Münchens letztes Aufgebot.

Der Bayerwald-Bote (PNP), das Praktikantenblatt für das bayerische Hinterland, behandelt seine Leser, als hätten die noch keinen eigenen Internetanschluss, denn dann würden sie sich nicht so staatsnah gebärden wie die Zeitung „Neues Deutschland“ in den letzten Tagen der DDR. Heute brachten die Schreiberlinge einen fast halbseitigen Bericht über die Chöre, die gegen PEGIDA-München ansangen.

Dort hieß es:

35 Chöre singen gegen Pegida

2500 Menschen bei Demo – Initiiert von Bellevue di Monaco

München. Nach einem Aufruf des rechtsgerichteten Dresdner Pegida-Bündnisses zu einer Kundgebung in München sind am Samstag 200 Menschen auf dem Marienplatz erschienen – umringt wurden sie dabei laut Polizei von rund 2500 Gegendemonstranten…

Und das ist Fake-News. Denn, wer die Bebauung in München kennt, der erkennt auch schnell, dass PEGIDA am Marienplatz demonstrierte und die ganzen Sänger vor der Staatsoper standen.

Man muss aber das in einem größeren Zusammenhang sehen. Jahrelang ging PEGIDA in Dresden fast alleine auf die Straße und jede, der dort hinging, der ging damit nicht hausieren, weil er natürlich gegenüber der Restbevölkerung als völlige Minderheit galt, die ihn in die rechte Ecke stellen würde. Dann kam Kandel, Cottbus und Hamburg und auch an kleineren Orten traut man sich jetzt auf die Straße. Man regt sich auch nicht mehr so wirklich auf, dass Demonstrationen verschwiegen oder Teilnehmerzahlen manipuliert werden. Woran liegt das, obwohl sich die Berichterstattung nicht geändert hat und man immer noch regelmäßig Rechtsextremismusexperten auffährt, dass es sich bei den Demonstranten um braune Brut handelt? Die meisten Demonstrationen wenden sich gegen die unkontrollierte Einwanderung und die islamisch-archaischen und gewaltsamen Auswüchse in diesem Zusammenhang.

Man muss gar nicht die Erhebung der Ludwig-Maximilians-Universität nehmen, um zu erkennen, dass die Ablehnung des Islam in der Bevölkerung inzwischen eine deutliche Mehrheit hat. Die Gegendemo zu PEGIDA-München gerät auch so fast zur Realsatire. Gegen die Demonstrationen an den oben genannten Orten finden sich oft nicht mal mehr nennenswerte Gegendemonstranten, so gebiert sich das bunte München als letzte Bastion im Kampf gegen rechts.

Dabei hat man eher den Eindruck einer verordneten Funktionärsversammlung mit deren Anhang. Am Marienplatz fehlte neben den Fahnen der DKP, der Jungsozialisten, den Gewerkschaften und den Plakaten der Antifaschisten nur noch die Fahne der SED. Dass der Münchener Merkur sogar noch eine Fotostrecke davon bringt, liegt wohl am Knick in der Wahrnehmung, dass die politische Ausrichtung der Redaktion der in der Bevölkerung entsprechen würde. Spätestens in der Nahaufnahme der Gegendemonstranten am Marienplatz erkennt der Normalbürger, dass sich hier nicht die Steuerzahlerschicht versammelt hat.

Nun haben sich mit denen am Marienplatz Lokalgrößen aus Politik, Medien und Kultur solidarisiert, um gegen PEGIDA anzusingen. Sogar OB Reiter war da. Was normalerweise wie die Hommage an den Volkswillen aussehen soll, gerät zu einer Farce wie in der ehemaligen DDR. Das „mutige“ Ansingen ist wohl ein erneuter Versuch PEGIDA aus München zu vertreiben, weil es mit Worten und Diffamierung allein nicht funktionierte. Da passt dieses tolle Zitat

…erinnert er (es) mich sehr an die einstigen Bannerträger des Sozialismus, welche die wankende DDR dadurch zu stabilisieren suchten, indem sie der Bevölkerung erzählten, dass jetzt aber nun wirklich genug demonstriert sei, die Regierung habe die Botschaft vernommen und verstanden, aber jetzt sei es Zeit, die Straßen wieder freizugeben und in einen konstruktiven Dialog mit der Partei- und Staatsführung zu treten.

