Auf dem Weg zum Land der Vollhonks?

Die Bildungsnation Deutschland hat schon vor fast 20 Jahren ihren Zenit überschritten. Versuche einem Idioten beizubringen, dass er ein Idiot ist, doch zumindest kann man ihn erahnen lassen, wie tief wir gesunken sind. Eine Allerweltsnachricht sagt eigentlich schon alles:

Abbruchstimmung in Deutschland

Vielen Windparks droht das Aus. Der Rückbau könnte zu unerwarteten Problemen führen.

In dem Bericht geht es darum, dass ab 2020 für jährlich einige tausend Windkraftanlagen die Förderung ausläuft und wegen der Lebensdauer oft nur noch der Rückbau rentiert, was zu Problemen und Kosten führt.

Unerwartete Probleme? Mit diesen Worten würde ich jetzt als Journalist nicht unbedingt hausieren gehen, um damit auf andere zu zeigen. Hätte man zu meiner Gymnasialzeit so wie das üblich war, dieses Thema als Erörterung ausgegeben, hätten Logik, gesunder Menschenverstand und die Alltagserfahrung „Nichts hält ewig“ für diese Erkenntnis gereicht, obwohl da noch nicht mal eine solche derartige Anlage gestanden hat. Jeder meiner Schulkameraden hätten diesen Artikel schon vor 20 Jahren geschrieben, denn wer mal versucht hat ein störrisches Paar Alpinski in Sandwich-Bauweise zu entsorgen, der weiß, dass man da einen ganzen Vormittag braucht, um die mülltonnengerecht zu zerkleinern. Die können sie nicht mal im Holzofen entsorgen oder unter dem Sonnwendfeuer eingraben, ohne ein Bitterfeld-Revival zu bekommen. Und das versuchen Sie dann mal mit einem „Ski“ von 150m Länge.

Da bauen die also 29000 Windkraftanlagen und dann kommt 20 Jahre später der Spruch:

Wir stellen mit massiven Subventionen Windräder auf, aber niemand hat sich Gedanken gemacht, was danach mit den Anlagen passiert, dass die eingesetzten Mittel zum Beispiel auch recyclingfähig sein müssen

Was haben wir gelacht! Das müssen die gleichen Vollprofis sein, die gerade den Berliner Flughafen bauen. Doch eigentlich tut unser Bildungssystem alles dafür, dass auch für Nachwuchs gesorgt ist. Zum Beispiel durch betreutes Schreiben wie es hier beschrieben ist. Nicht die eigene Logik oder eigene Gedankengänge sind gefragt, sondern nur mehr aus vorgegebenen Argumenten einen Schluss zu ziehen. Und dieses System haben auch die Medien übernommen. Zu jedem Thema läuft ein Experte auf, der uns jedes Thema hirngerecht vorverdaut und als gebildet kommt der rüber, der möglichst viele dieser Versatzstücke wortgleich wiederholen kann. Hab‘ ich gestern beim Griechen am Nebentisch live genießen dürfen.

Wer gestern die BR5-Morgennachrichten gehört hat (das ist der „Informationssender“), der sollte sich mal überlegen, ob es schlau ist auf diesen Informationen irgendwelche Argumente aufzubauen, denn in den ersten vier Meldungen hieß es zu Syrien: vermutlicher Giftgasangriff, zu einer Englandnachricht: vermutlicher russischer Giftanschlag, zu USA: vermutliche Einmischung Russlands und vermutliches Schweigegeld für eine Prostituierte und zum NSU-Prozess (den Oberfake ohne DNS-Spuren, Fingerabdrücken und Zeugen) vermutlicher NPD-Funktionär und vermutliche Verbindung zum NSU-Trio.

Wir glauben, dass wir Wissen und Intelligenz erlangen, wenn wir Expertenwissen anhäufen, dabei bringt das anscheinend keinerlei Erkenntnisgewinn, weil die Leute nicht merken, dass sie selbst oder andere immer wieder in die gleiche Schleife abbiegen.

Das ist nicht mehr Dummheit, sondern laut Definition schon Wahnsinn. Denn Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche tun und andere Ergebnisse zu erwarten. Da schwimmt Windkraft-Prokon schon zum zweiten Mal weg und dann lassen sich immer noch welche so ein Windrand als rentabel andrehen, in völligen Sicherheit, dass bei ihnen ums Haus mehr Wind ankommt. Da lassen sich Leute immer noch Tesla-Aktien als profitable Geldanlage aufschwatzen, obwohl die jedes Jahr 2 Milliarden in den Sand setzen und trotzdem mehr wert sein sollen als General-Motors, obwohl die im Monat das 25-fache an Autos allein in den USA verkaufen; und das sogar ohne draufzuzahlen.

