bento: Quote für Minderleister?

Nach der berechtigten Quote für Behinderte hat man nun neben Frauen und Migranten eine weitere hilfsbedürftige Gruppe entdeckt: Junge Menschen! Ist ja süß! Zuerst dachte ich, man möchte auch ein paar Grundschüler ins von der Oberstufe dominierte Schulforum bringen. Nein, es sind die vermeintlich leistungsfähigsten einer Gesellschaft. Das sind die Schulabgänger, denen die Eltern den Ranzen bis zur Klassenzimmertür getragen haben, weshalb man den Wehrdienst abgeschafft hat, damit sie nicht noch einen Rucksack tragen oder sich selbst das Butterbrot schmieren müssen. Trotzdem haben diese Jammerlappen mit Steffen Lüdke von bento einen wirklich passenden Fürsprecher gefunden.

Die Debatte ist da: Die Alten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nehmen uns junge Menschen nicht ernst. Sie belächeln uns, halten uns klein – und merken nicht einmal, was sie da gerade anrichten. Seit Tagen sammeln wir Beispiele unter dem Hashtag #diesejungenleute. Die Wut wächst.

So heißt es in dem Artikel auf bento. Die Jugend fühlt sich unterrepräsentiert und er meint es sollte im Bundestag eine Quote für unter 30-jährige geben, denn die Alten sind in Deutschland eben in der Mehrheit und an denen wird die Politik ausgerichtet.

Ein Gefühl droht sich in einer ganzen Generation auszubreiten: Du kannst noch so schlau sein, die Idee kann noch so gut sein – die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass dir erstmal verbal der Kopf getätschelt wird.

Nach dem Motto: Ach komm, jetzt ist auch mal wieder gut. Dein Argument ist ja nicht schlecht, für dein Alter. Aber wir machen das so, wie wir Erwachsenen es immer gemacht haben. Und diese Haltung haben in Deutschland eben nicht nur die Entscheider – sondern die Mehrheit der Bevölkerung.

Die jungen Leute beschweren sich also und sind wütend, dass sie immer so gute Ideen haben und von den Alten dafür belächelt werden. Ich pflege dann immer zu sagen „Super Idee, solange ich nichts damit zu tun habe“. Schließlich hat es sich ja auch unter Erwachsenen inzwischen in Familie, Verein, Kollegium, Verbänden usw. eingebürgert, dass derjenige, der eine tolle Idee hat, sich gar nicht mehr Gedanken darüber macht, sie selber auch umzusetzen. Die halten sich selbst und ihre Idee für so grandios, dass sie sogar das betretene Schweigen als Zustimmung deuten und gleich darangehen, die eigentliche Arbeit an die verschiedenen Leute zu delegieren.

Dass die meisten Jungen keine Idee haben für ein neues Krebsmedikament, einen innovativen Kunststoff oder ein neues mathematisches Modell, liegt wohl daran, dass sie um die MINT-Fächer einen großen Bogen machen und wie der Autor lieber in die Laberfächer gehen.

Aus dem Bereich kommen auch deren „Ideen“. Schon immer glaubt ein junger Mensch, dass er selbst der einzige ist, der sich zum ersten Mal über gesellschaftliche Probleme und deren Lösung Gedanken macht. Nach dem Motto: Jetzt komm ich!  Witzigerweise kommen diejenigen von den Jungen, die besonders viel nachdenken, immer zu dem Schluss, dass ein sozialistisches System die Lösung dafür sei, Armut und Ungleichheiten zu beseitigen, die Ausbeutung der Umwelt zu beenden und für ein friedliches Zusammenleben zu sorgen.

Dazu mutet es schizophren an, dass sich unter den Jungen die meisten Befürworter für die EU-Politik finden und die Sachsen als ungebildet und rückständig bezeichnen. Dabei können ihnen noch viele von denen erzählen, dass die sozialistische DDR in dieser Hinsicht ein „shithole“ war und die EU auf den besten Weg dorthin ist. In Sachen Umweltverschmutzung (siehe Bitterfeld oder die Elbe) hatte der sozialistische Ostblock allerdings geradezu ein Alleinstellungsmerkmal.

Ich war Anfang der Achtziger mal im Winter in der damaligen Tschechoslowakei. Da brauchte man keinen Farbfilm einlegen. Himmel grau, Schnee grau, Häuser dafür in verschiedenen Grautönen. Sogar die Wurst, die es an den „Raststätten“ gab, war innen grau und auch der eine Teebeutel, der zu drei Liter warmem Wasser gereicht wurde, war grau. Kein Witz.

