Wer bin ich und wenn ja welche Farbe

Die Brown-University hat neue Richtlinien verabschiedet, dass man sich bei der Einschreibung als people of colour bezeichnen kann, auch wenn dies offensichtlich nicht der Fall ist. Halbwegs intelligente Studenten würden überlegen, ob heute der 1.April ist oder auf dem Campus auch unbekannte Drogen verkauft werden. Doch in dem entsprechenden Artikel ist ein Video eingebettet, in dem Studenten darüber befragt werden, was sie davon hielten, seine Ethnie selbst zu bestimmen. Fast alle standen der Regelung positiv gegenüber. Es hatte fast einen esoterischen Touch wie die Befragten versuchten ihre Zustimmung zu begründen, kamen aber sofort in Erklärungsnot, wenn man sie mit möglichen Problemen bei der Umsetzung konfrontierte, zum Beispiel, wenn jemand dadurch entsprechende Vorteile erlangen wollte.

Eine Studentin zeigte sich zwar ablehnend, hielt es aber gleichzeitig für völlig unproblematisch sein Gender selbst zu bestimmen, da dies eher etwas „Inneres“ wäre. Die Ethnie hänge eher an etwas Äußerem wie Abstammung und Kultur. Wenn es um das „Äußere“ geht, sind aber meiner Meinung nach Bräunungsmittel weniger aufwändig als Geschlechtsumwandlungen.

Einen anderen fragte man, ob ein Mensch in seinem Leben fließende Übergänge zu einer anderen Ethnie durchmachen kann. Dieser überlegte dann ernsthaft, ob das möglich wäre. Natürlich kann jeder Weiße sich nach Belieben für einen „Schwarzen“, für ein Eichhörnchen oder einen Toaster halten. Wenn man jedoch dann als vermeintlich Schwarzer eine Sonderbehandlung einfordert, dann ist das ebenso bescheuert, wie wenn ich auf dem Campus einen Platz einfordere, wo ich meine Nüsse für den Winter vergraben kann, oder als Toaster eine private Steckdose für mich beanspruche.

Man fragt sich dann doch, wie man in den USA eine Studienberechtigung erlangen kann, wenn man einen derartigen Knick in der Wahrnehmung hat, dass man annimmt, dass die Realität, die man ja an der Uni erforschen will, eine rein subjektive Angelegenheit sei.

Man kann nur hoffen, dass sich unter den Befragten keine angehenden Piloten oder Herzchirurgen befinden, denn dort wäre ein Handeln nach privater Realität nicht unbedingt ein Fortschritt.