Keine Argumente mehr gegen Stammtischparolen.

Heute hat ich durch Zufall über Umwege das Glück mal einen Workshop zu erleben wie man gegen rechte Stammtischparolen argumentiert. Es gibt ja Initiativen von vielerlei Gruppen, aber am Ende muss man sagen, dass man hier vor allem ein Geschäftsfeld unter neuem Namen erschließt. Über 90% des Workshops beschäftigten sich mit ganz allgemeinen Strategien wie man argumentiert, so wie man sie aus der freien Wirtschaft kennt. Ursprünglich, so kann ich mich erinnern, wollte man ausgebildete „Stammtischkämpfer“ in die Wirtshäuser hinausschicken. Doch, das hätte man durch kurzes Überlegen auch herausfinden können, kann sich keiner so einfach zu den Leuten an den Stammtisch setzen und aktiv zu missionieren beginnen. So beschränkte man sich hier auf den Fall, dass man zufällig Zeuge rechter Parolen wird.

Eigentlich war die Sache kurzweilig und die Leiter waren auch recht sympathisch. Zu Anfang sollte man Stammtischparolen nennen; da kam gleich der Bereich Flüchtlinge und Islam. Leider versuchten die beiden die Teilnehmer in Richtung antifeministischer und antitschechischer (wegen unserer Grenznähe) Parolen zu lotsen. Man reagierte mit völligen Unverständnis, weil die Frauen aus der Gegend einen schon selbstbewusst herausgeben können, wenn es nötig ist, und das Verhältnis zu den Tschechen sei wirklich hervorragend.

Klar war natürlich, dass die einfachen populistischen Parolen nur von rechts kommen können. Wenn ich allerdings an die grünen Sprüche auf den Wahlplakaten in Berlin zur Bundestagswahl denke, dann waren die nicht nur einfach gestrickt , sondern auch sinnfrei so wie: Klima ist nicht alles, aber ohne Klima ist alles nichts!

Es sollte gezeigt werden, dass die Rechtspopulisten nicht für Argumente zugänglich sind und die beiden hatte da auch die entsprechenden Botschaften zu verbreiten:

…, weil die Flüchtlinge da sind, haben sie uns viel Geld gebracht. Zum Beispiel wurden Häuser renoviert und so weiter…

Dem Argument folgend sollten wir noch 5 Millionen weitere einwandern lassen, dann können die mein Haus gleich mitrenovieren. Und das Geld dazu bringen die aus Afrika mit.

Als bei der Spielszene das Argument fiel, dass ja nicht überall Krieg in Afrika sei, mischte sich einer der Leiter ein und meinte, man käme da auf eine andere Ebene. Dass wir nämlich unseren Wohlstand haben, weil wir auf Kosten Afrikas leben. Ich wüsste jetzt nicht, was ich den Afrikaner täglich nehme, wenn ich täglich zur Arbeit renne. Sind es nicht die westliche Entwicklungshilfe und die medizinische Versorgung unter anderem aus meinen Steuern, die dafür sorgen, dass auch wirklich alle geborenen Kinder dort überleben und eben nicht die Bevölkerungszahl stabil halten, weil sie normalerweise weitgehend wegsterben. Seit 50 Jahren sind Afrikaner resistent gegen das Argument, dass nur bei weniger Kinder die Armut beseitigt werden kann. Dem Westen das in die Schuhe zu schieben, ist ein billiger Trick, ein schlechtes Gewissen zu erzeugen und kein Argument, dass wir ganz Afrika bei uns aufnehmen müssen.

Das Ziel sollte sein, die Populisten mit Argumenten auf die gute Seite zu ziehen. Die Medien und die Politik haben aber schon 2015 den Fehler gemacht, wirklich alle als Flüchtlinge zu deklarieren und uns etwas von nur Frauen und Kinder und von hochqualifizierten Fachkräften erzählt und man jetzt zurückrudern musste. Auch die krudesten Parolen bei diesem Spiel hatten so ihren wahren Kern, denn schließlich haben auch inzwischen die größten Träumer gemerkt, dass hier nicht nur Heilige ins Land einwandern. Wenn man vorher alle unter Kriegsflüchtlinge subsumiert, dann kann man von den Kritikern nicht erwarten, dass die dann jetzt argumentativ alle sauber auseinanderdividieren. Die „Guten“ wendeten zwar alle gelernten Strategien an, hatten da aber echt Probleme gleichzeitig stechende Argumente zu bringen.

Dann gab es noch ein paar „Einschübe.“

Täglich zünden Rechte Flüchtlingsheime an und es gibt Anschläge. Jetzt hat man sogar eine Gruppe verurteilt, weil sie einen Anschlag geplant hat.

Da braucht man jetzt gar keine offizielle Statistik bemühen, sondern hier reicht es, den Blick auf das Wort „sogar“ zu richten. Was ist eigentlich mit den ganzen Rechten, die da täglich Flüchtlingsheime angezündet haben. Wurden die nicht verurteilt? Das ist billige Propaganda.

Die Identitäre Bewegung hat zwar nichts mit NSDAP und Hitler zu tun, ist aber trotzdem ganz gefährlich. Die halten zwar alle Ethnien für gleichwertig, agieren völlig gewaltfrei, wollen aber, dass alle in ihren eigenen Ländern leben. Am Ende stehen erwiesenermaßen aber „ethnische Säuberungen“.

Da hat man aber viel Phantasie bemühen müssen, noch etwas Rechtsradikales zu finden.

Dann erzählte noch einer der Veranstalter von seiner Zivilcourage in einem Hallenbad. Ein muskulöser Mann war mit einer Reichskriegsflagge und dem SS-Totenkopf tätowiert. Da er keine direkte Konfrontation wollte, meldete er das beim Hausmeister. Er meinte die Reichskriegsflagge wäre nicht verboten, der SS-Totenkopf jedoch schon. Viele würden das aber nicht erkennen und es mit einer Piratenfahne verwechseln. Toll mutig! Anstatt diesem Dödel seine Freude zu lassen und die Besucher in der Annahme, dass es eine Piratenfahne ist, rennt er da zum Bademeister. Da zeigt sich mal wieder wie solche Leute durch die Welt laufen, die können auch geistig niemals ausspannen, wenn es um den Kampf gegen Rechts geht. Denunziant aus Berufung. Ein ähnlicher Fall ist hier beschrieben.

Als Resümee kann man sagen, dass das Gefühl nicht täuscht, dass die Nazikeule stumpf geworden ist und den ganzen Projekten und Kämpfern gegen Rechts langsam die Luft ausgeht. Ich glaube, dass es jetzt auch manche Schule bereut, Schule mit Courage geworden zu sein, wenn die Bedrohung für die Schüler inzwischen real von denen ausgeht, die sie voll mutig gegen zukünftige rassistische Übergriffe schützen wollten. Blöd, wenn man dafür jetzt „Opfer“, „Kartoffel“ oder unverschleiert „Schlampe“ genannt wird.

Was ich heute gesehen habe, wird man irgendwann verschämt auslaufen lassen, wenn die Regierung, die das alles angeleiert hat, keine andere Wahl mehr hat, auch unschöne Bilder produzieren zu müssen, zu denen sie 2015 nicht den Mut hatte.

Ein Gedanke zu “Keine Argumente mehr gegen Stammtischparolen.

  1. Die Nazikeule……..
    Man stelle sich mal vor, ein AfDler würde den Wetterbericht vortragen…..

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