Der Re-Import unserer Weihnachtskrippe.

Das diesjährige Spendenkästchen der Weihnachtsmission zeigt ein kurzgelocktes „Negerkind“ in einem gespannten Tuch als Krippe zusammen mit den angebräunten Eltern. Ich habe es absichtlich so formuliert, denn mit solchen Bildern kann man heutzutage doch recht derbe und auch rassistische Kommentare unter konservativen Christen provozieren. Jetzt will man uns auch noch unser blondgelocktes Christkind nehmen und uns auch an Weihnachten Multikulti unter die Nase reiben! Natürlich argumentiert man mit dem religiösen Kern der Geburt Jesu dagegen, die ja nicht hier in Deutschland stattgefunden hat und es sich so mitnichten um ein blondes weißes Kind handeln kann. So lassen sich Kritiker leicht in die rechte nationalistische Ecke stellen und sich auch reine Kulturchristen oder sogar Atheisten für das Argument der multikulturellen Darstellung gewinnen.

Doch sie führen die Diskussion unehrlich. Es geht hier nicht um die authentische Darstellung des Ereignisses, denn diese Art der Darstellung wurde nicht direkt von den Urchristen tradiert. Wenn, dann war nur das Jesuskind allein dargestellt, auch wenn im Lukasevangelium die heutige Szene mit Maria, Josef, Krippe, Ochs und Esel beschrieben ist.

Das, was wir heute als Weihnachtkrippe kennen, hat einen europäischen Ursprung: Als Begründer der sinnfälligen Darstellung des Weihnachtsgeschehens gilt der hl. Franz von Assisi, der 1223 in Greccio anstelle einer Predigt mit lebenden Tieren und Menschen das Weihnachtsgeschehen nachstellte. Damit steht möglicherweise das in Frauenklöstern des 13. und 14. Jahrhunderts verbreitete Christkindlwiegen in Verbindung.

Man muss wissen, dass die Menschen damals weder lesen noch schreiben konnten und Gottesdienste in Latein gehalten wurden. Die meisten verließen ihre Heimat ihr ganzen Leben nicht, Kenntnisse über andere Länder waren weitgehend unbekannt. Wandgemälde zu dieser Zeit wie von Giotto, waren zu dieser Zeit der einzige Zugang zur christlichen Mythologie und Heilsgeschichte. Darum ist auch die „Ambiente“ der Geburt Christi der Heimat der Gläubigen angeglichen. Das Aussehen der Weihnachtskrippen ist also mehr ein kulturelles Erbe, als eine vermeintlich authentische Nacherzählung.

Man könnte aber auch ins Felde führen, dass Jesus jüdischer Herkunft ist und als Jude bis heute gilt, wer eine jüdische Mutter hat. (Reformjuden sind hier nicht so streng) Ethnisch gesehen, gehören und gehörten Juden also kaum einer dunklen Rasse an, wenn man die Mehrheit rein äußerlich betrachtet.

Doch dieses Argument ist hier nicht notwendig. Denn auch das in unserer Vorstellung blonde Christkind hat einen rein mitteleuropäischen Ursprung.

Das Christkind ist eine vor allem in Süd- und Westdeutschland, im Elsass, in Luxemburg, Österreich[1], Südtirol, der DeutschschweizUngarnTschechien, der SlowakeiSlowenien und in Kroatien[2] sowie in Südbrasilien[3] verbreitete Symbolfigur des Weihnachtsfestes.[4] Der Erzählung nach kommt das Christkind zu Weihnachten und bringt, ohne gesehen zu werden, die Weihnachtsgeschenke. Es wird häufig als blondgelocktes Kind mit Flügeln und Heiligenschein dargestellt. Umgangssprachlich wird das Christkind häufig mit dem Jesuskind gleichgesetzt.

Hervorzuheben ist also, dass das Christkind besonders im katholischen Süddeutschland und damit auch in meiner Heimat dem Jesuskind gleichgesetzt ist. In den protestantischen norddeutschen Gebieten hat der Weihnachtsmann das Christkind weitgehend abgelöst. Den Beginn dieser Ablösung hat Luther schon gesetzt.