Kein Wunder, dass die ältere Generation die Jungen darüber belächelt und nicht ernst nimmt, wenn sie wiederum ein innovatives sozialistisches System anstreben, das innerhalb der letzten 100 Jahre in verschiedenen Ausprägungen (3.Reich, Ostblock, Venezuela) gescheitert ist und jedes Mal für eine kleine reiche Clique, dann für Krieg, Armut und eine zerstörte Umwelt gesorgt hat.

Dazu meinen viele Uniabsolventen, dass mit dem Eintritt in einen Betrieb die Herrenjahre begännen oder irgendwelche Ansprüche stellen könnten. Da habe ich selbst schon Ingenieure mit ihren „tollen Ideen“ scheitern sehen, weil sie sich von Leuten mit jahrzehntelanger Erfahrung nichts haben sagen lassen, nur, weil die keinen Uniabschluss hatten. Wo dazu die Eltern heute das Essen von Amazon bringen lassen und nicht mehr in der Lage sind, einen Nagel in die Wand zu bringen, geschweige ein Loch bohren, da braucht man sich nicht wundern, wenn junge Fachkräfte von der Uni versuchen, auf der Baustelle einen Holzbohrer mit Gewalt ins HILTI-Bohrfutter zu bekommen. Kann ich bezeugen.

Wer schreit eigentlich so vehement nach einer Quote für die junge Generation, wenn sie ja von den Erwachsenen mit ähnlichen Kenntnissen vertreten werden? Für die haben auch die Nazis die Dresdner Frauenkirche zerstört oder Kraftwerke liefern Strom in Form von Gigabyte. Die Nachwuchsorganisationen von Jusos und GRÜNE Jugend schaffen es ja schon ohnehin, dass man auch die völlig minderbemittelten Parteisoldaten später irgendwo unterbringt.

Früher hat es eben gereicht, wenn die Eltern gesagt haben. Ach komm, jetzt ist auch mal wieder gut. Es hat auch den jungen Mensch davor geschützt, sich auch noch woanders zu blamieren (ab 0:34). Heute wird schon jedem Kind gesagt, dass alles ja so toll sei, was es macht und jede Selbstverständlichkeit belohnt wird. Kein Wunder, wenn dann ein großer Teil von denen an Größenwahn leidet, wenn sie Abitur oder gar einen Uniabschluss haben. Und jetzt sehen sie eben kein Land, wenn sie mit Leuten konkurrieren aus Zeiten, wo nur 10% einen Abiabschluss hatten (und nicht 50%) und auch die Hauptschüler nicht an Dreisatz oder Prozentrechnen scheiterten. Da hilft höchstens noch ein Posten bei der rot-grünen Parteijugend, um nicht aufzufallen. (Die können aber inzwischen auch nicht mehr jeden retten.)

Und die wollen jetzt mit Quote im Bundestag mitentscheiden? Gott bewahre! Es reicht, wenn die Abgeordneten von den GRÜNEN dort sitzen. Die sind oft jenseits der 50 und sind immer noch nicht erwachsen. Ihr Weltrettungskarma entspricht dem Entwicklungsstand eines Teenagers.

Für junge Menschen mag eine App zur Bestimmung des CO2-Abdrucks meines Mittagessens innovativ sein, liegt aber im Grunde auf der gleichen esoterischen Ebene wie eine App, die die Temperatur des Fegefeuers anhand der begangenen Sünden bestimmt.

Junge Menschen, die etwas auf dem Kasten haben, brauchen eine Quote genauso wenig wie Frauen mit entsprechender Qualifikation. Für die stellt sich die Frage gar nicht, denn es ist klar, dass man Netzwerke nutzen muss und sich beizeiten auch andienen muss, um überhaupt die Gelegenheit zu bekommen, sich zu beweisen. Wer wirklich was kann, muss sich auch nicht mit Mindestlohn abspeisen lassen.

Alle die Minderleister, die in Politik, Stiftungen oder Medien unterkommen, leben vom Staat und sind eine Minderheit. Der Rest der Jungen ändert seine Meinung, sobald sie in der freien Wirtschaft ihr erstes Geld verdienen und es nicht unbedingt an alle Welt verteilt sehen möchten.

Nach Quote schreien ja immer nur die, die ein Leben lang nicht wahrhaben wollen, dass sie nix können, wofür jemand mit Verstand freiwillig bezahlen würde. Im Gegenteil reden sie sich ein, sie würden von den Verhältnissen daran gehindert, ihre Fähigkeiten gewinnbringend eizusetzen.

Vielleicht teilt ja auch der Autor irgendwann das Schicksal, dass wir uns von ihm mangels freiwilliger Nachfrage durch eine Medienabgabe zwangsbeglücken lassen müssen und er wenigstens so die Illusion hat, etwas Sinnvolles zu leisten.