BENTO organisiert den Widerstand

In meiner Jugend meinte zumindest jeder Junge, auch ich, man müsste vor den anderen groß rauskommen und sich profilieren. Man wollte sich dadurch einfach besser fühlen. Wer Sport oder Musik machte, trainierte und übte fleißig, denn Schulsieger zu werden oder im Schulorchester zu spielen war schon was wert. Später schrieben die hellsten Köpfe zu Hause Computerprogramme auf BASIC und löteten Platinen. Und am Ende konnte man sich auch auf sein Abitur etwas einbilden, schließlich schafften das zu meiner Zeit nur etwa 10%.

Heute ist Abitur Massenware, jede Leistung wird schöngeredet, der Mangel ist den äußeren Umständen geschuldet. Es gibt Mütter, die wollen die Bundesjugendspiele abschaffen, denn sie finden es für ihr Kind traumatisierend, wenn sie dort nicht mithalten können. Worin soll man sich dann noch messen? Es gibt ein Gebiet, wo jeder mithalten kann: Es ist das Engagement, um seine richtige Gesinnung zu zeigen. Toleranter, vielfältiger und bunter als alle anderen will man sein. Es reichen virtue signaling und sinnfreie Aktionen zur persönlichen Selbstüberhöhung.

Bento berichtet über eine Gruppe moralisch Veredelter, die rechtspopulistische Schriften und Flyer unter dem Motto „Scheisspapier – Hass ist für’n Arsch“ sammeln und diese zu Klopapier verarbeiten. Den überhöhten Preis von 5,- spenden sie dann für den Verein CURA, der sich für Opfer rechter Gewalt engagiert.

Wie ticken eigentlich solche Leute? Sie liegen abends im Bett und denken sich die rechte Bedrohung groß. Ihre Klopapierwerkstatt wird schon von einem rechten Mob ausgekundschaftet, hinter der nächsten Ecke lauern die Anhänger von AfD und NPD mit Baseballschlägern. Nur das mutigste Kamerateam getraut sich noch von vor Ort für das ZDF zu berichten. Man wird in Talkshows eingeladen und berichtet bei Maybrit Illner bedeutungsschwer mit stockender Stimme wie man beim Fertigen handgeschöpften Klopapiers täglich dem Tod ins Auge blickt. Man will in einem Atemzug mit Stauffenberg und den Geschwistern Scholl genannt werden. Und noch kurz bevor der rechtsextreme Mob der AfD in Gestalt zweier brauner Funktionäre ihren Wahlkampfstand aufstellen konnte, habe ich sie gestellt. Zack! Mit einem gezielten Schlag an die Schläfe konnte ich diesen Eva-Braun-Verschnitt niederstrecken, so dass ich mich sofort dem SS-Mann in Nadelstreifen zuwenden konnte. Zack! Schon lag er rücklings auf dem Boden, doch er rührte sich noch. Wer weiß welch schreckliche Rache er nehmen könnte, falls er genesen würde. Also Zack! Zack! Nach ein paar gezielten Tritten platzt die Hirnschale dieses Antidemokraten auf und die braun-graue Hirnmasse spritzt über den Gehweg. Schon kommt eine jubelnde Menge um die Ecke, angeführt von Frau Merkel und Herrn Steinmeier. Jeder trägt ein Kissen mit einem Verdienstorden. Während sie mir diese anheften, meine ich ganz bescheiden: Ich habe doch nur meine Pflicht getan!

Noch ist es nur ein Traum. Denn bevor mein eigenes Konterfei neben den Widerstandskämpfern des Dritten Reiches Platz finden darf, muss man eben noch ein paar Rollen Klopapier schöpfen, bevor sich endlich die Gelegenheit bietet, wirklich groß raus zu kommen.