Die taz und ihr Paralleluniversum

Eigentlich müsste man fragen, wer denn eigentlich die taz liest. Denn mit etwa 50000 Stück verkaufter Exemplare liegt sie noch gut 4000 hinter der Anglerzeitschrift blinker. Da braucht man nicht meinen, dass man meinungsbildend wäre, und sich etwas darauf einbilden, wenn Artikel recht häufig geteilt oder verlinkt werden. Denn diese Zeitung hat eine Gemeinsamkeit mit bento. Nirgendwo sonst findet man so kleine schreibende, esoterische Zirkel, die glauben, dass ihre Minderheitenmeinung wirklich Mainstream wäre. Gibt es Kritiker an ihren Artikeln, so stellen sie diese so dar, als hätten sie irgendwo eine Handvoll dumpfe Nazis geweckt, weil man an ihrem völkisch-nationalen Weltbild gekratzt hat, wobei sie selbst die Volksmeinung hinter sich zu wissen glauben. Darum womöglich die Arroganz und das Selbstbewusstsein, wie sie mit Gegenpositionen umgehen, denn durch Kritik aus der vermeintlich richtigen Ecke, fühlen sie sich sogar noch in ihrer Meinung bestätigt. Solche Artikel sind dann ganz witzig zu lesen, weil hier schreiben Leute, die irgendwie nicht von dieser Welt sind.

Beispielhaft ist der taz-Artikel über eine Tatortfolge, wo schon die Überschrift alles sagt.

„Tatort“ über Flüchtlinge und Rassismus

Der Zorn der Trolle

Klare Kante gegen Rechts im TV-Heiligtum „Tatort“? Die Ausgabe vom Sonntag, „Land in dieser Zeit“, lässt die sozialen Medien braun anlaufen.

Ich habe diesen Tatort nicht gesehen, deshalb nur ein kurzer Anriss aus dem Artikel, der genügen sollte:

…Am Ende stellt sich heraus: Das Feuer hat das rechte Trio gelegt. Die Frauen wollten damit gezielt eine in ihren Augen nicht nach Deutschland gehörende Person diskreditieren. Währenddessen sind einige Flüchtlinge vorübergehend bei einem der Kommissare einquartiert – in ihrer Sammelunterkunft gab es einen Wasserschaden.

Die Spielarten des Rassismus

Eine junge Frau aus dieser Gruppe wird nachts von drei Männern angegriffen und brutal zusammengeschlagen. Und dann rückt auch noch die Polizei im Haus des Kommissars an, um einen der Flüchtlinge abzuführen – er habe eine falsche Identität benutzt, sei Afghane und nicht Syrer, lautet die Begründung der Beamten. Ob Afghanistan etwa ein sicheres Land sei, will die verzweifelte Hausherrin wissen. „Das habe ich nicht zu entscheiden“, lautet die bürokratische Antwort des Polizisten.

 Leider kommt der Film dabei sehr steif daher. Zu gestelzt die Dialoge, zu bemüht der Versuch, noch aus jeder Ecke einen Rassisten hervorzukramen. Dabei hat der „Tatort“ in der Sache Recht, und trifft ganz offensichtlich einen sensiblen Punkt. Nicht von ungefähr werden diejenigen, die dieser Tage vor Rassismus warnen, vor allem im Netz massiv angegangen.

Auch der „Tatort“ hat prompt seinen ganz persönlichen rechten Shitstorm abbekommen: „Wie die 68er und deren Brut mit Arroganz, Unfähigkeit und Meinungsdiktat die Kultkrimiserie der ARD zerstören“, twittert einer, „zwangsfinanzierter Gesinnungsterror, für den ihr auch noch zahlt“, ein anderer. Dazu die obligatorische Aufzählung von „Ausländerkriminalität“.

Nun könnte man sich wünschen, der Frankfurter „Tatort“ sei besser umgesetzt gewesen. Doch so oder so hat er offensichtlich einen Nerv getroffen. Sei es der Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt oder die Debatte um Racial Profiling in Köln – sofort tobt im Netz der rassistische Mob. Und er vergiftet die gesamte gesellschaftliche Debatte. Reichlich zynisch könnte man zusammenfassen: Wer den Zorn dieser Trolle auf sich zieht, hat alles richtig gemacht.

Bis vor etwa drei Jahren hatte ich jeden Sonntag mit meiner Frau den „Tatort“ zumindest als Hintergrundrauschen zu anderen Tätigkeiten laufen. Die taz tut so, als wären plötzlich alle treuen Zuseher Sturm gelaufen, weil man endlich einmal einen Nerv getroffen hat; den von den Deutschen täglich verleugneten Rassismus und die allgegenwärtige Gefahr von rechts, die jeder aktiv ausblendet. Und Wer den Zorn dieser Trolle auf sich zieht, hat alles richtig gemacht.