Aber das zieht sich durch bis unter alle Journalisten, Politiker und der angeblichen Bildungselite. Der mddr-Sender, der Sender, der in seinem Fernsehprogramm zu jeder polit-inkorrekten Äußerung die Nazikeule schwingt und jeden Shitstorm dazu noch anheizt, glaubte wirklich, dass er dann selbst eine Sendung machen könnte mit dem Titel „Darf man eigentlich noch Neger sagen?“ Da muss man schon völlig erkenntnisresistent sein, für sich selbst ein anderes Ergebnis zu erwarten.

Das gleiche gilt für die letzte Echoverleihung: Da zeichnet man einen antisemitischen Sing-Sang aus und lässt in der gleichen Sendung Campino auf die Bühne. Da hätte ich vor schon den Bericht dazu schreiben können, bevor dort der erste Scheinwerfer angeht. Da braucht man kein Society-Experte sein, um schon vorher zu wissen, dass ein Campino, der noch den vermeintlichen Nazis hinterherreist, um sich dort vor Ort moralisch zu profilieren, das sofort als Steilvorlage für ein Statement nutzen würde. Und, dass die ganzen moralisch besseren unter den Kollegen, die schon mindesten 5 Echo-Staubfänger zu Hause stehen haben, aus Protest davon einen zurückgeben würden, dazu brauchte man auch kein Prophet zu sein.

Eine Beatrix von Storch (AfD) glaubte auch, man würde ihre Tweets nicht absichtlich missverstehen bzw. darüber nicht jedes Mal einen Shitstorm loszutreten. Die Dame hat aber dann einfach die Anzahl der Tweets erhöht, wobei ihr der Umstand entgegenkommt, dass auch die Anzahl von Messerattacken und islamistischen Anschlägen zunimmt, sodass der Müll-Tweet zu Münster gar nicht mehr ins Gewicht fällt. Auch eine Möglichkeit.

Dabei wäre es so einfach, diese Dauerschleife aufzubrechen. Der Verleger Hopf wäre schon nahe dran gewesen, ist aber dann leider zurückgerudert.

Man müsste den Dauerbestürzten schon bevor man in die Schleife abbiegt den Stinkefinger zeigen. Beim mddr sitzen leider nur Weicheier, denn sonst hätte die Ankündigung zu ihrer Sendung wie folgt lauten müssen:

„Wir bringen demnächst eine Sendung mit dem Titel Darf man eigentlich noch Neger sagen? Für alle, die jetzt gerade ihren Laptop aufklappen, um unser E-Mail-Postfach mit ihren Bestürzungen zuzumüllen, nutzen Sie bitte den verlinkten Papierkorb. Wir haben nämlich nicht vor, diesen Käse zu lesen oder diese Sendung abzusetzen, nur, weil ein paar moralisierende Schneeflöckchen deswegen ein nasses Höschen bekommen. Ihr seid eine marginale Minderheit, die durch ihr Gebrüll eine Mehrheit suggeriert. Also schreibt erst gar nicht, sondern geht flennen. Eure Show ist vorbei!“

Ich befürchte aber viel mehr, dass wir in ein Land von Vollhonks verwandeln. Wir werden uns nicht davon freimachen können, dass jede Argumentation sofort von der sachlichen auf die moralische Ebene gehoben wird, und wenn, dann sind wir bis dahin nicht mehr fähig, einen Wettbewerb aufgrund logischer Schlüsse zu führen, weil wir am vermeintlichen „Expertenwissen“ hängen wie der Junkie an der Nadel. Irgendwann geben die Blinden ihr „Wissen“ dann an die noch Blinderen weiter.

Dann wird es völlig normal sein, dass man an Projekten in Endlosschleife herumdoktert, um „unerwartete“ Probleme zu beheben.

Und in den Uni-Bibliotheken werden einige versprengte Studenten sitzen und etwas über Gedankenexperimente lesen und sich wundern, dass das vor einem halben Jahrhundert noch zum Rüstzeug eines jeden Gymnasiasten gehört hat.

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