G’scheit dahergredt is glei!

Mina Ahadi, die Vorsitzende des Zentralrates der Ex-Muslime, beklagt sich in einem Artikel auf achgut darüber, dass man die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Islam den Rechten überlassen hätte. Das wäre eigentlich nicht wirklich der Rede wert, wenn dieser Artikel nicht beispielhaft wäre, für alle anderen Artikel, in denen die Guten in der Realität ankommen und feststellen, dass sie sich der gleichen Argumente bedienen müssen wie sie die vermeintlich Rechten schon Jahre verwenden. Deshalb braucht es erst eine Art Gesinnungsdeko in Sudelmeyer-Logik: Andere Meinung = Rechtspopulist = Rechtsextrem = Nazi, um sich erst Mal deutlich von den Rechten zu distanzieren. Hier zusätzlich verquirlt mit Rechtspopulisten = Islamisten. Dass man so viel Unterstellungen und Selbstwidersprüche in so wenig Zeilen wie den folgenden unterbringen kann, da braucht es schon einen Knick in der Logik.

Dabei wird häufig übersehen, dass Rechtspopulisten und -Extremisten ähnlich autoritäre, homophobe und sexistische – kurz: menschenfeindliche – Positionen wie die Islamisten vertreten. Mit ihrem traditionell-patriarchalen Familienbild, ihrer Aversion gegen eine fortschrittliche Sexualerziehung und ihrer rückständigen Haltung zu Menschenrechten und Wissenschaft träumen die Rechten den gleichen fundamentalistischen Traum wie die Islamisten. Sie beide reduzieren Menschen auf Gruppenidentitäten, statt einzelne Menschen als Individuen in ihrer Unterschiedlichkeit ernst zu nehmen. Und beide lehnen die liberale Demokratie als Ausdruck sogenannter „westlicher Dekadenz“ ab.

Wo lebt diese Frau eigentlich? Wenn 70% der Kinder noch in einer Familie mit Mann und Frau aufwachsen, dann geht sie wohl davon aus, dass auch der deutsche Mann seine Frau auf dem Basar kauft wie ihre ehemaligen Glaubensbrüder und sich dann wie ein Pascha von hinten bis vorne bedienen lässt. Vielleicht ist es ihr entgangen, dass die traditionelle Familie in Deutschland inzwischen so modern geworden ist, dass beide Partner kochen, womöglich beide berufstätig sind und sich auch gemeinsam um die Kindererziehung kümmern. Das heißt aber nicht, dass sie wegen ihres Geschlechterbildes Homosexuelle an Baukränen aufhängen oder dass sie sich für ihre Kinder einen „fortschrittlichen Sexualkundeunterricht“ wünschen müssen, in dem sie, anstatt zu lernen eine verantwortungsvolle Beziehung zu führen, nun erfahren sie schon in der Grundschule, wie sie später am besten mit sämtlichen Geschlechtern im Gruppenrahmen kreuz und quer vögeln können, ohne Gefahr zu laufen jemals für ein Kind sorgen zu müssen.  Die „deutsche patriarchalische“ Familie wird aber genauso wenig für ihre noch minderjährigen Töchter in Absprache mit der Verwandtschaft einen passenden Zwangspartner auswählen und ihr wegen der religiösen Hygiene Schwimmbadbesuche und Klassenfahrten verbieten. Und diese Frau, die hier alles pauschal in eine Tonne tritt, wagt dann den schon oben hervorgehobenen Satz:

Sie beide reduzieren Menschen auf Gruppenidentitäten, statt einzelne Menschen als Individuen in ihrer Unterschiedlichkeit ernst zu nehmen.

Ach was. Die rechten Frauen, die derzeit für mehr Sicherheit auf die Straße gehen, differenzieren wenigstens insoweit, das sie nicht allen Männern, die nachts in Bahnhofsunterführungen stehen, unterstellen, dass sie oder ihre Töchter von denen durchgevögelt werden. Aber für Mina sind die Rechten genauso gefährlich wie Moslems, die Unverschleierte als Schlampen und somit als minderwertig und Freiwild betrachten.

Was haben wir gedacht. Die argumentiert so pauschal, dass dagegen die Huffington-Post noch hoch differenziert daherkommt, wenn die über eine Anti-Merkel-Demo berichten. Um auch wirklich alle vermeintlich Rechten als Untermenschen erscheinen zu lassen, arbeitet sie noch alle Begriffe aus dem neomarxistischen Wortbaukasten ab. Am besten gefällt mir immer „Menschenfeind“. Dabei ist ja der Misanthrop eher einer, der die Anwesenheit anderer Menschen generell unangenehm findet und ablehnt. Und das ist nun wirklich sein Bier. Dabei soll mit „Menschenfeind“ eigentlich suggeriert werden, dass hier jemand seinen Dauerhass auf andere fortwährend öffentlich auf Demos zur Schau trägt. Kennen Sie persönlich einen Menschenfeind, der unter die Leute geht? Völliger Schwachsinn. Das ist wie „Einhorn“. Während uns ein Märchen sagt, wie das ist, wenn wir mal eins treffen, müllen uns die Medien damit zu, welche Art von Menschen wir treffen werden, falls jemand jemals auf eine Anti-Merkel-Demo gehen sollte. Zumindest weiß dann jeder, wann er mit dem Finger auf einen zeigen muss. Man kann sich aber auch nett mit denen unterhalten.

