Macron. Labern für einen Preis.

Heute hat man ja den Karlspreis an den französischen Präsidenten Macron in Aachen verliehen. Als ich hörte, dass Merkel die Laudatio hält, habe ich mir gedacht, dass sich jemand dafür hergeben muss, das anzuhören. Oftmals werden Dinge öffentlich gesagt, aber viele in andere Reden und eher wenig interessante Veranstaltungen eingebettet, dass es niemand mitbekommt. Bringen es die Medien nicht, dann ist es, als wäre es nie gesagt worden.

Wenn Sportler, Musiker oder Wissenschaftler geehrt werden oder auch verdiente Personen aus dem Volk, dann rühmt man immer deren Taten. Olympiasiege, besondere technische, wissenschaftliche oder künstlerische Leistungen oder auch ziviles Engagement. Manchmal genügt für den Preis eine einzige mutige Tat wie bei der Christopherus-Medaille. Liest man sich die offizielle Begründung der Verleiher durch, dann wird man nicht schlau, was nun ein Macron Besonderes geleistet haben soll. Auffallend ist, dass man es als besonders bemerkenswert fand, dass er zu immer neuen Anlässen angeblich irgendwas Besonderes gelabert hat. Die einzige Leistung, die ich fand, war folgende:

Nachdem er bereits im April 2016 in Amiens die Bewegung „En marche!“ ausgerufen hat, mit der er breite Bevölkerungsschichten ansprechen, verkrustete politische Strukturen aufbrechen und das Lagerdenken in Rechts und Links überwinden will, tritt er Ende August 2016 vom Ministeramt zurück und kündigt Mitte November desselben Jahres an, sich als unabhängiger Kandidat um die Präsidentschaft zu bewerben.

Er gibt sich als Kämpfer gegen Populismus und Nationalismus und gründet eine Bewegung, die ist so schwammig, dass sie einfach alle anspricht und alles gipfelt in den Vorzeige-Schönling Macron. Jetzt da er die Macht hat, löst sich auch „En marche“ auf. Kennt man da jemanden? Das ist genau das Vorgehen, das man bei Populisten anprangert. Man stelle sich vor, Viktor Orban hätte eine Bewegung gleichen Namens gegründet. Den hätten die Medien zerrissen und die Gründung mit dem Anfang des Aufstieges der NSDAP verglichen. Aber seine Bankerfreunde haben ihm vorher auf die Schulter geklopft und gemeint, der Zweck heilige eben die Mittel und die Medien seien auch auf Linie.

Und sonst immer was mit Vertiefen, Erneuern, Integrieren und, wenn’s konkret wurde, klang das so:

(Politik, die) – für eine nachhaltige Entwicklung in der Energie- und Umweltpolitik steht, …

Nachhaltig, wie nachhaltig schädlich, sieht dann so aus, dass wir in Deutschland weiter Solar und Windrädchen bauen und uns Macron hilft, den überflüssigen Strom gegen Entgeld zu verwerten. Schließlich müssen wir die tolle CO2-Bilanz der Franzosen erreichen. Die machen das mit ihren Kernkraftwerken, aber es reicht, wenn man die Deutschen in dem Glauben lässt, ganz Europa wäre so bescheuert wie wir und pflastern ihr Land mit Windrädern zu.

Die Quintessenz von dem ganzen schwammigen Brei Macrons ist:

damit bei uns alles so bleibt wie‘s ist, brauchen wir eure Kohle.

Und für diesen Spruch hat ihn Merkel ihn in ihrer Laudatio auch toll gelobt. Mehrmals hauchte sie: Mein lieber Emmanuel! was man bei einer fast 70-jährigen so unter „Hauchen“ versteht. Schon bei der Begrüßung merkte man, dass sie nicht frei spricht. Zu verständlich und der Satz hatte am Ende einen Punkt und endete nicht wie sonst im Nirgendwo. Nun habe ich versucht das Wesentliche dieser 20-minütigen Rede mitzuschreiben. Doch was soll der Inhalt einer Rede sein, die nicht vorhandene Taten beschreibt, sondern nur Gelaber, was einer gleichen Kalibers gelabert hat. Eigentlich sind beide austauschbar. Denn mir ist aufgefallen, dass sie einen Teil fast wörtlich von der offiziellen Seite übernommen hat, nämlich, wo sie aufzählt, wo er überall tolle Reden gehalten hat.

Seine größte Tat ist laut Merkel seine Begeisterung für Europa, mit der er alle ansteckt. Die Ansteckungsgefahr scheint in Frankreich nicht mehr allzu groß zu sein. Schließlich ist er im eigenen Land schon unbeliebter wie Trump in den USA.

Dann der übliche Schmu von EU ist ein Friedensprojekt blabla, Integrationsstrategie, blabla mit einer Stimme sprechen. Dann noch ein umwerfendes Zitat von Papa Franz:

Man findet nur Hoffnung, wenn man sich für die Zukunft öffnet.

Könnte auch heißen: Man öffnet die Zukunft nur, wenn man die Hoffnung findet.

Dreißig Sekunden Zeit, den inhaltlichen Unterschied zu finden. Oder überhaupt einen Inhalt. Merkel kann das sogar noch so betonen und mit Gestik untermauern, als hätte das leere Gewäsch irgendeine tiefere Bedeutung. Dann schwenkt die Kamera ins Publikum und die meisten nicken.

