Ich bin so gerne bei den Guten.

Wenn in den Tageszeitungen jemand in einer Kolumne über seine Sicht über die Gegenwart schreibt, dann besteht sie meist aus allgemeinen Werturteilen, die mit den eigenen persönlichen Erfahrungen begründet werden und diese Sicht dann als allgemeingültig hingestellt wird. Egal, ob das nun ein Prantl , eine Sybille Berg oder eine Stokowski ist.

Ich habe jetzt eine Kolumne aus der Süddeutschen Zeitung genommen, die von der geborenen Kroatin Jagoda Marinić geschrieben wurde, die alle vier Wochen von ihr bedient wird. Allein diese Zeit dürfte normalerweise genügen, einen Schritt von der eigenen Sicht der Dinge zurückzutreten, um mal auch die Hintergründe zu recherchieren, wenn man sich schon anmaßt, Geschichte aus Sicht der Gegenwart zu beurteilen und nicht aus dieser Zeit heraus.

Ihr Artikel geht darum, dass das Deutschland von heute nie freier, toleranter und offener gewsen wäre. Ich könne es jetzt machen wie die Klimahystheriker, die für ihre Beweise dann immer dahin fahren, wo es gerade am wärmsten ist. Das mach ich jetzt mal nicht.

Die allermeisten Menschen in Deutschland wollen die freiheitliche Demokratie bewahren. Sie müssen lauter werden, damit deutlich wird: Es gab nie ein freieres, toleranteres, offeneres Deutschland als das von 2018.

Da liegt sie gleich falsch, weil das 2015 war, als die meisten noch Teddybären werfend am Bahnhof standen und meinten, jetzt kämen lauter Flüchtlinge oder edle Wilde. Die Zahl der Jubler dürfte bis heute merklich geschrumpft sein.

Es gibt ein Deutschland, das zu sehr in den Hintergrund gerückt ist: das Deutschland der Menschen, die sich ihre Freiheit und ihre Humanität nicht von Angstmachern abkaufen lassen. Überzeugte Demokraten, die leidenschaftlich für demokratische Grundwerte kämpfen.

Man muss ihr leider sagen, dass es zwar nett ist, wenn man selbst als Bürger Humanität und Toleranz lebt- mit demokratischen Grundwerten haben die eh schon Probleme- eine Regierung dazu zu nötigen, selbst ebenfalls gegen alles und jedes tolerant zu sein. Witziger weise geben genau die vor, für unsere Demokratie zu kämpfen, die offen auch einen Systemwechsel zum Sozialismus hinarbeiten. Die Jusos, also die Jung-SPD, die GRÜNEN und die LINKE werben ja offen dafür. Da würde ich mir schon überlegen, mit wem ich mich da verbünde, wenn ich gegen die vermeintlichen Demokratiefeinde auf die Straße gehe, denn wenn ein Großteil der AfD-Anhänger von der SPD kommt, kann das auch die andere Seite der gleichen Medaille sein. Aber Marinić ist nur sauer, dass die nicht bei den linken geblieben sind, wenn sie schreibt:

In Sachen Ausländerrecht käme die CDU von heute der CDU von damals vor wie eine radikale Linke. Das lässt sich als Fortschritt interpretieren.

Anfang der Neunziger hat man das Ausländerrecht verschärft und so den Republikanern das Wasser abgegraben. Die Folge war, dass wir danach noch länger als 15 Jahre auch nachts U-Bahn fahren konnten und Frauen auch ungestört durch den Park joggen. Diese Frau sollte mal ein Seminar in Staatstheorie machen. Die ureigenste Aufgabe des Staates ist für äußere und innere Sicherheit und Rechtssicherheit zu sorgen, dass meine Freiheit nicht durch den Staat oder Mitbürger oder Fremde eingeschränkt wird. Die Kolumnistin gehört zu den Leuten, die meinen, das würde einfach Bestand haben wie ein Naturgesetz, egal was der Staat tut. Und noch schlimmer, die glauben, alle würden die gleichen Erfahrungen machen und im gleichen Wohnumfeld leben wie sie selbst.

