Pornofilm setzt Maßstäbe für’s ÖR-Fernsehen der Zukunft.

Auch wenn es einen gar nicht interessierte, so bekam man trotzdem immer mit, dass Filmpreise größtenteils an Filme gingen, wo es irgendwo in der Beschreibung hieß „…während der Nazizeit…“ oder „…nachdem sie den Holocaust…“ Auch normale Fernsehfilme folgten oft diesem Plot. Heute braucht es immer etwas mit Flüchtlinge und bösen Nazis als Rahmenhandlung. Ein Bambi ist dafür allemal drin.

Sicher ginge auch ein Porno recht gut, doch diese Schmuddelecke überlässt man gerne dem Nachtprogramm der privaten Sender. Dabei kommt heute fast kein Fernsehfilm oder Tatort der ÖR-Medien mehr ohne diese Pornodeko aus.

1951 gab es wegen des Filmes „Die Sünderin“ noch einen Skandal, weil man die Knef oben ohne zeigte. Heute läuft beim TATORT noch der Vorspann, während es im Hintergrund die Kommissarin mit ihrer(m) Lebensgefährtin(en) treibt, dass das Bett wackelt, und dann Sekunden später beim Zuknöpfen der Bluse den Fall besprechen. Mir ist ja nicht klar, was für den Handlungsverlauf des TATORTs daran notwendig sein sollte, dass man die Eier des Kommissars baumeln sieht oder es zwei Schwule miteinander treiben. Im Grunde schiebt man nur die Grenzen immer weiter hinaus. Was früher ein Skandal war, ist heute Standard, was früher hinter Bezahlsperre oder im Nachtprogramm steckte, kommt heute zwischen Sesamstraße und den Bergrettern.

Bei der Berlinale hat nun ein pornografischer Experimentalfilm aus Rumänien als Sammelsurium diverser Sexpraktiken gewonnen. In dem Film „Touch Me Not“ von Adina Pintilie geht es um Überwindung des Ekels um irgendwie zusammenzukommen, Sex mit Behinderten und im Sado-Maso-Club.

Warum? Adina Pintilie lässt wie in einem Experiment Schauspieler und echte Menschen die Spielarten menschlicher Sexualität erforschen. Man schaut beim Onanieren zu, erfährt vom Sex im Rollstuhl und geht mit in einen Sado-Maso-Club. Das mag kunstvoll in einer Art Laborsituation inszeniert sein, ist in der zur Schau gestellten Intimität aber kaum erträglich. Hier werden Schamgrenzen nicht in Frage gestellt, sie werden niedergerissen. Viele verließen bei der Premiere den Saal.

Nicht wenige haben also den Film während der Vorführung verlassen. Das ist ein Zeichen, dass der Film preiswürdig war. Denn was man mangels Qualität nicht einspielen kann, muss man durch GEZ-Zwangsgebühren und steuerfinanzierter Filmförderung abpressen.

Wenn man die Richtlinien der Filmförderung liest, dann dürfte der Film gar nicht gefördert worden sein, wie dies hier der Fall war.

(3) Von der Förderung ausgeschlossen sind Filmvorhaben, die verfassungsfeindliche oder gesetzwidrige Inhalte enthalten, einen pornographischen oder gewaltverherrlichenden Schwerpunkt haben oder offenkundig religiöse Gefühle tiefgreifend und unangemessen verletzen.

Als Voraussetzung für die Förderung heißt es:

Filme weisen eine erhebliche deutsche kulturelle Prägung auf, wenn sie die vier nachstehenden Kriterien erfüllen:

…oder ist Staatsangehörige/r eines EU-Mitgliedstaates, eines anderen Vertragsstaats des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum oder der Schweiz.

Für die „erhebliche deutsche kulturelle Prägung“ reicht es dann wohl, wenn man Deutschland auf der Karte findet und jemanden kennt der den Förderantrag ausfüllen kann. Schließlich gilt auch jeder von irgendwoher schon von erheblicher deutscher kultureller Prägung und personalausweiswürdig, wenn er weiß, welche Förderungen es von den verschiedenen deutschen Ämtern und freiwilligen Helferorganisationen bei Kirchen und Verbänden für die 8 Kinder und drei Ehefrauen gibt. Das durchschaut manch geborener Deutscher oft nicht auf auf Anhieb.

Tykwer, selbst eher ein Meister des Publikumsfilms („Lola rennt“, „Babylon Berlin“) sagt zur Begründung, die Jury habe nicht nur würdigen wollen, „was Kino kann, sondern auch, wo es hingehen kann„.

So wie die Oben-ohne-Knef Wegbereiterin war, dass sich das Thema heute im Kinderprogramm findet, so kann dieser Film natürlich Wegbereiter sein, was uns im Vorspann diverser Serien erwarten kann:

Tierarzt Dr. Kleist vögelt gerade die lahmende Stute einer jungen Springreiterin, als er zu einem dringenden Fall in ein Tiersex-Bordell gerufen wird.

oder

Dr. Specht und seine Kollegen erproben gerade mit den Schülerinnen der 7. Klasse verschiedene Sexpraktiken, als eine besorgte Mutter ins Lehrerzimmer kommt: Ihre Tochter trägt neuerdings Zöpfe und soll Kontakt zu Teilnehmern von PEGIDA haben.

Und wenn erst mal das ohne Proteste durch ist, dann klappt das gleiche auch im Kinderprogramm.