Sehnsucht nach den alten Spießern.

Heute gab es im Bayerwald-Boten einen Bericht mit Bild über einen, der den Innenraum seines Autos mit dem Dampfstrahler reinigte. Es gibt dazu auch ein Video, wo die Macher das einfach nur schräg finden. In dem Zeitungsbericht nimmt man Bezug darauf, dass das Video schon häufig kommentiert wurde und jemand diesen Vorgang bei der Polizei angezeigt hat. Das Ganze ist in meinen Augen schon denkwürdig; nicht die Tat selbst, sondern die Reaktion darauf. Weshalb wurde das denn angezeigt? Wegen Schädigung des Volksvermögens?

Wenn Leute sagen, dass sie in einer ruhigen Wohngegend mit einer nachbarlichen Harmonie leben, dann heißt das nur, dass alle anderen weitgehend so leben wie man selbst. Wenn hier jemand aus der Reihe tanzt, obwohl man niemanden schädigt, dann zerreißt man sich dort schon das Maul.

Wenn so ein Vorfall, wo jemand eben mal seinen Innenraum mit dem Hochdruckreiniger säubert, auf so ein Umfeld trifft, dann glaubt jeder, dass man es hier mit einer zwielichtigen Person zu tun hat. Dabei könnte es so einfach sein. Geht es mich was an, was der mit seinem Auto treibt? Schon vor 30 Jahren hätte man sich darüber das Maul zerrissen. Ich halte das für spießig, doch diese Verhalten bringt auch eine Stabilität in die Gesellschaft, weil alle irgendwie kulturell gleichgeschaltet sind und erst, wenn der Rahmen verlassen wird, dann fällt eine Abweichung ins Auge, und das Ganze wird irgendwie sanktioniert. Man zeigt eben wenigstens sein Missfallen.

Die Integrationsbeauftragte Özoguz hat behauptet, dass eine typisch deutsche Kultur neben der Sprache nicht erkennbar sei. Als Gegenbeweis sollten sich die Hartgesottenen mal die Videoplattform miscopy.com ansehen. Da gibt es Videos, die zeigen, wie einer in Afrika an einem Baum neben einer Bushaltestelle gelyncht wird und daneben warten die Leute auf den Bus, wie wenn das das normalste von der Welt wäre. Manchmal werden auch Leute wegen Banalitäten einfach mit Benzin übergossen und angezündet. Drumherum stehen die Leute und machen Bilder mit dem Handy. Und wir sind auf dem besten Weg dahin, wenn man an den kürzlichen Vorfall in Passau denkt. Da wird jemand zu Tode geprügelt, während andere Videos mit dem Handy machen und keine Passanten eingreifen.

Ist es nicht witzig, dass wir jetzt gleichzeitig genau das umsetzen, was die Achtundsechziger propagiert haben: Das Private ist immer auch politisch. Wir sind auf der einen Seite so offenherzig, bunt und tolerant, dass wir die ganze Folklore von Ehrenmord, Frauenverachtung, Halalschlachtung und Messerei wegen leicht Beleidigtsein akzeptieren, man aber im Internet nicht mal mehr einen nicht polit-korrekten Spruch liken kann, ohne Problem zu bekommen. Vor Jahren konnte man sich mit einem Schröder-muss-weg-Plakat an jede Straßenecke stellen, ohne dass das irgendjemand anrüchig fand. Heute läuft die ganze links-bunte Fraktion der Guten auf und zeigt sein Missfallen gleich noch mit ihren staatlich geförderten Kampftruppen der ANTIFA, wenn man es wagt, sich mit einem Merkel-muss-weg-Plakat öffentlich zu positionieren.

Vielleicht wurde man früher für wesentlich mehr Sachen schräg angeschaut als heute, doch am Ende durfte jeder unbehelligt nach seiner Fasson glücklich werden. Heute geraten Sie ins Zwielicht, wenn Sie Biolandbau betreiben und Ihre Töchter Zöpfe und Röcke tragen. Früher konnte jeder Soldat das Ausklappbild des Playboy in seinen Spind nageln. Heute könnte die BW-Gleichstellungsbeauftragte eine Gesinnungsprüfung bei Ihnen einfordern, ob Sie auch wirklich loyal zur feministisch bunten Truppe stehen.

Warum ist das so? Ich habe mir immer blöde Sprüche anhören müssen und haben mich bei anderen ausgerichtet, dass ich meine Autos immer über Jahre vermüllt habe, bis ich sie später samt Inhalt entsorgt habe. War und ist mir egal, was die sagen. Doch genau aus diesen Spießern rekrutieren sich nun die ganzen Denunzianten, die die Altachtundsechziger und Neo-Stalinisten brauchen, damit sich die Bürger auch brav untereinander kontrollieren. Es geht nicht darum, ob ich mein Auto vermülle, weil ich zu faul zum Putzen bin oder es im Gegenteil mit dem Dampfstrahler ausspritze. Es geht darum, ob jemand einen PEGIDA-Aufkleber an der Scheibe kleben hat. Es geht darum, ob Sie die falsche Zeitschrift im Auto liegen haben oder eine Unterschrift gegen einen Moscheebau leiste.

Früher wurde jeder Spießer weich, wenn Sie ihm die Mülltonne an die Straße stellen, die er vergessen hat, oder ihm die Einfahrt im Winter mit ausräumen, weil Sie sich dabei einfach keinen abbrechen. Der Spießer konnte dann jeden Spleen ertragen, solange Sie ihm sonst nicht blöd gekommen sind. Für den alten CDU-Wähler war es völlig belanglos, wenn neben seiner Familienkutsche der kunterbunte VW-Käfer auf dem Hof parkte. Heute werden sie für den falschen Aufkleber am Auto auf Facebook entfreundet, die Autos werden umgeparkt, damit sie nicht politisch kontaminiert werden, und der Arbeitgeber bekommt einen Tipp.

Da wünscht man sich die alten Spießer zurück, die höchstens wegen des Fahrrads im Eingangsbereich nörgelten. Heute geben die Links-Guten den Spießer und sind dazu gleich noch zum IM im Dienste der BRD aufgestiegen, ohne dass man sie dafür erst fragen musste.