Da könnte ich mir diesen Blog sparen. Ich muss weder mein Auto absperren, lass beim Einkaufen den Schlüssel stecken und brauch keinen einzigen Schuppen absperren. Da ist nie was weggekommen. Habe Ausländer unter meinen Freunden und da musste ich gerade noch überlegen, weil sich für mich nie die Frage gestellt hat, woher die kamen. Ich würde das aber nie als überregionalen, deutschen Stadard verkaufen .

Dann schreibt sie über das Abkommen mit der Türkei und die Aussage von Helmut Schmidt, man hätte nicht so viel Ausländer ins Land holen sollen. Ich habe nie gehört, dass Griechen, Spanier oder Italiener Probleme gemacht hätten, allein die aus dem türkisch-arabischen Raum machten ja Probleme. Die erste Generation musste sich einfach anpassen und viele erkannten auch die Vorzüge in Deutschland. Je mehr aber kamen, desto weniger wollte man sich integrieren und jetzt haben wir in den Großstädten Stadtteile, die dann dem Rest der Deutschen ihre Lebensweise aufzwingen. Man kann es ja auch so sehen, dass Schmidt das vorausgesehen hat. Und die haben wir nicht selbst geholt, sondern sie wurden uns von den USA aufgezwungen, damit sie ihre „überflüssigen“ Leute losbekommen als Gegenleistung für den NATO-Beitritt.

Nach dem G-7-Gipfel ging ein Bild von Angela Merkel um die Welt, das zeigte, wie sich die deutsche Kanzlerin, auf den Tisch gestützt, vor Trump aufbaute. Es war das offizielle Bild des Kanzleramts zu G7. Die internationale Presse erinnerte aufgrund der Bildsprache an eine Abschiedsbotschaft Barack Obamas: Merkel sei nun die Anführerin der freien Welt. Eine allein gelassene Verteidigerin westlicher Werte, die im Inneren die Stärke, die sie im Äußeren hat, nicht zu finden scheint. Sie verteidigte diese Woche die europäische Lösung in der Flüchtlingsfrage. Damit Merkel innenpolitisch so führen kann wie außenpolitisch, müssten jetzt die Bundesbürger klar sagen, ob sie an ihrer Seite stehen.

Wau! Mehr Kleber-Sprech geht nicht! Die Frau hat aber schon Internet oder liest sie nur die Zeitung für die sie schreibt? Hat man Merkel in den letzten drei Jahren führen sehen? Leeres Gewäsch und Absichtserklärungen und Geldkofferdiplomatie. Verteidigung westlicher Werte? Demokratie ist nicht ihre Sache, wenn es um das Projekt EU geht. Die ist so toll, dass man Länder straft, die nicht nach deren Pfeife tanzen. Die dürfen nicht einfach eine Regierung wählen, die die Interessen des eigenen Landes vertritt. Das mag zwar für Deutschland außergewöhnlich sein, dass das ein Land tut, ist aber trotzdem Demokratie.

Doch konservativ bedeutet heute nicht mehr die grobe nationale Selbstverteidigung. Die ist rechts. Die große, konservative Mehrheit in diesem Land will nun freiheitliche Demokratie konservieren. Sie muss lauter werden, damit deutlich wird: Es gab nie ein freieres, toleranteres, offeneres Deutschland als das von 2018.

Wenn sie das ohne nationale Selbstverteidigung schaffen will, dann sind das alles nur schöne Worte, weil sie  einfach die Zusammenhänge nicht erkennt. Wasch mich und mach mich nicht nass? Schweden lebt es vor, dass eine freiheitlich, demokratische Grundordnung schnell zu Ende geht, wenn man die Feinde derselben unkontrolliert ins Land lässt, weil man den vermeintlichen „Humanismus“ höher stellt. Andernfalls wäre nach ihren Worten die Mehrheit in Deutschland schon rechts, denn dort stehen die Konservativen, die diese Grundordnung konservieren wollen. Und das gibt nun mal keine schönen, humanistischen Bilder, wenn man das durchsetzen will.