Und wieder ist das wichtigste, die EU zu erneuern. Das habe ich nicht nur von ihr jetzt schon so oft gehört, dass es schon in den Ohren klingt. Geht man zum Anfang ihrer Karriere als Kanzlerin zurück, hieß es, man habe jetzt die EU erneuert (2007). Wahrscheinlich wegen des Lissabon-Vertrags (tritt 2009 in Kraft). Man war also schon jahrelang davor mit Erneuern beschäftigt. Doch seit spätestens 2014 geht es wieder los mit dem Erneuern und hält immer noch an. Die leeren Sprechblasen zeugen aber davon, dass sich trotz lauter Erneuern, sich nix ändert, wenn es um wesentliche Dinge wie steigende Staatsschulden oder die Jugendarbeitslosigkeit geht.

Zwei Stellen in der inhaltlich äußerst dürftigen Rede (Bei mir passte alles auf eine Viertel Seite), sollte man noch erwähnen. Einmal stockte ihre Stimme fast unmerklich bei den Worten „Globalisierung mit ihren disruptiven Innovationen“und man merkte wie sie bei sich dachte: Was soll jetzt das sein?

Ich habe mal nachgesehen. Habe ich selber noch nie gehört, aber ihr müsste es bekannt sein.

Disruptive Innovationen brechen etablierte Märkte auf und verändern die Spielregeln ganzer Branchen. Sie entstehen in der Regel durch Versuch und Irrtum.

Klingt nach der Zerstörung des Energiemarktes durch Subventionen und durch den Versuch ein Land auch bei Windstille mit Windkraft zu versorgen, indem alle EEG-Umlage zahlen lässt. Versucht wird es gerade, den Irrtum ist noch nicht aufgefallen.

Bei der zweiten Stelle hieß es sinngemäß: „Wir müssen die Außengrenzen schützen, Mauern helfen aber nicht. Wir brauchen eine neue Afrikapolitik.“

Jetzt mal ganz böse: Man kann denen auch funktionierende Länder wie Botswana oder Südafrika schenken und Milliarden mit dem Hubschrauber abwerfen und am Ende sieht alles aus wie der große Rest Afrikas. Und dort, wo es halbwegs funktioniert, da kommen ausgerechnet die Franzosen und knebeln oder zerstören diese Länder, um sich ihre Kolonialisierung nachträglich auch noch bezahlen zu lassen. Heil Macron! Ein Glück, dass Uschi es geschafft hat, dass bei uns kaum mehr ein Flieger fliegt; sonst käme man noch auf dumme Gedanken.

Am Ende ihre Rede meinte sie noch, nachdem sie nochmal „Lieber Emmanuel“ gehaucht hat:

Du sprühst vor Ideen!

Stimmt! Das muss endlich belohnt werden. Wer so penetrant den gleichen inhaltsleeren EU-Wortbaukasten zu jeder Gelegenheit in neue Reden gießt, ohne dem auch nur die kleinste Tat im eigenen Land oder der EU folgen zu lassen, der hat den Karlspreis wirklich redlich verdient.

Es haben ja schon mehrere Schwätzer diesen Preis erhalten. Manche setzen ihre Pläne allerdings doch noch wenigstens post mortem um, wie der erste Preisträger Coudenhove-Kalergie. Gibt es auch als eigenen Preis. Vielleicht wurde gerade deshalb Angela Merkel mit beiden ausgezeichnet, weil sie dessen Plan endlich zu Ende führt.

Zum Schluss noch die Frage: Warum wurde eigentlich nie Walter Hallstein ausgezeichnet, schließlich hatte er schon vor 1945 die tolle Idee vom vereinten Europa. Womöglich waren die möglichen1 Laudatoren schon vor der ersten Verleihung nach Südamerika geflüchtet.

 

 

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3 Gedanken zu “Macron. Labern für einen Preis.

  1. Ich will ja nicht unbedingt, dass andere arbeiten, aber mich würde bei der Unmenge an Preisen und Auszeichnungen interessieren, wer sitzt in den Vergabestellen, wer bezahlt diese ekelerregende Selbstbeweihräucherung und Selbstvermarkung, und vor allem, ob, wenn es schon die immer gleichen Kreise sind, ob´s vielleicht auch immer die selben Personen sind, die im Vordergrund und vor allem die im Hintergrund.
    Ich habe den Verdacht, da haben sich einige Hintergrund-Mächtige ein wunderbar funktionierendes System von Narzisstensteuerung aufgebaut.
    Fernsteuerung ohne Eigenauftritt !

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    1. Der Vordergrund ist der Hintergrund. Wir reden von Juncker, Clinton, Carlos Slim, George Soros…. Man muss eigentlich nur schauen, wer die Hauptinvestoren in die Informationskanäle sind oder an den Hebeln der Legeslative sitzen (80% unserer Gesetze sind Umsetzung von EU Richtlinien). Es ist auch ein sich selbst stabilisierendes System, ein Milieu. Zufällig führt auch die Führung von Karola Wille zu so Sonderbarkeiten, wie die unfassbare Überpräsenz der SED Mitglieder in den Tagesthemen. Da hat neulich mal jemand für einen Monat gezählt (wurde auf Achgut veröffentlicht). Selbst die Grünen sind nicht so gefragt. Da sind Eliten zusammengewachsen. ARD-Chefin Wille war schon im DDR System linientreu und systemtragend beschäftigt.

      Was die dummen Linken nicht raffen, ist dass diese ganzen Verbindungen auch bei allen anderen Themen existieren und nicht der Ami was koordiniert. Das Gewächs heißt Nepotismus. Schäubles Tochter ist auch Leiterin der größten ARD-Zulieferfirma für Programminhalte. Alles bei Tage. Es redet nur keiner drüber.

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