Polit-Experten: Professionelles Falschliegen.

Cas Mudde ist ein niederländischer Politikwissenschaftler und er forscht auf den „Gebieten Vergleichende PolitikwissenschaftDemokratieExtremismusIslamophobieSoziale Bewegungen und Politische Parteien“ und berät das Europäische Parlament. Das sagt eigentlich schon alles. Dass man die Vertreter der Politik- und Sozialwissenschaften weitgehend als Schwätzer bezeichnen kann, liegt daran, dass nur noch wenige Daten methodisch richtig erheben und auch deuten können. Mudde gehört nicht dazu. Da er ohne jegliche Belege Behauptungen aufstellt, kann man ebenso auch die gegenteiligen mit Argumenten untermauern. Da das Interview, um das es geht, schon aus dem Jahr 2015 ist, zeigt es anschaulich, dass seine Fähigkeiten nicht über die Fähigkeiten eines politisch agitierenden Horoskopschreibers hinausreichen, seine Argumente aber von Medien und Politik permanent wiedergekäut werden, sofern sie noch passen.

Zu Beginn meint Mudde,

Populismus ist eine Ideologie, die die Gesellschaft in zwei Gruppen teilt. Auf der einen Seite die „reinen“ Menschen und auf der anderen die „korrupte“ Elite. Populisten glauben, dass sie den Common Sense kennen, also den eigentlichen Willen der Menschen. Der Populist will eine echte Repräsentation dessen, was von ihm als rein wahrgenommen wird.

Ich mach jetzt mal auch einen auf „Politikwissenschaftler“ und sage

Populismus ist ein Kampfbegriff der Eliten, der die Gesellschaft in zwei Gruppen teilt. Auf der einen Seite die Elite und die „guten“ Menschen und auf der anderen, die „einfachgestrickten“ Menschen, denen man abspricht für sich selbst das Richtige zu wollen. Die Eliten glauben dabei zu wissen, was der Mensch braucht, um glücklich zu sein. Die Eliten wollen eine widerspruchslose Umsetzung, was sie für das beste für die Welt halten.

Man kann das natürlich auch abstreiten, aber es ist sicher nicht schlechter, als Muddes Behauptung. Weiter meint er, dass

…die Mehrheit der rechtspopulistischen Parteien rechtsradikale Parteien sind, deren Ideologie im Kern Nativismus ist, also die Idee, dass jedes Land eine Monokultur haben sollte.

Die rechtspopulistischen Parteien, die gleichzeitig rechtsradikal sind, würde ich mir doch mal gerne mit Beleg aufzählen lassen. Wenn der Maßstab nicht links = rechtsradikal ist, dann hat er natürlich recht. Dabei zählt er die NPD noch nicht mal zu einer populistischen Partei.

Rechtspopulisten und Rechtsradikale definieren den Menschen ethnisch und Linkspopulisten und Linksradikale nicht.

Ja? Und weiter? Gut Cas, ich helf dir mal weiter. Die Linksradikalen gehen von einem egalitären Menschenbild aus und, weil das die Biologie leider nicht so eingerichtet hat, braucht es auch ein ultratotalitäres System wie unter Stalin, „das jede Abweichung mit massiven Repressionen strafte sowie den Staat strikt zentralistisch durch die Staatspartei steuerte.“ Im Moment appelliert man in der EU bei Abweichungen noch mit „gutem Zureden“.

Dann kommt etwas, wo Mudde wirklich recht hat, wenn es um die Darstellung „rechtspopulistischer“ Parteien in den Medien geht:

Genau dieselbe Rolle, die sie in Bezug auf jede andere Partei spielen. Sie müssen ihren Lesern und Zuschauern ein akkurates Bild dessen liefern, was diese Parteien sind und wie relevant sie sind. Ich glaube nicht, dass sie es verdienen, anders behandelt zu werden. Medien machen erst ihren Job, wenn sie diese Parteien nicht überzeichnen und es schaffen, öffentlich zu machen, worum es ihnen geht.

Der Witz dabei ist, dass die ganzen Journalisten anstatt unvoreingenommen vor Ort Politiker dieser Parteien ohne Hintergedanken zu befragen, lieber die Denkschablonen der selbsternannten Extremismusforscher wie eines Cas Mudde wiederholen. In dieser Hinsicht ist ja das Studio des heute-journals sozusagen das Stundenhotel der Stricher und Huren aus dem Expertenfundus der Sozial- und Politikwissenschaften.

Von ihnen (rechtspopulistischen Parteien) geht keine Gefahr aus(!).

Na! Sowas ginge heute bei Clausens Kleber wohl nicht mehr ohne Vorzensur durch.

