Unfähig und unmündig. Der zukünftige EU-Bürger.

Gestern gab es im Politmagazin kontrovers im Bayerischen Fernsehen einen Beitrag mit dem Titel „Lehrlinge dringend gesucht“. Es ging um den Umstand, dass es zwar immer mehr Studenten mit Abschlüssen gibt, die Betriebe gleichzeitig aber ihre Lehrstellen nicht mit geeigneten Leuten besetzen können. Die Ursachen für diese Fehlentwicklung durfte der Philosophieprofessor Julian Nida-Rümelin kommentieren, der für die SPD schon einige politische Ämter innehatte. Normalerweise fährt man ja mit einem geladenen Experten die Schiene, dass alles gut wird, wenn erst all die Fachkräfte aus diversen arabischen und afrikanischen Ländern angelernt sind und die deutsche Sprache beherrschen. Die Auswahl Rümelins ist dabei bemerkenswert. Zum einen kritisierte er die Politik der EU bei der Angleichung von Berufs-und Studienabschlüssen, zum anderen hat er 2017 ein Buch herausgegeben, in dem er auf die Notwendigkeit staatlicher Grenzen pocht und die uneingeschränkte Migration als ungerecht brandmarkt. Normalerweise würde so ein Abweichler sofort diverse Nazijäger auf den Plan rufen, an einen objektiven Fernsehauftritt wäre ohnehin nicht mehr zu denken.

Doch, wenn man zurück ins Jahr 1998 geht, dann merkt man wie der Ausspruch des Kommissionspräsidenten Juncker geradezu mit Leben erfüllt wurde.

Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.

Nun, da es kein Zurück mehr gibt, kann man die Fehlleistung der EU auch offen an den Pranger stellen. Dabei konnte das jeder Küchentischexperte schon vor 20 Jahren voraussehen, weil die produzierenden Fachkräfte eben meist nicht von der Uni kommen, sondern sich über Lehre und Meisterbrief hochgedient haben.

Der Bologna-Prozess, in dem über die Angleichung der Studiengänge in verschiedenen Ländern entschieden wurde, ist meiner Meinung ein Musterbeispiel wie man mit einfachen Rahmenbedingungen einen Selbstläufer produziert. Da braucht es danach keine steuernde Elite aus den Verschwörungstheorien mehr, wenn man das Ziel einer neomarxistischen Gleichmacherei und die Abhängigkeit der Bürger vom Staat umsetzen will.

Sicher hat man diese Angleichung schon lange vor 1998 schon mal angedacht, doch 1999 sollten die Wechselkurse für den zukünftigen Euro festgelegt werden. Den Südländern wie Spanien ist dabei sicher nicht entgangen, dass man zwar vorübergehend vom Euro profitieren würde, weil das Gefälle zum Euro wesentlich geringer war, als zur D-Mark. In den 80-iger Jahren war ich einige Male in Spanien. Elektrogeräte waren in Peseten unbezahlbar. Das würde zwar vorübergehend für einen Boom sorgen (es kam zwischen 2000 und 2005 wirklich zu einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit), doch das Verhältnis von Euro zur D-Mark würde zu starken Exportvorteilen für Deutschland führen, was wir heute an den Exportüberschüssen sehen. Die übrigen Länder würden auf Dauer noch mehr an Wettbewerbsfähigkeit verlieren und die Arbeitslosigkeit von Deutschland in ihre Länder exportiert werden. Alles eingetreten.

Vielleicht war de Bolognaprozess die Möglichkeit, das vorbildliche Ausbildungssystem Deutschlands auszuhebeln und es von der betrieblichen zu einer weitgehend staatlich gelenkten Ausbildung zu überführen. Es genügte damals wohl, die übrigen Länder zu überzeugen, das spanische System zu übernehmen. Dabei zeigten allein die Arbeitslosenzahlen, dass sich das System nicht bewährt hatte. Die höchsten Arbeitslosenzahlen bei Jugendlichen weisen diejenigen Länder auf, deren Berufsausbildung stark verschult ist und nur zu einem geringen Teil (Spanien 25%) in Betrieben stattfindet. Und genau dieses System hat man für Deutschland übernommen, ohne dass man das Duale System extra abschaffen muss; das wird sich selbst erledigen.

