Die „Protestuierten“ des Musikbetriebs.

Heute kam auf dem Sender B5 ein Bericht mit sinngemäß folgendem Intro: Obwohl Trump erst ein Jahr im Amt ist, haben sich unter den US-Sängern Protestlieder gegen Trump etabliert. Man prangert seinen Rassismus, seine Homophobie und seinen Antifeminismus an. Als Beispiel kam ein Einspieler des Songs „Fuck Trump“ mit dem Refrain „Fuck Trump, fuck Trump, fuck Trump“. Dazu durfte dann der Sänger noch seine Intention vortragen. Wie originell! Wer wirklich glaubt, dass US-Sänger selbstgeschriebene Protestsongs singen, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.

Die zehn vordersten Plätze in den Charts teilen sich nur vier Produzenten, die die ganzen Gesangsschauspieler mit Material versorgen. Hier trifft dann die Definition für Schauspieler als weisungsgebundener Darsteller wirklich zu. Die Produzenten agieren als Kannibalen halbwegs erfolgreicher Lieder, um daraus Teile von Melodie und Rhythmus für den nächsten Song zu destillieren. Vom Rhythmus zum Algorithmus und wieder zurück sozusagen, denn schließlich kann man bestimmte Aufgaben inzwischen einem Computerprogramm überlassen.

Nun hat also das Groh der US-Gesangsdarsteller nach einem Jahr die originelle Idee, mit ihren Songs gegen Trump zu protestieren. Das ist diese talentlose Bagage, die glaubt, dass sie wegen ihres Geträllers irgendeine relevante Meinung zur Politik abgeben könnte. War es nicht die Sängerin Beyonce, die gegen die Unterdrückung der Schwarzen ihr Maul aufriss, gleichzeitig ihre Haut und ihre Haare aufhellt, damit man sie nicht den Schwarzen zurechnet? Die, die Polizeigewalt anprangert, gleichzeitig eine Bühnenperformance bringt mit Dutzenden martialischen schwarzvermummten Polizistendarstellern, bloß weil sich das gut verkaufen lässt? Gleichzeitig schert sich diese Heuchlerin nichts darum, unter welchen Bedingungen ihre Modelinie in Entwicklungsländern gefertigt wird.

Sängerinnen wie Miley Cyros und ähnliche Gestalten bieten für ihr minderjähriges Publikum eine laszive Bühnenshow mit wippenden Pobacken, gespieltem Stehfick und aufblasbarem Riesenpenis, die sogar für Erwachsene eine Zumutung ist. Und dieses abartige Kollektiv macht sich nun zum Sprachrohr der moralischen Empörung über Trumps Verhalten und Äußerungen?

Da waren ein paar schlaue Marketingexperten, die erkannt haben, dass eine genügend große Anzahl Minderjähriger von ihren Eltern anti-Trump-mäßig eingenordet sind und auf diesen Käse anspringen. Eine Win-Win-Situation für Musikindustrie und linksgedrehtes Politestablishment mit ihrem Kulturanhängsel.

Die Musikindustrie muss qualitätsmäßig einen jahrelangen Sinkflug hinter sich haben. Gestern Abend hatte ich bei einer Autofahrt Gelegenheit eine Stunde die Möglichkeit die Dreiakkordmusik mit inhaltslosem Singsang zu genießen. Meinen Mitfahrer fragte ich irgendwann, ob er sich an einen wirklich hochwertigen Song erinnern könnte, mit dem Anspruch eines angenehmen Ohrwurms. Wir wussten keinen. Das ist kein Wunder, denn laut Untersuchungen hat das künstlerische Niveau seit Jahren rapide abgenommen; auch die Texte können heute sogar von 7-jährigen problemlos verstanden werden. (Quellen hier und hier)

Man muss sich doch wundern, dass es während der Hippie-Zeit und Woodstock kein nennenswertes Protestlied gegen den Vietnamkrieg gab. Warum war wohl LSD zu dieser Zeit die einzig legale Droge? (gibt ein gutes Video über die Hintergründe auf youtube; hab ich gerade nicht parat) Und jetzt entdeckt das Musikestablishment den politischen Protest?

In den USA kriegt doch schon kaum einer ein Bein mehr auf den Boden, der es versäumt, sich auf der „richtigen“ Seite öffentlich zu positionieren. Es handelt sich hier um karieregeiles Gesocks, das sich um Minderheiten einen Dreck schert und sich als Farbige genauso gegen den in ihren Augen gleichfarbigen kriminellen Abschaum mit Mauern und privaten Wachdiensten schützt.

Und Deutschland? Heute lässt man sich für Auftritte bei Wir-sind-bunt-Veranstaltungen mit Steuergeldern bezahlen, um Leute mit der „richtigen“ Gesinnung marschieren zu lassen. Da denk ich an die Peinlichkeit wie Campino, der mit seiner Band als Protestnomade in Dresden auftritt, damit ihn ein bisschen von den Prostitutionsgeldern der Kulturförderung trifft. Konstantin Wecker erhält dadurch die Altersversorgung, weil er seine private verkokst hat. Mit „Gestern ham‘s an Willi daschlogn“ war er noch glaubwürdig und hatte textlich Niveau. Heute ist es, wie wenn Opa wieder die gleiche Story vom Krieg erzählt.

Die ÄRZTE mit „Arschloch“ als anti-rechts Lied waren ebenfalls hörenswert und haben es nochmal auf den Markt geworfen. Schließlich soll auch die Gefahr des Nationalsozialismus mit dem Abstand zum 2. Weltkrieg weiter steigen. Markt erkannt, Armut gebannt!

99 Luftballons von Nena war zu seiner Zeit ein gutes Anti-Kriegs-Lied und musste sich mit Songs gleicher Qualität messen. Das Gefälle zur heutigen musikalischen Resterampe entspricht dem von Beethovens 9. zum Gedudel bei einer Libanesenhochzeit.

Für den Weltengang also völlig irrelevante Narzissten, die willigen Prostituierten linker Ideologien, trällern Trump-Beleidigungen im Dreivierteltakt und der Nachrichtensender B5 glaubt, dass wir das wissen müssten?

Wenn es ums Niveau ginge, müsste B5 seine Nachrichten inzwischen singen.

 

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