Sie (ihre Wähler) sind unzufrieden damit, wie Dinge laufen. Es hat damit zu tun, dass sie sich politisch nicht mehr vertreten fühlen, dass die etablierten Parteien sie nicht repräsentieren. Sie glauben aber auch, dass das System funktioniert. Deshalb fordern sie keine Revolution.

Das klang 2015 einfach zu ungefährlich, weshalb man der AfD in der Gegenwart dauernd vorwirft, sie würden einen Systemwechsel wollen. Man hätte nicht so einfach auf Mudde vertrauen sollen, schließlich hat er damals gemeint:

Nein, denn das eigentliche Problem sind ja nicht die Parteien. Die Parteien sind das nur Symptom eines zugrunde liegenden Problems. Das Problem ist, dass etwa 70 Prozent der Bevölkerung mit dem Establishment unzufrieden sind. Indem man die widersetzigen Stimmen unterdrückt oder sie lächerlich macht, nimmt den Menschen nicht ihre Gesinnung. Die AfD wird zweifellos implodieren und als relevante politische Kraft verschwinden. Allein die demokratische Antwort auf alles Undemokratische stärkt die Demokratie und schwächt den Extremismus.

Da hat er wohl übersehen, dass man in Deutschland weder im Bundestag noch bei den Medien mit den rechten Schmuddelkindern ganz normal umgehen würde. Das lässt jetzt eher die SPD implodieren. Die demokratische Antwort auf die AfD hat die Politik schon am Ende der letzten Legislaturperiode gegeben und die Medien glauben sich des Problems entledigen zu können, wenn man die einfach totschweigt, nicht zu Talkshows einlädt oder gegebenenfalls deren Aussagen skandalisiert.

Da Politik und Medien genau so reagieren wie ein Furzkissen, konnte man jetzt wieder sehen: Unmittelbar, ohne Hirn und es kommt nur Scheiße raus. Als ich die Gauland-Äußerung vom „Fliegenschiss“ als Kurznachricht gelesen habe, habe ich gedacht, der könnte ja noch blöder sein.

Auf n-tv ging die Sache aber fast schon nach hinten los. Da wurden erst alle Statements der Dauerempörten vorgelesen und dann in Teilen sein Zitat

Nur wer sich zur Geschichte bekennt, hat die Kraft, die Zukunft zu gestalten.(…) Ja, wir bekennen uns zur Verantwortung für die zwölf Jahre. Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.

Wer könnte da als durch die Arbeit der ÖR-Medien inzwischen politisch eher einfach strukturierter Zuseher nicht zustimmen? Als ich den Twitter-Beitrag dazu von AKK las, da dachte ich mir spontan: Annekröt, was bist du blöd!

50 Millionen Kriegsopfer, Holocaust und totaler Krieg für AfD und Gauland nur ein `Vogelschiss.

Da hätte sie wohl besser zuerst das ganze Zitat gelesen und dann nachgedacht. Denn auch der gewöhnliche Bürger wird sich vielleicht das ganze Zitat heraussuchen. Die, die die AfD sicher wählen, die werden alle Eskapaden der Partei hinnehmen, alle stramm Linken fühlen sich bestätigt, und die Unentschlossenen?  Besonders die mit etwas mehr Hirn werden aber feststellen, dass die Reaktionen der anderen Parteien völlig überzogen ist, weil die Aussage im Kern wahr ist, wenn man die zeitliche Dimension sieht.

Die Aussage Gaulands hat womöglich durch dieses eingängige „Fliegenschiss-Chiffre“ eine besondere Sprengkraft. Bringt man unkommentiert zu Gaulands Zitat die Gauck-Aussage:

Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz

da dürfte sich in manchen Hirnen Entscheidendes bewegen, ohne es offen auszusprechen: Gibt es nicht doch eine deutsche Identität jenseits von Hitler und Schuldkult? Dürfen wir nicht doch stolz sein auf unsere Geschichte?  

In der 6.45 Uhr Rundschau im BR und den heute-nachrichten war die Aussage Gaulands schon kein Thema mehr. Wirft man Polit-Sozpäds und Leuten mit ein, zwei Semester Theater oder Theologie Inkompetenz vor, dann reden sie sich immer mit politischer Erfahrung raus. Doch wenn das Gezeter wegen polit-inkorrekter Aussagen parteiübergreifend losgeht, dann denkt man an den Spruch:

Verrückt ist der, der immer die gleichen Dinge tut, aber andere Ergebnisse erwartet

Nachdem all diejenigen, die inzwischen zwar hochschulberechtigt sind aber nicht mehr hochschulreif, eher in die Laberfächer streben, kann man davon ausgehen, dass sich die zukünftigen Politberater mit ihren Prognosen erst mit den Voraussagen einer Frau Mauretanier oder Frau Pascale messen sollten, bevor sie damit professionell hausieren gehen.