Der Bachelor wurde als berufsqualifizierender Abschluss eingeführt und dürfte in etwa den berufsqualifizierenden Gymnasien in anderen Ländern entsprechen. 1980 war der Anteil der Schüler mit Hochschulreife 20%, 2002 betrug der Anteil gut 37%. Sieht man sich nun die Intelligenzverteilung der Gesamtbevölkerung an, dann dürfte das auch der Querschnitt der Schulabsolventen sein.

An dieser Kurve kann man ablesen, dass der Intelligenzquotient dieser Gruppe 1980 grob etwas über 115 lag. Dieser Wert sank bis 2002 auf etwa 108. Heute haben über 50% der Schüler eine Zulassung zur Hochschule, ob sie dafür reif sind, ist eine andere Frage. Theoretisch müsste dann der Wert jetzt bei 100 liegen, doch man kann nicht annehmen, dass alle Bevölkerungsschichten die gleiche Intelligenzverteilung haben wie die deutsche Bevölkerung. Bezogen auf diesen aufschlussreichen Artikel dürfte etwa ein Drittel der Studenten höchstens die Fähigkeiten mitbringen, als Fahrdienstleiter, Elektriker oder Buchhalter zu arbeiten. Das deckt sich mit der Aussage Rümelins, dass ein Drittel der Juristen mit Abschluss nie in diesem Beruf arbeiten werden; um in diesem Beruf erfolgreich zu sein, wird ein IQ von mindestens 115 angenommen. Er meint, man bräuchte eine andere Einstellung zu handwerklichen und gestalterischen Berufen. Welche Erkenntnis! Man hat den Schülern und auch deren Eltern jahrelang eingeredet, dass handwerkliche Berufe „minderwertig“ seien und immer ein Studium anzustreben wäre. Fatal ist dazu noch die Aussage eines Berufsberaters, der meinte, dass er hier nicht zukünftige Mauerer usw. vor sich habe, sondern „Menschen“. Man sei weit entfernt, von einer staatlichen Lenkung. Es ist verantwortungslos, wenn man Schülern nicht vor Augen führt, dass sie in einem angestrebten Studium, vor allem in den Geisteswissenschaften weniger als 20000.-€ (Rümelin) im Jahr verdienen werden oder wohl nie in dem Beruf arbeiten werden können.

Während man sein Selbstwertgefühl in westlichen Ländern durch seine produktiven Fähigkeiten erlangte, geschieht das heute alles auf einer moralischen Ebene. Man ist etwas wert, wenn man die richtige Gesinnung hat und Haltung zeigt. Der Bericht endet dort, wo es spannend wird und in 10 Jahren wird dann wieder ein Experte eingeladen, der uns erklärt, was ohnehin für alle zu sehen ist. Früher war die Leistung eines Experten, dass er das auch voraussehen konnte. Vor 30 Jahren nannte man dieses Expertenwissen gesunden Menschenverstand. In den Ländern mit dem höchsten Akademikeranteil beträgt die Arbeitslosenquote unter Jugendlichen wie zum Beispiel in Finnland über 20%. Die weitere Entwicklung wird ohne politisches Zutun genau dorthin laufen, wie sich die EU-Zentralisten das von Anfang an vorstellten. Wir werden allein durch die Umstände dazu gedrängt, genau das System staatlicher Berufsausbildung wie in den Südländern zu übernehmen, obwohl sich das nachweislich als falscher Weg herausgestellt hat. Der Bachelor ist vor allem in den technischen Berufen völlig wertlos. Was sollen Prüfungen in Maschinenbau oder Fahrzeugtechnik, wenn man nie mit der Hand am Metall gearbeitet hat oder sich nie an einem Motor die Hände schmutzig gemacht hat? Wer keine Aussicht auf eine Anstellung hat macht dann mit Ach und Krach den Master und wird ein minderwertiger Häuptling seines Faches unter vielen. Wer dann in einem Betrieb zumindest in die Produktion will, der kann da nicht mal mit einem Gesellen mit Berufserfahrung mithalten.

