Blind für Veränderung.

Wenn man sieht, wie sich Deutschland verändert, so müssten die Bürger eigentlich auf die Barrikaden gehen. Tun sie aber nicht und man kann denn meisten eigentlich nicht böse sein, denn die meisten können es nicht „wahrnehmen“. Unsere Wahrnehmung ist eigentlich auf „Veränderungen“ ausgelegt, die wir mit unserer aktuellen Wahrnehmung oder mit unseren Erfahrungen abgleichen. Dazu ist unsere Wahrnehmung auch interessegeleitet, entweder, weil wir an bestimmen Dingen wirklich interessiert sind oder uns jemand darauf hinweist, bzw. nicht darauf hinweist.

Die Nachrichten erzählen uns seit Tagen, dass es furchtbar wichtig ist, was ein US-Botschafter gesagt hat, den „Fliegenschiss“ und, dass Merkel zum G7 fährt. Man wird also auf völlig irrelevante Dinge hingewiesen.

Man kann aber durch ständige Wiederholung von banalen Dingen eine Relevanz erzeugen. Seit Tagen heißt es statt „Gewitter“ und „Regen“, “starke Gewitter“ und „Starkregen mit Unwettergefahr“. Dann darf jemand besorgt im Beitrag auflaufen, der sagt, dass es das in seinem Ort noch nie gegeben hat, als Bestätigung für den Klimawandel. Dabei wäre es doch glaubwürdiger, wenn jemand sagte, er wäre vor 2000 nie, vor 2010 zwei Mal und nach 2010 schon fünf Mal betroffen gewesen. Das ist ja gerade der Witz, dass eben die Wetterextreme auch laut Weltklimarat (IPCC) nicht zunehmen. Die werden nicht mehr, nur, weil das Fernsehen jedem Ereignis hinterher fährt. Wenn jeder Ort in Deutschland in 100 Jahren ein Extremwetterereignis hat, dann werden es nicht mehr, wenn ich jedem Ort hinterher fahre.

Die Wahrnehmung ist im Grunde „ästhetisch dicht“, das heißt, da sind keine Lücken im Hirn, wenn ich irgendwo nix weiß, sondern ich ergänze einfach so stimmig, dass es einfach zum Rest passt, was ich an Erfahrungen und Wissen habe. Dieses „Wissen“ kann auch völliger Blödsinn sein, solange es sich nicht mit praktischen Konsequenzen als falsch erweist. (Warum fällt mir da gerade der menschengemachte Klimawandel ein?)

Nun gab es heute einen Fehlalarm über bewaffnete Personen in einer Grundschule in Berlin. Da versuchten die besorgten Eltern irgendwie über die Absperrung zu kommen, manche beschwerten sich, weil die Eltern nur unzureichend informiert worden wären -obwohl man in deutsch, arabisch und türkisch Durchsagen machte- eine Verschleierte meinte, dass womöglich noch Kinder im 3. Stock wären aber Näheres wisse man nicht.

Nun kennen Sie sicher Berichte, wo es in Krankenhäusern Stress gibt, weil Leute aus anderen Kulturkreisen meinen, sie würden benachteiligt oder der Ärzte und Schwestern würden nicht ihr bestes geben. Das gleiche Gezeter findet sich bei Einsätzen der Feuerwehr, von Notärzten und der Polizei sowieso. Und trotz dieser gehäuften Meldungen bleiben alle ganz locker. Warum?

Weil die meisten meinen, es gäbe in der Welt zwar materielle Unterschiede, doch im Grunde denken alle annähernd so wie wir. Die Abweichungen wären nur Nuancen und Einzelfälle. Dabei ist es ja gerade umgekehrt. In einer Umfrage meinte die Mehrzahl der jüngeren Bürger, wir sollten kulturell mit den anderen aus aller Welt zusammenwachsen. Das hieße für das Ereignis am Gesundbrunnen, die Eltern, die jetzt nicht so auf die Polizei vertrauen, die dürfen jetzt durch die Absperrung laufen und selbstständig in dem ganzen Durcheinander ihre Kinder suchen. Solchen Leuten, die das toll finden, sollten sich mal die Szenen nach einem Unfall im indischen oder arabischen Raum auf live-leak ansehen. Da ist ein Getümmel und Gewusel um die Opfer und Fahrzeuge; da ist an eine professionelle Rettung oder gar Unfallaufnahme mit Austausch von Versicherungskarten nicht zu denken.