Die Bildberichte in der tz, dem Münchner Merkur und auch im Bayerwald-Boten haben wohl auch dem letzten heimlichen Gegner der Merkel-Politik unfreiwillig ein Aha-Erlebnis beschert.

Die schweigende Mehrheit, von der man dachte, sie würde sich im Falle des Falles gegen die „Rechten“ mobilisieren lassen, hat stillschweigend die Seiten gewechselt. Vor Ort befinden sich nur noch die bezahlten Claqueure und Profiteure, während das gemeine Volk peinlich berührt von der Ferne zuschaut.

Macht es in diesem Zusammenhang nicht auch Sinn, dass man andauernd nur Erfolgsmeldungen bringt wie gut es den Deutschen ginge, während man den Wählern der rechten Parteien vorwirft, sie wären die Abgehängten, die nicht das ganze Land sähen, sondern durch die Wahl ihre persönliche Misere verbessern wollten?

Hetzt man Alte und Junge nicht genau aus dem gleichen Grund auf? Wenn sich dann der Rentner mal mit dem Studenten unterhielte, der schon die fünfte unbezahlte Praktikumsstelle hat oder mit der Familie mit Kindern, die trotz Doppelverdienst nicht über die Runden kommt, dann würde allen ein Licht aufgehen, dass alle das gleiche Schicksal teilen.

Auf dem Marienplatz und vor der Oper stand an diesem Wochenende das letzte Aufgebot einer untergehenden Meinungsführerschaft, die sich gerne als kulturelle und politische Elite sieht.

Schon in persönlichen Gesprächen habe ich festgestellt, dass aus leisem Zweifel an der Merkel-Politik inzwischen eine deutliche Ablehnung geworden ist. Nur mehr gut ein Viertel der Wahlberechtigten haben sie gewählt.

Ich möchte nicht behaupten, dass wir am Vorabend einer Revolution stehen, doch noch ein kleines Ereignis wie schon in Kandel könnte die Schleusen öffnen, gegen die kein buntes Bündnis mehr Ansingen kann.

Nachtrag: Witzig, dass jetzt ein Ereignis eingetreten ist, das in gewisser Weise sogar bei mir eine Gefühl der Befreiung erzeugt hat. Der ehemalige SPIEGEL-Mitarbeiter und geschasste Journalist Matthias Matussek hat bei der Demo in Hamburg gesprochen. Kein Laie politischer Rede, sondern einer der weiß wie’s geht. Bemerkenswert auch die Zwischenrufe. (Bester: Matussek im Zusammenhang mit „Lügenpresse: …PEGIDA hat das viel früher gemerkt. Zwischenruf: Die waren ja auch eingesperrt!) Mit seinem Auftritt gibt es nun ein „Vorher“ und „Nachher“ im ersten Aufbegehren auf der Straße gegen Merkel und gegen die staatsnahen Medien. Spannend wie es weitergeht.

Noch ein Nachtrag: Geht doch. So habe ich mir das vorgestellt. Das ist jetzt das letzte Zeitungsaufgebot. Anti-Merkel-Demo in Hamburg: Der irre Auftritt des Ex-„Spiegel“-Autors Matussek. Früher schrieb er Bestseller, jetzt ruft er „Lügenpresse“. […] Rechtsextremisten haben die Demo mitorganisiert. So zumindest vermuten es der Verfassungsschutz und Beobachter. Unter den Zuhörern standen schon Reichsbürger, der frühere Hamburger NPD-Chef Torben Klebe und Mitglieder der mittlerweile verbotenen und militanten rechtsextremen “Blood & Honour”-Gruppierung. Matussek aber lässt sich davon nicht beirren. Er redet sich auf seinen Bierkästen in einen Rausch, wie man ihn selbst von ihm nicht gewohnt ist. 
https://www.huffingtonpost.de/entry/matussek-merkel-muss-weg-hamburg_de_5ab01467e4b0e862383a78ae

Bundestag und tote Briefkästen (Update)