Um denen, die im Grunde schon arbeitsscheu sind, eine Perspektive zu geben, wird man verschiedene Berufe akademisieren wie man es bei Krankenschwestern und Kindergärtnern teilweise schon tut. In anderen Ländern ist das schon Gang und Gäbe. Es werden neben den sinnvollen Berufsfachschulen wie für Musik, diese auch für andere Berufe entstehen, um sein Schulleben bis 25 weiterzuführen, wie das in anderen Ländern schon möglich ist. Da all die Bachelor und Berufsfachschulabsolventen keinen Betrieb leiten dürfen, wird man nach und nach den Meisterzwang aufheben und so auch das Duale System endgültig aushebeln. Um diese Durcheinander am Laufen zu halten, werden zur Regulierung genügend Leute gebraucht, die von einem bestimmten Beruf wenigstens theoretisch eine Ahnung haben, um einen Mindeststandard in der Qualität aufrecht zu erhalten.

Irgendwann kommt man dann zum „italienischen System“(Ausnahme Südtirol), wo es heißt.

Das italienische Berufsbildungssystem verfügt außerdem über eine Form der betrieblichen Lehre (apprendistato), die aber bislang nicht mit dem deutschen Modell vergleichbar ist, sondern vielmehr einen Arbeitsvertrag für Berufseinsteiger darstellt und jahrzehntelang nicht zu einem Berufsabschluss führte.

Viele Grundschüler sind heute nicht mehr in der Lage, eine Schere zu verwenden oder einen Füller zu halten, weil die Freizeit meist mit dem Handy oder PC stattfindet. Wie sollen solche Hände jemals eine Breze formen, einen Malerpinsel halten, geschweige denn eine feinmotorische Arbeit ausführen können? Die zukünftige Generation wird den materiellen Bezug zur Welt völlig verloren haben, sodass man von dem abhängig ist, was Konzerne völlig automatisiert mit Hilfe weniger Spezialisten zur Verfügung stellen. Die Menschen werden vom staatlichen Grundeinkommen leben und konsumieren, was staatlich für gut befunden wird. Die Menschen werden völlig unmündig und unfähig sein, irgendetwas selbst produktiv zu schaffen, ihr Leben fristen. Im Unvermögen sich überhaupt selbst einen Kuchen backen zu können, wird man versuchen sich wenigstens moralisch über andere zu erhöhen, um wenigstens irgendwas wie Selbstwert zu erlangen oder sich mit Brot und Spiele begnügen.

Am Ende sind wir das, wovon die Eliten immer geträumt haben: Unfähige und ungefährliche Konsumenten und Kretins.

Vielleicht gibt es dann ja noch die Sendung kontrovers, wo ein Experte darüber sinnieren darf, wie es soweit kommen konnte. Eigentlich wird man aber froh sein, einen zu finden, der deren Gegenwart richtig und schonungslos beschreiben kann (darf?).

 

 

Advertisements

5 Gedanken zu “Unfähig und unmündig. Der zukünftige EU-Bürger.

  1. Also ich ging in den 70’ern die letzten drei Jahre auf ein technisches Gymnasium. Wir bekamen ein fast vollstaendige Ausbildung zum Schlosser. Fuer die Wenigen, die es nur mit Ach und Krach durchs Abi geschafft haben, bestand die Moeglichkeit innerhalb eines Jahres die Gesellenpruefung zu machen. Wir lernten auch loeten und Schaltungsaufbau, bruzelten eifrig im Chemielabor und bastelten mit Pneumatik. Fast alles, was man im Klassenzimmer lernte, konnte man umgehend in der Praxis anwenden. Ganz nebenbei war der Haufen auch disziplinierter, als sogar spaeter beim Bund. Wenn man mal daneben stand, wenn ein Meisel auf der Drehmaschine abbrach und mit vollem Karacho in die Wand einschlug (oder ein Schweissbatzen sich durch die Jeans brannte), und danach die halbstuendige 130dB Schimpfkanonade des Meisters der Lehrwerkstatt ertragen musste, war man von seinem jugendlichen Leichtsinn geheilt.