Die meisten Leute glauben, dass das einfach generell so bleibt, dass Leute diszipliniert hinter einem Absperrband stehen bleiben, wenn man nach genügend Gezeter und Androhung von Gewalt sagt, dass man mal eine Ausnahme macht. Da wird dann auch der letzte der „nicht von hier“ ist, sagen: Ich mach nur entsprechend Radau, dann krieg ich was ich will. Und die Deutschen fühlen sich dann benachteiligt und machen es ebenso. Und jetzt sage keiner, das wäre übertrieben, denn ich kann dazu ein Beispiel geben, wo auch im Westen schon eine gewisse Nachlässigkeit herrscht, diese kulturellen Errungenschaften als persönliche Einschränkungen zu sehen.

Ich bin schon mehrere Marathons gelaufen. In Linz war der Start auf einer Brücke, da standen etwa 8000 Leute hinter einem Trassierband, etwa je 30 nebeneinander. Dann kam eine junge Frau, höchstens 16, und sagte zu der „Meute“: So ich nehme jetzt das Band weg und wir gehen die 10 Schritte bis zur Linie. Da nahm sie das Band weg und alle sind dann die Schritte gegangen und stehen geblieben. Am Oberelbemarathon (Dunkeldeutschland) war der Start auf einer Wiese, da hat einer einfach laut zu den 1000 Leuten gerufen, dass er sich jetzt da hinstellt und da sei auch die Linie für den Start. Und in Wien war der Startbereich dagegen so „asozial“, dass es vor dem Start schon ein „Hauen und Stechen“ zwischen den Startblöcken gab. Völlig abartig. In dieser Beziehung muss man dann keine Werbung für diese Veranstaltung machen. Die hatten in meinen Augen in dieser Hinsicht geradezu ein Alleinstellungsmerkmal.

Die Leute aus dem Multikulti-Trallala-Bereich meinen, dass man dann einfach zurück kann, wenn’s nicht so läuft. Dass man die ganzen Zugeständnisse an die „kulturelle Vielfalt“ mal ganz locker streichen könnte.

Würden unsere Medien über Relevantes berichten, also über Veränderungen, dann wäre das allen schon aufgefallen, und zwar nicht nur in diesem Bereich. Weil man hunderttausende Einwanderer in steuerfinanzierten Maßnahmen parkt, stiegen auch die Arbeitslosenzahlen nicht. Weil die meisten Wohnungseinbrüche oder Diebstähle nicht mehr anzeigen oder nicht mehr aufgenommen werden, steigt auch die Kriminalität nicht. Auch die Schulen sind super, weil sogar immer mehr Abitur machen und in der PISA-Untersuchung gut abschneiden. Da sind dann die Brandbriefe von Lehrern an die vorgesetzten Behörden nur Einzelfälle. Das ist jetzt nicht nur ein formales Problem.

In anderen Kulturkreisen hat man kein Vertrauen in Behörden und staatliche Institutionen. Dass man sie bei uns nicht achtet, ist nicht irgendeiner emotionalen Überschwänglichkeit geschuldet. Für die sind staatliche Einrichtungen nur Institutionen, die von Clans durchsetzt sind, einzelne sich über Bestechungsgelder einen Lenz machen oder ihre Machtgier ausleben.

Womöglich nimmt man Veränderungen explizit in Berlin nicht mehr wahr, weil man sogar seine eigene Stadt nur durch Claus Kleber kennt. Als ich 2007 zum ersten Mal in Berlin war, da konnte man sich auf der Reichstagswiese frei bewegen und über die Treppen hinauf zum Reichstag gehen. Da konnte man sich auch noch am Abend an den Neptunbrunnen setzen. Dass sich für meine Nachbarn im Bayerischen Wald nix verändert hat, ist nur zu verständlich, denn der Kleber geht auch nicht mit einem Vorher-nachher-Bild von der Reichstagswiese hausieren. Da wird uns täglich dieselbe Platte über Trump, die tolle EU, die Nazi-AfD erzählt und, dass die große Führerin Merkel daran arbeitet, dass alles noch besser wird.