Am Ende muss man dann schon die Frage stellen, warum die Initiatoren für ganz Deutschland sprechen, wenn sie eine Weihnachtskrippe gestalten und die kulturellen Besonderheiten unseres Landes außer Acht lassen. Es gibt keinen Grund hier eine orientalische Krippe mit Jesuskind afrikanischen Einschlages zu verwenden, denn die Gestaltung einer Weihnachtskrippe ist in seiner kulturellen Eigenart ja aus Mitteleuropa in die Missionsgebiete abgeflossen. Erst dort hat man diese Idee entsprechend der eigenen Kultur verändert und angepasst.

Kirchliche Einrichtungen gaukeln uns unterschwellig vor, was die Integrationsbeauftragte A. Özoguz (SPD) offen ausgesprochen hat: Eine spezifisch deutsche Kultur ist jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.

Gerade wenn es um Weihnachtsbräuche geht, liegt diese Frau völlig daneben. Inzwischen sind auch die Kirchen willige Helfer und so deutschfeindlich, dass sie einen billigen Re-Import höher bewerten als das Original.

 Bild: Autor

5 Gedanken zu “Der Re-Import unserer Weihnachtskrippe.

  1. Mir ist jetzt trotz der dankenswert ausführlichen Erläuterung nicht klar geworden, was dagegen spricht, die Szene so darzustellen.
    Machst du das noch erläutern?

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    1. Es steht natürlich jeder Organisation frei, die Krippenszene nach ihrem Belieben zu gestalten. Krippenszenen sind jedoch wie gesagt ein kulturelles Erbe. Warum bedienen wir uns einer Darstellung aus einer Kultur, die unsere Darstellung adaptiert und in ihrem Sinne verändert hat? Wo liegt die Begründung, eine Darstellung, die seit 800 Jahren besteht, einfach zu Gunsten der Beliebigkeit leichtfertig beiseite zu legen, anstatt sie für unseren Kulturkreis zu erhalten?

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  2. Wer sind denn „wir“, und welche Kultur hat welche Darstellung von „uns“ in ihrem Sinne verändert? Ich hätte jetzt, wenn man überhaupt in Richtung kulturelle Appropriation was kritisieren will, eher problematisch gefunden, dass die Kirche, die diese Darstellung wählt, Elemente fremder Kulturen für sich vereinnahmt.

    „Wo liegt die Begründung, eine Darstellung, die seit 800 Jahren besteht, einfach zu Gunsten der Beliebigkeit leichtfertig beiseite zu legen, anstatt sie für unseren Kulturkreis zu erhalten?“
    Das müsstest du sicherlich die Leute fragen, die es gemacht haben, aber ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass sie daran erinnern wollen, dass Jesus eben ziemlich sicher nicht blond und blauäugig war, sondern mutmaßlich, wenn es eine historische Figur gab, auf der seine Geschichte beruht, eher den Leuten ähnelte, die heute im Zug bevorzugt kontrolliert und auf den ersten Blick gerne für potentielle Terroristen gehalten werden.
    Warum unterstellst du denn Leichtfertigkeit und Beliebigkeit? Kennst du die Person, die es so gestaltet hat?

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    1. Zu den Kulturen, die die Krippe ihrer Kultur angepasst haben, gehören die Länder, die von den christlichen Kirchen missioniert wurden. Etwa ab 1865. So findet sich dort anstatt eines Stalles natürlich runde, mit Stroh gedeckte Behausungen. Es gibt orientalische und auch arabische Kippen usw. Herkunft und Kulturraum „unserer“ Krippendarstellung, von der sich die anderen ableiten, einschließlich Christkind ist ja schon im Text beschrieben.
      Dieser Bastelbogen kombiniert ursprüngliche Missionsdose (Spardose mit nickendem „Negerkopf“, „Indianerkopf“, „Chinesenkopf“) mit Weihnachtskrippe. In diesem Sinne ist sie wohl gemeint.
      Mein Argument ist: Würden christliche Araber eine „alpenländische Krippe“ aufstellen? Wie im Text oben beschrieben verbildlicht die Weihnachtskrippe vor allem für Kinder die Heilsgeschichte auf dem eigenen kulturellen Hintergrund. Diesen finde ich erhaltenswert.

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      1. Ich verstehe das Argument nicht und hätte es in meiner Naivität womöglich für eine Frage gehalten, hätte ich es nicht besser gewusst.
        Aber mir scheint, wir denken da eh zu unterschiedlich, um auf einen Nenner zu kommen.

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