen Fuß in die Tür kriegen, wenn wieder Gelder im Kampf gegen alles Nazi außer Merkel vergeben werden.

Der Witz bei diesen ominösen Bauklötzen ist jedoch was Anderes. Hätte sich schon vor Wochen ein Witzbold gefunden und den Klötzen heimlich eine fette Schleife verpasst, dann wäre der Aufschrei groß gewesen. Das wäre nichts Anderes gewesen, als eine Verhöhnung der Opfer vom Breitscheidplatz; schließlich sind solche Terrorsperren eine ernste Sache. Da aber die unbedarften Veranstalter sie in guter Absicht in Geschenkpapier und Schleifchen gepackt hatten, konnte man sich schlecht darüber mokieren.

Dass jedoch die Leute, die daran vorbeigehen, genau dieses Konterfei von Merkel im Kopf haben, wenn sie ironisch meinen: „Was’n tolles Geschenk!“ („von Merkel“, falls einer sich zu outen traut), ist mimikama wohl entgangen.

Bei diesen Wanderbauklötzen kämen sogar völlig unverfängliche Slogans in Plakatform wie eine Farce rüber.

Die Polizei. Dein Freund und Helfer.“ Schon. Aber die kommen dann erst, wenn man hier die Schlachtschüssel zusammenkehrt.

Oder „Beton verbindet- Beton verdient Sympathie.“ Aber sicher! Wäre echt sympathisch, wenn der Klotz sich rechtzeitig mit dem Fahrwerk des 30-Tonners verbindet und dieser nicht den Glühweinstand plattwalzt, wo ich gerade stehe.

Beton-es kommt darauf an, was wir daraus machen.  Das kann man wohl sagen.

Kreativ mit BETON- kleine Dinge zum Selbermachen Tolle Idee. Statt Adventskranzbinden, lustiges Bauklötzegießen. Eigener LKW wünschenswert.

Und da kommt mimimimimimikama, die Wühlmäuse gegen die Abweichler von der Einheitsmeinung. Dieser Verein sollte sich mal fragen, wie viele fake news der Art „Flüchtlinge bezahlen unsere Rente“, „es kommen nur Fachkräfte“ oder „hat nix mit Islam zu tun“ nötig waren, um diese Einheitsmeinung über die grenzenlose Bereicherung durch wirklich ausnahmslos all derer, die noch nicht so lange hier leben, herzustellen. Vielleicht liegt es ja an den ganzen freiwilligen Denunzianten und Wegen-anderer-Meinung-Bestürzten wie sie bei mimikama arbeiten, dass die meisten inzwischen auf eine eigene Meinung verzichten.

Ehrenwert, wenn dieser Verein uns vor Betrug und fake news im Netz schützen will. Wie unmündig muss er aber den Bürger halten, wenn sie für ihn überprüfen, ob es sich bei dem Merkelkonterfei um einen fake handelt?

Satire, Zynismus und Sarkasmus waren schon immer ein Mittel, die aufgestaute Wut abzuleiten und den Mächtigen einen Spiegel vorzuhalten. Die Welt ist inzwischen so irre geworden, dass man bei manchem Statement eines Politikers ohnehin nicht mehr weiß, ob es sich nun um Satire oder die Realität handelt.

Der Aufwand von mimikama war also umsonst. Denn inzwischen ist es ja echt schon egal, ob das Bild gefaked ist oder nicht. Die Realität hat die Satire längst eingeholt.