 

 

12 Gedanken zu “Polit-Experten: Professionelles Falschliegen.

    1. Der größte Versager ist die SPD. Die können nicht mal Populismus. Um die Stimmung im Volk auszuloten und sich die richtigen Themen vorschreiben zu lassen, beauftragen sie dann Beraterfirmen aus dem Rotweinviertel, anstatt mal ein Runde U-Bahn in Berlin zu fahren. Da kommen dann „Soziale Gerechtigkeit“ und „Digitalisierung“ als Themen raus, die den Leuten angeblich unter den Nägeln brennen. Wenn man dann noch arrogante Schnösel*_Innen aufstellt, wo man versteht, das inzwischen vermehrt ins Gesicht getreten wird, dann wundert es mich nicht, dass diese Partei abgesehen für ihre Funktionäre unwählbar ist. < 5% sind möglich!!

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  1. Noch ein Drittes. Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Vogelschiss-Debatte überhaupt aufbläht. Langsam ist die Empöreritis so wild, dass überhaupt keiner sich mehr getraut irgendwas zum Holocaust zu sagen. Bald streichen die Linken sowieso den Geschichtsunterricht und dann muss man ihn wohl mit aller Gewalt vergessen. Oder sich daran erinnern, dass Muslime von bösen Zionisten vergast worden seien. Irgendwie sowas.

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  2. Noch ein viertes. Ich weiß nicht, ob die Eliten diesen Mißbrauch des Holocausts abziehen, um Juden ins Fadenkreuz der Einfältigen zu rücken, aber sie nehmen den wachsenden Antisemitismus billigend in Kauf. Wichser.

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    1. Ich weiß nicht, ob ich da richtig liege: Jüdische Verbände haben ja über Jahre die finanzielle Wiedergutmachung den Betroffenen oft vorenthalten und für sich selbst einbehalten. Dass diesen Leuten zusammen mit den Kämpfern gegen Antisemitismus, nur der eigene Profit wichtig ist und nicht das Schicksal der Juden in Europa versteht sich fast von selbst. Da lässt sich der Holocaust ja gut in eigener Sache instrumentalisieren. Also, wie Sie schon richtig sagten: Alles Wichser.

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      1. Ich hab mich mit jüdischen Verbänden wirklich nicht befasst. Ich weiß nur um diese eine Gesetz, das ich gefunden habe. Mir scheinen diese Verbände weder sonderlich groß noch sonderlich einflussreich zu sein.

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  3. Sicher nicht mehr in den Maßen. Aber in den USA wurden ja die Gelder sozusagen von den Verbänden verwaltet, die dann die Betroffenen jahrelang hingehalten haben, um irgendwelche Nachweise beizubringen bis die dann am Ende verstorben waren und sie das Geld einfach einbehielten. (Hab da mal ein Buch darüber gelesen) Die ließen auch immer wieder neue Überlebende auftauchen. Ich kann mich an ein Treffen mit Netanjahu erinnern, wo jemand dem ganzen mal statistisch auf den Grund gegangen ist, ob so viele Hundertjährige im Bezug auf Vergleichsgruppen überhaupt möglich sind. Irgendwie dürften da andere Leute dann die Rente der inzwischen Verstorbenen weiterkassiert haben. Allerdings dürfte der ganze Gegen-Rechts-Block in Deutschland, der angeblich den Antisemitismus bekämpft (allerdings nur den rechten) inzwischen ein Vielfaches kassieren. Trotzdem alles W….

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  4. Ein klein bisschen Physik für Politikexperten oder warum Links Rechts macht.
    Man nehme eine Wippe, plaziere links die Linken und rechts die Rechten auf ihr.
    In der Mitte trohnt die FDP !!
    Da links stark Über(ge)wichtige lagern und rechts das Häuflein wesentlich kleiner und die Wippe entsprechend geneigt ist, mutmaßt solch ein Gebrüder-Grimm-Promovierter, man müsse nur die Mitte mit Gewicht versorgen und schon käme die Wippe ins Gleichgewicht.
    Logischerweise müssten Politikberater den Linken raten, sich von der Wippe zu stürzen um die Rechten damit klein zu halten.
    Einzig die SPD hat, offensichtlich stark unterberaten, diese Logik erkannt und bremst die Rechten sehr erfolgreich durch Suizid.

    Dabei sind Politikberater eigentlich äußerst erfolgreiche Geschäftsleute, sie verkaufen ihren Klienten deren eigenen Untergang und erhalten dafür Dank, Anerkennung und fürstliche Honorare.
    Brunzdumm und narzistisch überfrachtet, finden Politikberater Ihresgleichen !

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