Journalisten: Resistent gegen die eigene Einsicht.

In der BR-Sendung Kontrovers befasst sich ein Bericht damit, wie die Journalisten mit Martin Schulz so danebenliegen konnten. Es analysierten sich selbst ein Medienwissenschaftler, Ulrich Deppendorf, Christian Ude, einer vom Magazin Cicero und Heribert Prantl. Heribert Prantl, der Lenker und Denker im liberal-humanistischen Journalismus. Bevor man seine Rolle in dem Beitrag genauer betrachtet, sollte man sich zwei Artikel ansehen, dann ist es keine Überraschung mehr, warum er auch bei Schulz danebenlag. Manche seiner Gedankengänge fordern dieses Versagen geradezu heraus.

Wer vom Mut der Widerständler gegen Hitler spricht, vom Mut der Weißen Rose, vom Mut des Georg Elser, vom Mut der Verschwörer des 20. Juli 1944 – der tut sich allerdings schwer, dieses Wort in einer Gegenwart zu gebrauchen, in der Mut wenig kostet. Ist der Mut von damals nicht umso mehr Vorbild und Verpflichtung? „Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt habt“, lautet einer der Sätze aus den Flugblättern der Weißen Rose. Ist dieser Satz nicht auch Anklage in einer Zeit, in der die Gleichgültigkeit globalisiert ist und in der Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer sterben?

Ja, Heribert, das wäre auch wahnsinnig mutig, wenn man dagegen Flugblätter verteilt. Da kann man dann auch heimlich Flyer drucken gegen Feinstaub und Acrylamid, um seinen Mut und seine Zivilcourage zu beweisen. Schließlich sterben dadurch noch mehr. Mantel der Gleichgültigkeit?

Es gibt Demos und Fan-Krawalle, weil man Bundesligaspiele auf Montag verlegt hat. Reicht das nicht?

Ist ja zu witzig, dass diejenigen Internetseiten, die darauf hinweisen, dass die UNHCR damals ohne Not die Zuwendungen an die Flüchtlingslager im Libanon gekürzt haben und so die Krise mit ausgelöst hat, durchweg als rechts oder rechtspopulistisch gelten. Hätte man da schon eingegriffen, wären auch keiner ertrunken. Aber für Prantl ist die Flüchtlingskrise ein Gottesgeschenk oder Naturereignis. Für Heribert ist das, wie wenn sich „die Menschen“ weigern, bei Hochwasser zu helfen, während die Weiße Rose unter Todesverachtung darauf hinweist, man müsse endlich was tun. Mit dieser Logik macht auch sein Artikel Sinn. Schließlich kämpft die ANTIFA mit bemerkenswerter Tapferkeit gegen einzelne Merkel-Kritiker. Nennt sich dann Zivilcourage. Gibt’s auch Fördergelder.

In einem anderen Artikel sieht er die Demokratie bedroht, weil man die friedlichen Demonstranten beim G20-Gipfel in eine Tonne getreten hat, mit denen, die halb Hamburg abgefackelt haben. Ja Heribert. Von Dir stammt der Satz: Was die Mafia für Sizilien ist, ist PEGIDA für Sachsen. Ich denke nicht, du meinst, dass jeder der Sachsen hört, sofort an PEGIDA denkt- wäre zu viel der Ehre. Eher ist die Mafia das absolut Böse, das sogar andere Kriminelle verdrängt, so wie PEGIDA mit ihrem Rassismus und ihrer Fremdenfeindlichkeit alle demokratischen Kritiker aus dem Volk beiseite schiebt. Wenn Du das meinst, dann sag mir eine beliebige Person, die berechtigterweise Kritik an der Politik Merkels übt und unter Deinen Journalistenkollegen dafür nicht als rechts, rechtsextrem oder Nazi gilt. Deshalb haben Nazis für Euch inzwischen keine Platte mehr oder tragen Springerstiefel, sondern haben brünette Haare und tragen Lodenmantel.

Früher war es normal, dass Menschen den Rücktritt der Regierung forderten, wenn sie mit der Politik nicht zufrieden waren. Nannte man Demokratie. Heute können Sie sich nicht einfach auf einen Platz stellen, ein Schild hochhalten und darauf den Rücktritt von Merkel fordern. Da wirft ihnen die linke Opposition die Fenster ein, demoliert ihr Auto und droht Ihnen Gewalt an. Das ist dann echt ein breites Bündnis. Gab es aber in Deutschland schon mal.

Jeder, der sich von seinen wortgewandten, eleganten Artikeln einwickeln lässt, wird am Ende ehrfürchtig Prantls Meinung sein.

