Anpfiff zum Abpfiff

Fußball war früher die schönste Nebensache der Welt. Jeder, der im normalen Leben ein Malocher unter vielen war, konnte sich hier mit den Helden identifizieren und bei einem Sieg der Heimmannschaft am Wochenende war dann der Montag halb so schlimm. Die positive Ausstrahlung der Fußballstars entdeckte irgendwann auch die Werbeindustrie, auch wenn deren schauspielerische Leistungen eher dürftig waren. Man denke nur an die Tütensuppe von Franz Beckenbauer in den Siebzigern. Egal, die positive Wirkung blieb trotzdem an der Brühe hängen. Nun sind viele Politiker mal richtige Charaktere gewesen, denen man abgenommen hat, was sie gesagt haben, sogar, wenn sie politisch von der Gegenseite waren.

Zu der Zeit war Fußball völlig unpolitisch. Die erste Großveranstaltung, die aus politischen Gründen abgesagt wurde, waren die Olympischen Spiele 1980 in Moskau aufgrund des Sowjetischen Einmarsches in Afghanistan. Der Boykott wäre nicht geschehen, wenn es damals schon Internet gegeben hätte. Schließlich hatten die Amis dort ihre Proxykrieger in Form der von ihnen bewaffneten Mudschaheddin und da war das Ziel die Sowjets in einen Krieg zu nötigen und das wäre aufgeflogen. Carters damaliger Sicherheitsberater Brzezinski meinte

Wir haben jetzt die Möglichkeit erhalten, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu geben.

Dass die Sowjets dann 1984 die Spiele in Los Angeles boykottierten war nur die Retourkutsche. Danach war 20 Jahre Ruhe.

Heute sind Politiker meist ideologisierte Dünnbrettbohrer, wo es schon schwerfällt, überhaupt das geringste Übel auszuwählen. Deshalb haben wohl findige Werbefuzzis die Möglichkeit entdeckt, deren Botschaften mit der positiven Wirkung unserer Fußballstars zu verknüpfen, schließlich strahlt deren Wirkung von der Sportschau direkt in die nachfolgende Tagesschau. Da heißt es aber dann nicht Werbung, sondern Propaganda. Deshalb hat der DFB verschiedene Aktionen wie den Kampf gegen Drogensucht und gegen Alkohol bei Kindern, was lobenswert ist. Dass Fußballer genau in diesem Bereich die schlechtesten Vorbilder innerhalb aller Sportarten sind, ist da aber egal. Die Deutsche Fußballliga hat da schon mehr zu bieten. Da gibt die Aktion gegen Ausgrenzung und Vorurteile „Strich durch Vorurteile“, eine „Woche gegen Rassismus“, eine im Gedenken an Auschwitz „Nie wieder!“ Der obligatorische Kampf gegen Rechts darf natürlich auch nicht fehlen.

Man hat fast das Gefühl, dass sich bei der DFL ein Ableger der Bundesregierung befindet, wenn man liest

Da bereits schon einige Schulklassen an Workshops des Lernzentrums teilnehmen konnten, stellten die Schüler den Gästen ihre Erfahrungen und Eindrücke aus den Projektwochen und Einheiten vor. Neben den Kernthemen Rassismus und Anti-Diskriminierung spielen auch Themen wie Medienkompetenz und Suchtprävention eine große Rolle.

Einzelne Projekte sind zwar positiv zu bewerten, doch warum man sich bei der DFL um Dinge kümmern muss wie Obdachlosigkeit, während man manche Obdachlosenheime pünktlich zum 1.April schließt, egal wie das Wetter ist, zeigt, wo unser Land angekommen ist.

Um bei den Guten zu sein, strengen sich dann auch einzelne Vereine an, es möge etwas von der „Mutter-Theresa-Aura“ abfallen und sich im Umsatz bei Eintrittskarten und Fanartikel niederschlagen. Da macht es sich auch gut, wenn man im Verein einen schwarzen Vorzeigediskriminierten hat bzw. hatte, nachdem die meisten Bundesligamannschaften ohnehin schon aussehen wie der Hanauer Bahnhof gegen Mitternacht. Sogar die Akzeptanz für Schwule konnte man mit Fußball puschen, nachdem sich mit Thomas Hitzelsberger einer zum Outen gefunden hatte, den man dann seit 2015 eben als Vorzeigeschwulen als Fußballexperte beim Bayerischen Rundfunk auflaufen lassen kann.

Seit der Flüchtlingskrise 2015 sind ja die Vereine politisch besonders gefordert, um sich richtig zu positionieren. Den passenden Wortbaukasten kann man auch noch einem Fußballprofi ohne Schulabschluss vermitteln, dessen Hirn zusätzlich durch Tausende Kopfbälle gelitten hat. Auch sonst eher einfach gestrickte Trainer können in diesem Bereich ihre Restkompetenz an den Mann bringen, wenn sie die Vergewaltigung und Ermordung einer jungen Frau vor einem Millionenpublikum relativieren dürfen.