Dann noch ein bisschen gewinselt:

Tragischerweise waren es vor allem linke Parteien und Intellektuelle, die jede berechtigte Kritik am Islam als „islamophob“ oder sogar als „rassistisch“ bezeichneten und Kritiker und Betroffene wie mich in die rechte Ecke gestellt haben.

Zu blöd, dass sich unter den Linken dazu neben den wirklich Hardcore-Rechten die gleichen Antisemiten und Israelhasser tummeln. Klug aber, sich schon am Anfang gesinnungsmäßig richtig zu outen, dann wird man ihnen für ihre Islamkritik nicht gleich das Auto abfackeln.

Dann kommen die Worthülsen Freiheit, Gleichheit, Individualität, Rationalität und Säkularität, mit deren Hilfe man ihrer Meinung nach die Entscheidungen treffen sollte, wobei die Umsetzung ihrer Forderungen streng genommen genau dagegen im Widerspruch steht.

Um auf diese doppelte Bedrohung durch Rechtsextremisten und Islamisten zu reagieren, sollten wir deutlicher als zuvor für die Prinzipien der offenen Gesellschaft einstehen – nämlich Freiheit, Gleichheit, Individualität, Rationalität und Säkularität. Konkret bedeutet das, dass wir Menschenrechtsverletzungen und Hetze unter keinen Umständen tolerieren sollten. Die Politik sollte zudem ihre Beschwichtigungs- und Appeasementpolitik mit den islamischen Organisationen und Verbänden beenden und den Einfluss von religiösen Partikularinteressen auf das Bildungssystem, das Gesundheitswesen, die Medien und die wissenschaftliche Forschung verhindern.

Will sie etwa die „Freiheit“ der Fernsehräte beschneiden, was die berichten dürfen? Dürfen Kliniken zur Gewinnmaximierung keine islamkonforme Pflege und Halal-Verpflegung anbieten? Will sie die „Freiheit“ von Forschung und Lehre einschränken? Will sie selbst entscheiden, welche freie Meinungsäußerung als „Hetze“ gilt? Ist aber nach ihren Worten nicht alles frei, gleich und kunterbunt?

Wer den politischen Islam hier nicht will, dem muss man knallhart sagen: Dann musst du auch die „unschönen“ Bilder ertragen und für einen Wert geradestehen oder spar dir das weichgespülte Gesülze.

Da hat es eine Frau endlich geschafft, sich von der totalitären Ideologie des Islam zu befreien, um sich auf den Weg in die Freiheit zu machen und hat dann versäumt, an der richtigen Haltestelle auszusteigen, wenn sie schreibt:

Ich hoffe daher sehr, dass die deutsche Politik endlich konkret Stellung gegen den politischen Islam bezieht und sich solidarisch mit all jenen zeigt, die sich aus den Ketten der religiösen Bevormundung befreien wollen. Vor allem MenschenrechtlerInnen und FeministInnen sollten sehen, wie Frauen derzeit im Iran gegen das Mullah-Regime und gegen den Kopftuchzwang protestieren und damit große Gefahren in Kauf nehmen.

An dem Binnen-I-Geschwurbel merkt man, dass sie sich die islamische Revolution von 1978 zurückwünscht aber diesmal die Linken gewinnen sollen. Schließlich gehört der Iran zu den Ländern, die den Marxismus noch nicht selbst ausprobiert haben und er gerade deshalb diesmal funktioniert. Sie unterstellt den Rechten, sie wollten die liberale Demokratie abschaffen. Was für ein Käse. Hätten wir eine Demokratie, hätten wir lange darüber abgestimmt, dass Gender und Binnen-I eine esoterische Minderheitenmeinung sind und in den Medien und an den Unis auch so behandelt werden müssen, anstatt wie jetzt als Mehrheitsmeinung und Wissenschaft verkauft zu werden.

Den aufrechten Gang und den Mut der iranischen Frauen wünsche ich mir auch in Deutschland. Denn statt für falsch verstandene Toleranz sollten wir endlich für humanistische Werte und für die Aufklärung einstehen. Die Feinde der offenen Gesellschaft – die Rassisten, Islamisten und Antisemiten – hätten dann ein gewaltiges Problem.

Liebe Frau Ahadi. Das können sie sich wünschen, wenn ein Staat und seine Medien einen gleichberechtigten Streit der Meinungen zulassen würde und so auch zur „Aufklärung“ beitragen könnten. Und von den humanistischen Werten können sie träumen, wenn ein Staat netterweise so „inhuman“ auftreten dürfte, die ganzen Inkompatiblen für eine humane Gesellschaft gewaltsam auszuschaffen bzw. gleich ihre Einreise zu verhindern.

Ihrem Geschreibsel nach haben sie es doch befürwortet, dass man diejenigen von Anfang an als Nazi bezeichnet hat, die wenigstens auf Einhaltung des europäischen Rechts (Dublin, Schengen) und des Grundgesetzes (Asylrecht) pochen und die die Gewährleistung der inneren Sicherheit vom Staat einfordern und dies nicht als private Angelegenheit sehen wollen. (Armlänge Abstand).

Wie würde ein Waidler den Gedankengang von Frau Ahadi bewerten?

G’scheit dahergredt is glei.

 

 

 

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