Mir geht aber jede Art von Ehrfurcht gegenüber Titel und Meriten ab, ins besondere wenn es sich um Journalisten handelt. Die positionieren sich immer so extrem alternativlos mit ihrer Meinung, dass sie am Ende auch immer extrem danebenliegen. Wenn ihnen das jemand schon von Anfang an gesagt hat, dann ist das in deren Augen das Bildungsprekariat aus dem niederen Volk, das es nicht mit den hochgebildeten Eliten der Journalistenzunft aufnehmen kann.

In Kontrovers hat sich Heribert nun geoutet, dass er und seine Kollegen sich mit Martin Schulz vollkommen getäuscht haben und ihn wirklich als ernstzunehmenden Gegner für Merkel gesehen haben, obwohl das SPD-Team zu dieser Zeit schon genügend Vollpfosten im Rennen hatte, mit gleicher abschreckender Wirkung. Am 25.1.2017 meinte Alexander Gauland von der AfD, dass Martin Schulz ein Glücksfall für die AfD wäre und das konnte man auch in vielen Foren lesen. Der Schulz meinte, dass soziale Gerechtigkeit und mehr Europa das wäre, was die Bürger interessiert und hat es dann in Endlosschleife wiederholt. Da wäre er mal besser gewesen, nachts eine Runde U-Bahn in Berlin zu fahren, um näher an „den Menschen“ zu sein.

Fünf Tage später meldete DIE WELT „SPD: Martin Schulz ein Glücksfall für Deutschland.“

Schulz sei Dank, dass er die Gerechtigkeitsdebatte ins Zentrum des Wahlkampfes stellt.

stimmte der Welt-Schreiberling mit ein.

Der Ulrich Deppendorf meinte in der Sendung, dass sich die in einer journalistischen Filterblase gegenseitig befeuert hätten. Das ist doch der mit den Wahlumfragen und Hochrechnungen, dessen Amt nun Jörg Schönborn übernommen hat. Die ARD meldete ja noch in der Pressemitteilung am 30.10.16 zur US-Wahl in ihrem Programm, dass H. Clinton nach Umfragen klar führt. Da haben die ja mit Deppendorf einen richtigen Profi aus den Filterblasen eingeladen.

Dann durfte noch ein Prof. Carsten Reinemann als Medienwissenschaftler ran. Der erklärte den Schulz-Hype mit einer Art Leeraussage, weil das ist der gleiche, der in einem Vortrag gesagt hat, alles, was über gesunde Skepsis gegenüber Medien hinausginge, sei gefährlich und diese Skeptiker aus dem rechten und rechtspopulistischen Lager kämen. Konnte da schlecht sagen, dass die recht hatten und sich damals schon mächtig über die Nominierung von Schulz gefreut haben, während die ÖR-Medien, Prantl & Co. noch auf der Martin-Welle surften. Da muss man schon eine Menge Rotwein saufen, um einem Quartett aus Schulz, Högl, Nahles und Stegner als Sympathieträger wahrzunehmen. Da wählt man dann doch lieber wieder die Amtsinhaberin mit der Ausstrahlung von drei Meter Pressspan.

Dazu behauptet Reinemann, dass der Vertrauensverlust gegenüber den Medien nichts mit deren Qualitätsmerkmalen zu tun habe. Ach was. Dabei zeigt er vorher eine Grafik, in der 77% der Journalisten in Selbstauskunft meinten (bei 46:50), die Pressefreiheit wäre durch die wirtschaftlichen Interessen der Medienhäuser gefährdet oder sehr gefährdet. Und dann soll es keinen Einfluss auf die Qualität haben, wenn die SPD an die 3500 Medienbeteiligungen hat? Da muss man echt was mit Medien studiert haben, um das nicht aus den eigenen Daten herauslesen zu können. Reinemann greift lieber auf die Mitte-Studie zurück, die den Vertrauensverlust der Medien mit dem mangelnden Vertrauen in das System erklären, wie das bei Rechtspopulisten der Fall ist. Wer solche Studien für voll nimmt, der hält natürlich auch die Tagesthemen für seriös.

Da setzt sich also das Kontrovers-Magazin lobenswerter Weise kritisch damit auseinander, wie die Journalisten mit Schulz so danebenliegen konnten. Die Journalistenelite hat sich bei Schulz 2017 so getäuscht, wie bei der Wahl von Trump 2016 (Clinton klar vorn) und bei der Flüchtlingskrise 2015 (Es kommen nur Familien und Fachkräfte).

Ich kenne ja wenige, die sogar gegenüber ihren eigenen Erfahrungen resistent sind, um ihre Meinung zu ändern.

Seit dieser Sendung kenne ich zumindest drei mehr.

Ein Gedanke zu “Journalisten: Resistent gegen die eigene Einsicht.

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