Ich kann zumindest irgendwie nachvollziehen, warum es Alkoholiker gibt, Vergewaltiger oder Narzissten. Ich verstehe aber nicht, warum man in Berlin Unisex-Toiletten einführt, während der Nahverkehr aus Altersgründen zerbröselt, die Vielfalt der Berliner Gesellschaft preist, während diese Vielfalt den Unterrichtsbetrieb lahmlegt in Schulen, die in einem Zustand sind wie in einem Dritte-Welt-Land.

Die Berliner Stadtregierung schwebt in Höhen, wo man sich für die Förderung von Gender-Pornos einsetzt, während sich die relevanten Teile ihrer Stadt schon zersetzen.

Obwohl man alle Informationen im Internet abrufen kann, dass sich Deutschland markant zu negativen verändert, leugnen das die meisten, weil sie selbst nicht betroffen sind. Wenn sich jemand über sein Land entsprechend informiert und die Veränderung sieht, wirft man ihm vor, dass er ja selbst am wenigsten betroffen sei. Warum sollte ich mich dann über angebliche „Wetterextreme“ aufregen, wenn mein eigener Ort nicht betroffen ist?

Ob etwas relevant ist, bewegt sich zwischen dem, was in meiner Nachbarschaft passiert und ob in China ein Sack Reis umfällt. Den ÖR-Medien fällt es zu, zu entscheiden, ob die Ereignisse am Berliner Gesundbrunnen nur ein Sack Reis sind oder nicht doch relevant.

 

 

Advertisements

4 Gedanken zu “Blind für Veränderung.

  1. Tja, großer Meister. was soll man dazu noch sagen: „rasender Beifall auf den Rängen“!

    Das ganze erinnert uns an den Mythos vom „Turmbau zu Babel“ (Text in der großen allgemeinen Enzyklopädie des weltweiten Netzes vorhanden).
    Wenn man sich das durchliest, und (Anhänger der 7-Tage-Theorie müssen jetzt sehr stark und tolerant sein) den religiösen Schnickschnack „herausrechnet“, sich daneben die damals wohl typische „Zivilisationsstruktur“ vergegenwärtigt (reiche Stadtstaaten mit dementsprechender „Anziehungskraft“), so erhält man eine, jedenfalls nicht ganz unplausible, Hypothese darüber, was damals geschehen sein könnte.
    Das korrespondiert dann mit einer nicht ganz neuen Information, wonach das Pentagon Einsatzgrundsätze entwickelt habe für den Truppeneinsatz in sogenannten „nicht regierbaren Megastädten“.

    Im Übrigen, wenn es um Ursachen geht, empfehlen wir das:

    https://lecture2go.uni-hamburg.de/l2go/-/get/v/23016

    Die Stunde loht sich.

    Gefällt mir

  2. Propaganda ist eine Kunst, die stark auf psychologische Erkenntnisse und militaerische Strategien zurueckgreift. Reichsministerium fuer Propaganda war halt voll Nazi. Deswegen wurden die umbenannt in ARD, ZDF, Welt, Spiegel, etc. unter Beibehaltung ihrer urspruenglichen Funktion.

    Gefällt mir

  3. Mich macht die Diskrepanz verrückt zwischen denen, die wütend sind und denen die nur wütend auf die Wütenden sind, weil die Authoritäten ihnen sagen auf wen sie wütend sein sollen. Da ist windstille in den Medien, außer man berichtet vom Wind. Der Wind darf innerhalb Deutschlands stattfinden, sonst gibt es nur Auslandsbeschimpfung. Und dass den Leuten aber auch nix mal auffällt?!? Neulich las ich den Satz, „Kanzlerin Merkel ist über jeden Zweifel erhaben.“ (ZEIT online) Ich lass das Thema mal weg, aber so Sätze hätte es doch früher nicht in einer Zeitung gegeben. Und die aufgepeitschten Kommentatoren von ZEIT online machen mich sowieso irre. Man muss im privaten immer flüsternd herausfinden, wie viel man sagen darf. Aber den nur auf-wütende-wütende fällt ja nix auf. Denen wird Angela Merkel genug kritisiert. Ich weiß nur nicht für was? Heute würde der NSA Fall auch zur Nazi-Verschwörungstheorie umetikettiert und damit hätte sich das.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.