Die ganz beflissenen haben es sich dann zur Aufgabe gemacht, nicht nur für das Gute zu kämpfen, sondern direkt gegen das Böse. Vielleicht hat der Präsident von Eintracht Frankfurt die DFL-Aktion „Nie wieder!“ einfach nur falsch verstanden, dass er keine AfD-Anhänger als Mitglieder bei Eintracht Frankfurt dulden will.

Während die hochbezahlten Kicker sich vor den Spielen immer hinter den ganzen Anti-Rassismus-Plakaten drapierten, war da auf den Rängen eher Desinteresse zu spüren. Hätte es dort Regenbogenfahnen gegeben, hätte man sie sicher in der Sportschau gesehen.

Nun ist es aber irgendwie eingerissen, dass manche Spieler glauben, sie müssten auf dem Spielfeld neben dem Doppelpass noch ein religiöses Tralala leisten. Kreuzzeichen geht ja noch, doch ein ganzer Gebetszyklus muss es wirklich nicht sein, vor allem, wenn man sich wie ein Mesut Özil auch außerhalb des Spielfeldes als politischer und religiöser Missionar gibt.

Das hätten die Fans alles noch ertragen. Doch nachdem sich Özil standhaft geweigert hat, die Nationalhymne mitzusingen, nun sich auch noch mit Erdogan getroffen hat und ihn als seinen Präsidenten bezeichnet hat, das war den meisten Fans dann doch genug. Vor allem, weil der DFB mit Löw und Bierhoff ihre Spieler nicht irgendwie so auf die eigene Nation einschwören konnten, zumindest die Hymne mitzusingen.

Mal abgesehen von Merkel-muss-weg-Rufen in einem Stadion in Ostdeutschland, gab es eigentlich nie politische Statements fast des gesamten Publikums. Nun wurden aber Özil und Gündogan (mitgehangen-mitgefangen), sowohl beim Österreich-Spiel, als auch beim Arabien-Spiel ausgepfiffen. Özil hatte sich deshalb wohl beim zweiten Spiel abgeseilt.

Seit Jahren haben es die ÖR-Medien durch ihre emotionalisierte Berichterstattung mit unterschwelliger Indoktrination geschafft, dass bei den meisten nur noch ein fast faktenfreies Wabern im Gehirn zurückgeblieben ist, wo alles nur noch affektiv miteinander verbunden ist. Da assoziiert man leicht das Gesicht von Gündogan mit dem arabischen Messerstecher aus der Bildzeitung vom Vortag und irgendeinem Salafistenprediger, der einen mit seinem Gebetsruf den Sonntagmorgen versaut. Und Özil ist so böse wie Putin, weil der auch mal neben Erdogan gestanden ist, und treibt die Islamisierung voran, weil er ein Bild von irgendeinem Sultan zu Hause hängen hat.

Die DFL- und DFB-Bonzen und der arschkriechende Teil unter Trainern und Profis haben gemeint, die könnten die Fans fast wöchentlich mit irgendeinem buntem Gelaber folgenlos behelligen, weil sich noch keiner aus dem Publikum beschwert hat. Die Leute auf der Bühne, glaube ich, waren eher verstimmt, dass man dieser penetranten gutmenschlichen Indoktrination inzwischen nicht mal mehr auf dem Fußballplatz entkommen konnte, nachdem man zu diesem Zweck schon jeden Tatort und jede Musikshow gekapert hat.

Dass man nun in jeder Halbzeitpause und in jeder Expertenrunde, wo es eigentlich um Chancenverwertung und Ballbesitz gehen sollte, auch nichts Anderes mehr hört wie Islam und Kampf gegen Rechts wie schon im Rest des Programms, damit hat man wohl dem Normalmalocher den letzten Ort genommen, wo er geistig abschalten kann.

Ich bin ja so kein großer Fußballfan, aber ich kann verstehen, wenn man selbst euphorisiert ist und auf das Spiel hinfiebert, das letzte ist, was man vor dem Anpfiff noch hören will, irgendein politkorrektes Statement ist, was uns unterschwellig sagt, dass wir doch alle scheiß Nazis sind.

Die ganzen Wichtigtuer, die ein Fußballspiel nur mehr zur moralischen Selbstüberhöhung und zur Verbreitung einer politischen Agenda nutzen, hätten gedacht, sie könnten hier ihre Eitelkeit auf einer Einbahnstraße ausleben und das Publikum hat sich jetzt gedacht: Wenn das eure politische Bühne ist, dann ist es jetzt auch unsere. Bis jetzt haben sie nur gepfiffen und so ihren politischen Unmut gezeigt. Aber es könnten Sprechchöre und Schweigeminuten folgen, die länger als eine Minute dauern. Quentin Quechner bringt es auf achgut auf den Punkt.

So was kann zum Selbstläufer werden, alle Revolutionen beginnen so.

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8 Gedanken zu “Anpfiff zum Abpfiff

  1. Haben sie in den USA ja auch versucht, mit dem Niederknien bei der Hymne. Jetzt hat natuerlich Trump daran Schuld, dass Millionen Amis den Kabelsender abbestellt haben, und nicht mehr ins Stadion gehen, wodurch die schwarzen Megastars bald viel weniger Geld verdienen. In der BRD finanziert der Steuer- und Gebuehrenzahler den ganzen Spass, inkl. der Indoktrination, ob er will oder nicht.