    Heutzutage haben wir Bachelor in Deutsch, die genauso gut/schlecht Deutsch koennen wie ein 8-Jaehriger und sich auch noch so verhalten wie ein 8-Jaehriger.

    Gefällt 4 Personen

  2. Das Thema bedürfte einer längeren Erörterung aber wen interessieren unsere Privathypothesen.
    Wir zitieren daher:

    „Orwell hatte vor jenen Angst, die Bücher verbieten wollten.
    Was Huxley befürchtete, war, dass es keinen Grund zum Verbot von Büchern mehr brauchen würde, weil eh niemand mehr welche lesen wolle.

    Orwell hatte vor jenen Angst die uns Informationen vorenthalten wollten.
    Huxley hatte vor denen Angst die uns so viel davon geben würden, dass wir in Passivität und Egoismus versinken würden.

    Orwell fürchtete, dass man die Wahrheit vor uns verbergen würde.
    Huxley fürchtete, dass die Wahrheit in einem Meer von Beliebigkeit ersaufen würde.

    Orwell fürchtete, dass wir zu einer Kultur der Gefangenen werden.
    Huxley fürchtete, dass wir zu einer Kultur der Trivialität werden, die sich mit Ähnlichem beschäftigen wie die Konsumenten in Huxleys Brave New World (the feelies, the orgy porgy, and the centrifugal bumblepuppy). Huxley merkte in der revidierten Fassung von Brave New World an, dass die Bürgerlich-Libertären und die Rationalen, die stets wachsam sind im Kampf gegen die Tyrannei, „nicht bedacht haben, dass der Appetit der Menschen nach Ablenkung nahezu endlos ist“.

    In 1984 schreibt Orwell von der Kontrolle der Menschen durch das Zufügen von Schmerzen.
    In der Schönen Neuen Welt erfolgt ihre Kontrolle durch das Zufügen von Lust.

    Kurz gesagt:

    Orwell befürchtete, dass das, vor dem wir Angst haben, uns ruinieren wird.
    Huxley befürchtete, dass uns unsere Lust ruinieren wird.“

    Neil Postman, US-amerikanischer Medienwissenschaftler
    (* 8. März 1931 in New York; † 5. Oktober 2003 ebenda)

    Man könnte selbstverständlich noch einiges erklären.
    Man könnte erklären, daß eine „marktkonforme“ Demokratie selbstverständlich eines marktkonformen „Bürgers“ bedarf, um den hervorzubringen ein Beharren auf dem „humboldtsche Bildungsideal“ geradezu frevelhaft wäre.
    Man könnte erläutern, warum für diesen Typus „Bürger“ extra ein Fachterminus entwickelt wurde, welch selbiger vor einigen Jahren, wir glauben, es war 2006, Eingang in das „Bürgerliche Gesetzbuch“ gefunden hat.
    Wir könnten erläutern, was es eigentlich bedeutet – dieses Wort „Verbraucher“-, welches „Verhältnis“ damit beschrieben wird und daß dieses „Verhältnis“ quasi gesellschaftlich zu verinnerlichen, beabsichtigt ist, weshalb gleichnamige „Schutz“-vorschriften – sozusagen prozeßfördernd – beigefügt wurden.
    Wir könnten beschreiben, wie dieses Gesetzbuch, welches den Ursprung und die Grundlage allen „Rechtes“ enthält, einst ein „Exportschlager“ und etwa 100 Jahre nahezu unverändert, seit 2002 aller paar Jahre – und für das „Recht“ heißt das „im Sekundentakt“ – mit „Verbesserungsäderungen“ oder „-erweiterungen“ befüllt wird – überwiegend der Art – daß einem Juristen der kalte Schweiß auf die Stirn tritt, wenn die mit der Gesetzgebung Betrauten ein solches Ansinnen wieder einmal verlautbaren lassen – und – den Fortgang dieser Entwicklung annehmend – zukünftig die Bezeichnung „Verbrauchtes Gesetzbuch“ wohl die treffendere wäre.
    etc., etc.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.