Was haben wir gelacht! Und sicher nicht nur meine Frau und ich. Seit mehreren Jahren liefert der Tatort Handlungen, die schon an Realitätsverlust grenzen. Denn:

..Mit subjektiven Meinungen, persönlichen Überzeugungen, persönlichem Glauben und Erwartungen hat Realität ebenso wenig zu tun wie mit den inneren Widersprüchen und den (ggf. als unangenehm empfundenen) Gefühlen und Konflikten, die sich aus der Konfrontation mit der Realität ergeben können. Derartige Gefühle, Widersprüche und Konflikte führen aber automatisch zur Verzerrung der Realität und ggf. zum völligen Realitätsverlust…

Auf die Tatortmacher und die taz-Redakteure trifft dies voll und ganz zu. Meinung, Glauben und Überzeugung ohne Realitätsbezug: Im Tatort sind Kommissare inzwischen immer unbeherrschte, inkompetente und gefühlsgeleitete Psychopathen, die sich von gesuchten Serienmördern kaum unterscheiden, während die besonnene Kommissarin alles im Griff hat. Der am Anfang verdächtige Migrant mit Mindestsprachniveau C3 ist immer zu Unrecht beschuldigt und entpuppt sich im Laufe des Films als wahrer Heiliger. Am Ende sind dumpfe Skins oder zumindest rückwärtsgewandte Nazis in Nadelstreifen die Täter. Wahlweise greifen diese auch Schwule, Lesben, Behinderte oder Frauen mit Kopftuch an.

Dass „Land in dieser Zeit“ laut taz so hölzern daherkommt, liegt nicht an den Filmemachern, sondern, weil es fast unmöglich ist, solche Konstellationen halbwegs glaubwürdig in ein filmisches Korsett zu zwängen. Kann man versuchen und der Zuseher wird womöglich mal wegschalten. Nun wird aber dieses Narrativ in einer Penetranz wöchentlich seit mehreren Jahren nicht nur in diese Krimiserie gedrückt, so dass man nicht mal mehr die Kurzinformation zu Ende liest, wenn darin die Begriffe „Flüchtlingsheim“, „Sierra Leone“ oder „rechte Szene“ vorkommen. Das ist wie Murmeltiertag, wo täglich dieses Tier erscheint.

Bei „Land in dieser Zeit“ hat man das Gefühl, dass es die Macher ebenfalls inzwischen leid sind, die Vorgaben von oben (DEGATO= Frau von CDU-Strobl= Schwester von Schäuble) zu erfüllen. „Nach einem Wasserschaden in der Sammelunterkunft“. Da hat man eher ein Bild vor Augen mit versifften Toiletten und herausgerissenen Waschbecken, weil die Unterkunft nicht den Ansprüchen genügte, und nicht von Ingenieuren, die mit dem leeren Zahnputzbecher vor dem defekten Wasserhahn stehen. Und der Kommissar lässt sie bei sich wohnen, während in Wirklichkeit viele aus gutem Grund bei Nacht kein Zugabteil mit denen teilen möchten.

Allein an der Rechtschreibung in den Kommentaren müssten doch Intendanten und Redakteure bei der taz erkennen, dass hier nicht eine dumpfe braune Brut schreibt, sondern Leute, die es einfach nicht mehr hören können, dass sie deutscher Abschaum sind, der jetzt vom Orient und von Afrika kultiviert werden soll, während diese weitgehend von Steuergeldern ausgehalten werden.

Sie wollen am Sonntagabend eine spannende oder wenigstens seichte Unterhaltung, bevor sie am Montag wieder malochen, und nicht ein linksgedrehtes Erziehungsfernsehen, das ohne Zwangs-GEZ nicht überlebensfähig wäre, weil es dafür keinen Markt gäbe. Dieser Markt ist höchstens so groß wie die Leserschaft der taz.

Man muss es nochmal wiederholen:

Doch so oder so hat er offensichtlich einen Nerv getroffen. Sei es der Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt oder die Debatte um Racial Profiling in Köln – sofort tobt im Netz der rassistische Mob. Und er vergiftet die gesamte gesellschaftliche Debatte.

Ein rassistischer Mob vergiftet die gesamte gesellschaftliche Debatte? Gibt es über die Themen eine Debatte, außer dass jede sachliche, nicht-linke Meinung sofort als rechtspopulistisch, fremdenfeindlich oder homophob gebrandmarkt wird?

Weder die taz, noch der neue Intendant Ulrich Wilhelm haben den Schuss gehört, wenn dieser eine Erhöhung der GEZ-Gebühren fordert, weil man anders das Niveau bei den ÖR-Sendern nicht halten könne. In Bodennähe hält es sich ohnehin von selbst.

Ich kann mir nicht helfen. Wenn die glauben, dass sie mit den Tatort-Filmen eine Realität abbilden, dann haben die entweder einen massiven Knick in der Wahrnehmung oder senden aus einem Paralleluniversum, das den meisten nicht zugänglich ist.