Alexa, die Große Schwester.

In einem Artikel bin ich auf etwas gestoßen, wo man sich freut, dass man nicht erst merkt, dass man im Räderwerk der permanenten Überwachung hängt, wenn es zu spät ist. Alexa, Echo, das Handy und Navi und viele andere Geräte bieten inzwischen Spracherkennung an. Sicher lässt sich der Käufer dem gekauften Gerät zuordnen und er und sein nahes Umfeld werden es als erstes aktivieren. Nun kann man einwenden, dass man das Gerät ja verschenken kann und ja oft mehr Leute in einem Haushalt wohnen.

Man braucht sie nicht dazu zwingen, ihre Identität zu offenbaren, denn sie werden es freiwillig tun. Sie wollen doch sicher ihre persönlichen E-mails alleine lesen. Ein Account mit der Geliebten, der nur über ihre Stimme überhaupt existent ist? Sie können es allen verheimlichen und Alexa hilft Ihnen dabei, wenn Sie sich offenbaren.

Sie surfen im Internet ganz privat nur „mit ihrer Stimme“. Niemand kann später den Verlauf abfragen, welchen Schweinekram sie angesehen haben oder mit wem sie sich im Chat treffen, ohne Ihre Stimme. Nur Alexa kennt sie. Oder müsste es nicht spätestens dann heißen: Nur Alexa kennt Sie!

Sie werden einwenden: Da geht doch technisch noch gar nicht. Man hat DNA-Proben Jahrzehnte aufgehoben, weil mit den ersten Fortschritten in der Entschlüsselung klar war, wo es enden würde. Das kann kein Computer leisten, das zu speichern! Warten Sie’s ab.

Wir können unser Profil immer persönlicher und privater gestalten, wenn wir es an unsere biometrischen Daten und unsere Stimme binden. Alles ganz geheim und für manchen ein tolles Gefühl, dass niemand anderes Zugriff hat. Außer Alexa. Sie ist das Symbol für die Große Schwester, wie es für den Großen Bruder der Televisor war.

Nun können Sie sich dem verweigern, doch Alexa hat mächtige Freunde. Ihr Smart-TV kann bei Ihnen schon in die Wohnung schauen, weil in der Mitte sitzt eine Mikrokamera; wenngleich man diese Technik bisher erst an Bahnhöfen nutzt, um Frontalbilder zu bekommen. Dafür kann es zumindest mithören, auch wenn sie das nicht bemerken. Wenn das Gerät aus bleibt, weil Ihnen das GEZ-Zwangsfernsehen auf den Senkel geht, dann kann man das Mikrofon auch aktivieren, wenn das Gerät nicht eingeschaltet ist. Ach, Sie haben keinen Fernseher mehr? Dann hören sicher die Spülmaschine und der Toaster auf Ihren Namen. Manche Frauen finden es dann noch süß, ihrer Kaffeemaschine einen Kosenamen zu geben. Kommt sicher, wenn alle Alexa haben und nun die neue Alexa nachgeschoben wird, der Sie einen persönlichen Namen geben können. Kann man drauf wetten. Hat es nicht das gewisse Etwas, wenn Sie Alexa zusätzlich auf den persönlichen Namen des Geliebten programmieren? Macht sicher Eindruck, wenn der Alte mal nicht zu Hause ist.

Niemand weiß es außer Alexa; und denen, die sonst noch Interesse daran haben. Sie arbeiten im Öffentlichen Dienst? Wenn Sie da mal überraschend vorgeladen werden oder sich bei einem Vorgesetzten zu weit aus dem Fenster gelehnt haben, könnte in diesem Moment Ihr ganzes Leben schon jetzt an Ihnen vorbeiziehen, wenn der ganz unbeeindruckt im Sessel sitzt.

Es gibt kein Entkommen, auch wenn Sie sich vollkommen verweigern. Sie schauen kein Fernsehen, haben kein Handy, keine Alexa, Navi oder smarten Küchengeräte, sind weder auf twitter, noch auf facebook? Und Sie zahlen grundsätzlich bar? Sehr verdächtig.

Sie haben sicher einen Chip im Auto zur Positionsbestimmung bei einem Notfall. Sie glauben auch noch daran, dass der nur in diesem Fall Ihre Position preisgibt? Nun planen Sie als Totalverweigerer, wie ich, den Tag wie in Zeiten vor dem Mobiltelefon. Man lässt genug Luft zwischen den Terminen und hat immer ein Buch im Auto. Warum steht da jemand immer in einer Parkbucht und steigt nicht aus, oder vor dem Bahnhof?

Wofür könnte man sich interessieren, wenn Sie Alexa, facebook, twitter oder Ihrer Waschmaschine nichts freiwillig erzählen? Bei welchem Verlag haben Sie Ihr letztes Buch bestellt? Für welchen Ort haben Sie an welchem Tag eine Fahrkarte gelöst?

Ich war unvorsichtig und habe bei Bahn.de nicht Karlsruhe, sondern das eigentliche Ziel eingegeben. Ich buche schließlich sonst auch Obervogelgesang.

Das ist doch irrelevant! Wen sollte das interessieren! Jetzt nicht. In einem Jahr vielleicht? In zehn Jahren! Kinder habe ich auch.

Haben Sie in Ihrem Leben schon mal einen Anruf bekommen, wo es heißt, man möchte sich gerne einmal mit Ihnen unterhalten, obwohl Sie in Ihrem Leben höchstens mal falsch geparkt haben und eher zu den schweigsamen, unpolitischen Typen gehören? Ich schon. Und das war nicht in der DDR.

Kurz vor dem Einschlafen sollte jeder einmal das Gedankenexperiment machen: Welche Daten habe ich diese Woche hinterlassen, wenn ich weiß, was technisch möglich ist?

Ist es möglich keine Spur zu hinterlassen und wirklich frei zu sein?

Nicht, weil ich etwas verbergen will, sondern, weil ich das Gefühl von Freiheit liebe?

Technisch womöglich nicht, aber es bleibt am Ende immer ein Weg!