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  2. „Ich bin ja so kein großer Fußballfan“
    Schaust du Sport? Und wenn ja, welchen?

    Die Elf singt schon lange nicht mehr die Hymne. Das ist schon seit längerem kein Zustand. Der Name „Die Mannschaft“ ist auch unfassbar. Beatrix von Storch hatte darauf mal hingewiesen und wurde promt als Nazi abgekanzelt. Sport ist aber eine Repräsentation von Krieg. Lieber Fussball als echten Krieg. Den Verantwortlichen ist einfach nicht bewusst, welche gefährliche Leerstelle sie hinterlassen, wenn sie alle Referenzen vertuschen.

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    1. Ich halte mir sicher nicht die Zeit frei für eine Sportsendung. Höchstens nehme ich die Sendungen als „Hintergrundrauschen“, wenn ich im Büro arbeite. Früher ging das auch mit Serien oder Politiksendungen. Da aber in jedem zweiten Satz inzwischen eine unterschwellige Indoktrination zu spüren ist, spare ich mir das schon länger. Leider ist auch den Sportreportern nicht wohl, wenn sie nicht in einem Nebensatz etwas mit Russlanddoping oder die unkorrekten Äußerungen von ostdeutschen Fans unterbringen können. Vor allem wegen des Expertengewäsches wäre es gut, wenn Deutschland in der Vorrunde ausscheiden würde, unter maßgeblicher Beteiligung der Quotenspieler.

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      1. Ich schau auch nichts mit Regelmäßigkeit außer vielleicht die abonnierten Youtube-Clips, die ich ständig einbinde (v.a. Rebecca Hargreaves alias „Blonde in the Belly of the Beast). Die spricht meinen Intellekt an. Ich weiss, dass Männer albern sind, die als Kosename für ihr bestes Stück „Intellekt“ wählen.

        Ich nehme an, dass du eher Fußball als Tischtennis schaust, wenn es sich ergibt. Bayern ist recht erfolgreich. Ich schau ganz gern so Zeug wie Muay Thai oder MMA, aber selten in Länge. Da langt mir für eine Runde mitzufiebern oder so. Also bin auch kein Fanatiker. 😉
        Wir haben Quotenspieler? Du wirst lachen, aber es gibt Feministen, die die Geschlechtstrennung im Sport diskriminierend finden. Oh Gott, war ich da mal tief drin, aber sowas haette ich nie gefordert.

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  3. @Wir haben Quotenspieler? Du wirst lachen, aber es gibt Feministen, die die Geschlechtstrennung im Sport diskriminierend finden.

    Bei den Uni-Meisterschaften in den USA gibt es Rennen, da dürfen Männlein, die sich für X halten bei den Frauen mitlaufen. Die gewinnen natürlich immer und die geschlagenen Frauen müssen das toll finden. Da traut sich nämlich sicher keine dagegen zu sein.
    https://www.infowars.com/transgender-boys-dominate-high-school-girls-at-state-track-meet/

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  4. Das liegt zwar wieder neben Ihrem Hauptthema (wenn Sie das stört, „werfen Sie es halt in den Papierkorb“), aber da Sie Afghanistan erwähnten – das war mir doch so nicht bekannt:

    Verena Tobler, Züricher Sozio- und Ethnologin, …, seinerzeit für die UNO und für die schweizerische Humanitäre Hilfe in Pakistan (in einer Epoche, in der von dort aus die afghanischen „Mujaheddin“ von den Saudis und den USA massiv unterstützt wurden in ihrer Guerilla gegen die Sowjets), schrieb in einer E-Mail über die Entwicklungshilfeleistungen der Sowjetunion an Afghanistan:

    „Wasserversorgung, Gesundheitszentren, Mädchenbildung, Frauenbefreiung etc. Von einer Mehrheit der Bevölkerung begrüßt und gutgeheißen … Was jedoch die meisten Sozialisten übersehen haben: Es existierte kein Bevölkerungssegment, mit dem man hätte durchführen können, was man als Revolution bezeichnen könnte. Hingegen gab es jenen ländlichen, traditional bzw. vormonetär organisierten Teil der Bevölkerung, mit dem eine Konterrevolution zu machen war….
    Die Russen marschierten am 25. Dezember 1979 ein, nachdem in Herat 40 russische Lehrer und Experten getötet – geteert und gefedert! – worden waren. Ein Racheakt der „Konterrevolutionäre“ gegen die Regierung in Kabul, die das landesweite Schulobligatorium für Mädchen beschlossen hatte und damit begann, Alphabetisierungskurse für Frauen zu organisieren. Racheakte, welche in der Folge die Aufmerksamkeit der USA erregten und die schließlich von dem, was mir persönlich als das dümmste und arroganteste Imperium der Nachkriegszeit vorkommt, blindwütig unterstützt wurden. Zuerst nur mit Dollars, Waffen und Logistik.
    Später dann lösten die USA sowie die NATO und ihre Verbündeten die Russen ab. […]“

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