Schüler sammeln für NATO-Kollateralschäden.

Dieses Jahr soll es wieder einen Sozialen Tag geben. An diesem Tag sollen die Schüler zum Beispiel für Verwandte oder in Vereinen arbeiten und den Lohn für gute Zwecke spenden. Verwunderlich ist es, dass man es nicht den Schulen vor Ort überlässt, auch die Nutznießer dieses Geldes zu bestimmen, schließlich gibt es genügend Einrichtungen oder Projekte, die nicht die gleiche staatliche Zuwendung bekommen, weil sie nicht für Personen aus irgendwo bestimmt sind. Heuer hat man verbindlich den Balkan vorgeschlagen. Nun dürfte den meisten Schülern unbekannt sein, worum es im Balkankrieg überhaupt ging und welche Folgen er hatte. Da kann man das gewünschte Narrativ widerstandslos den Schülern unterjubeln. Dort heißt es.

Völkerhass hat sich breitgemacht, feindselige Gruppierungen verbreiten Angst und die jungen Länder entwickeln sich nur schleppend. In den Staaten Südosteuropas sowie den Teilen der ehemaligen Sowjetunion leben heute rund 18 Millionen Kinder in Armut.

Einfach nur so. Natürlich nicht, denn:

1991 fielen die ersten Schüsse zwischen Kroat*innen und Serb*innen. Seitdem hat sich viel getan: Es folgten jahrelange Unruhen auf dem Balkan, Unabhängigkeitserklärungen und schließlich Friedensverträge.

Da wird der Krieg in drei dürren Zeilen abgehandelt und das wichtigste sind natürlich die *Sternchen. Da haben sich also zwei bunte Armeen aus Frauen, Schwulen, Lesben und Nullgeschlechtern getroffen und haben ein bisschen Unruhen verbreitet, weil man sich nicht einigen konnte, wer welches Klo benutzen darf. In der Zwischenzeit haben dann Männer mit echten Gewehren aufeinander geschossen. Einfach nur so und die Schüsse fielen irgendwie aus Versehen. Nachdem man in Berlin den Geschichtsunterricht abgeschafft hat, kann man Kriege im Nachhinein auch damit begründen, dass der CO2-Ausstoß und der Klimawandel daran schuld waren.

1991 hatte man das geplante Kriegsgeschehen noch nicht richtig propagandistisch flankiert wie später die beiden Irakkriege mit Brutkastenlüge und Massenvernichtungswaffen. Auch für den späteren Kosovokrieg hat der damalige Außenminister Fischer eine urdeutsche Begründung geliefert: Wir müssen ein zweites Auschwitz verhindern. Man hatte es neuerlich richtig in den Ohren: Auf zu den Waffen! Jedes Wanken, jedes Zögern…!

Dabei ging es nur darum, der NATO nach der Beendigung des Kalten Krieges ein neues Betätigungsfeld zu verschaffen und das „Verteidigungsbündnis“ weiter nach Osten Richtung Russland vorzuschieben. Obwohl man leugnet, dass es gegen dieses Vorhaben eine mündliche Zusage an M. Gorbatschow gab, wird dies vom ehemaligen Außenminister James Baker in seinen Memoiren bestätigt.

Erst der PNAC hat dann die immerwährende Bedrohung geschaffen, um der NATO ewiges Leben einzuhauchen, um damit auch in Zukunft die Profite der Waffenindustrie zu sichern.

Dass sich unter den Schirmherren genügend finden, die gerne Gewinne privatisieren und Schulden sozialisieren, liegt daran, dass der Balkan genau dieser Denkweise entspricht. Ein Land wurde für Profit und geostrategische Interessen wie den Zugriff auf Bodenschätze plattgemacht und jetzt lassen wir Schüler für den guten Zweck malochen, um die Schäden auszubügeln.

Im Westen wird generell geglaubt, diese Krise, einschließlich der Bürgerkriege in Kroatien und Bosnien-Herzegowina, sei durch interne jugoslawische Konflikte verursacht, besonders Konflikte zwischen Kroaten, Serben und bosnischen Muslimen. Das liegt fernab der Wirklichkeit.

Das Hauptproblem in Jugoslawien war von Anfang an die Einmischung von außen in die inneren Angelegenheit des Landes. Zwei westliche Mächte, die USA und Deutschland, haben bewusst darauf hingearbeitet, das Land zu destabilisieren und dann aufzusplittern. Dieser Prozess war in vollem Gang in den 1980er Jahren und wurde beschleunigt mit dem Beginn des gegenwärtigen Jahrzehnts. Diese Mächte planten sorgfältig, bereiteten vor und begleiteten die Trennungsbestrebungen, die Jugoslawien auseinanderbrachen.  Und sie unternahmen nahezu alles in ihrer Macht stehende, um die Bürgerkriege auszuweiten und zu verlängern, die in Kroatien begannen und in Bosnien-Herzegowina fortgesetzt wurden. In jeder Phase der Krise waren sie hinter den Kulissen aktiv.

Die Intervention von außen war darauf ausgerichtet, genau die Konflikte zu schaffen, die die westlichen Mächte verlangten. Denn diese dienten als Rechtfertigung für eine offene Intervention, wenn die Bürgerkriege erst einmal entflammt waren. (hier)

Wenn die NATO es gegen den Widerstand der Russen doch noch schafft, Syrien zu filetieren, dann wird es sicher auch einen Sozialen Tag für Syrien geben. Da wird es dann im Text heißen:

2011 kam es zwischen den friedlichen Aktivisten der NATO vom I*S, der al*Nusr_a Front und der Freien S*yrischen Armee zu Meinungsverschiedenheiten mit Syrerinnen und Syrer. Weil sie sich gegen die Friedensmission der NATO stellten, fielen mehrere Häuser zusammen.

Welcher Schüler würde da nicht spenden?

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