Vielleicht sind ihr während des Schreibens die Widersprüche in ihrem Artikel aufgefallen und wollte es mit diesem Schluss zu einem sinnvollen Ende bringen. Sie scheitert wie viele Schreiber, weil sich die Wunschwelt nicht mit der Realität in Einklang bringen lässt.

Zu ihrer Verteidigung sei gesagt, dass daran auch die Alpha-Journalisten Prantl und Augstein regelmäßig scheitern, weil sie unbedingt bei den „Guten“ sein wollen.

 

 

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14 Gedanken zu “Ich bin so gerne bei den Guten.

    1. Ach, wir haben uns in den 70’ern auch oft mit den ‚Spaghettis‘ gekloppt. Meist wegen der Weiber. Die haben von papa Luigi dann aber ein Stiletto (Springmesser) zum Geburtstag bekommen, womit die Dispute meist unentschieden endeten.

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      1. Hm….Ich bin wieder an dem Punkt, an dem ich doch das Fass Verschwulung (ohne es so zu nennen) wieder aufmachen will.

        Es ist doch nicht zu übersehen, dass sich zwischen „Wir haben uns um die Weiber gekloppt“ und MGTOW etwas verschoben hat. Ein Teil der Antwort ist der Unterhaltszahlungszenober, aber darüber bloggen schon genug Leute. Die Erosion der Männlichkeit und der Familie wird aber erst neulich wirklich thematisiert und von Hormonen, über Dauerbildungstretmühlen bis zu beruflichen Veränderungen ist es ein weites Feld. Mir kommt es auch so vor, als ob Homos als Pawns benutzt werden, um männliche Identität zu zerstören. Warum, so die Todschlaglogik, sollte jemand Interesse an einer Diskussion über Männlichkeit, Kinderkriegen und Verantwortung haben, wenn er kein sexuelles Interesse an Männern hat? Also ich find, dass es genug Gründe gibt. Wir haben nur jetzt diese Propagandaassoziation im Kopf. Ich bin mit Pseudonym unterwegs. Meine Ambition, die Verschwulung und in wenigen Fällen auch mal Schwule selbst zu kritisieren, dient garantiert nicht dazu, eine Homosexualität zu verschleiern. Wozu auch, wenn ich eh anonym bin? Davon abgesehen bin ich auch nicht homophob und sähe eine Mutmaßung, ob ich schwul wäre, nicht einmal als Beleidigung.

        Mir ist auch klar, dass mein Blog sowieso keine große Anhängerschaft finden wird (im Moment 43 Follower nach einem Jahr, aber wenig externen Traffic – man sieht die Leser durch den Reader nicht, weil ich Volltext-RSS habe), auch wenn ich weniger edgy wäre. Ich bin zu schlecht im Korrekturlesen und die Tools taugen nix. Außerdem stecke ich viel Zeit ins Nachprüfen der Infos, damit bleibt weniger für die Form.

        Ich kann nicht ernsthaft auf Trudeau und Macron blicken und so tun, als wär da nichts. Ich kann versuchen, es nicht zu graphisch zu machen. Die Referenzen zum Analsex konkret vermeide ich, wo es geht. Und natürlich gleite ich auch nicht ins homophobe.

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  1. Mal von dem Plattitüdentsunami abgesehen, gibt die Kuh wenigstens zu dass Deutschland irre nach links gerückt sind. Was jetzt „rechts“ ist war halt konservativ. Stattdessen gibt es jetzt ein neues „Konservativ“ und dass ist strunzdumm den linken Herrschern nachzuplappern. Links ist, noch mehr vom schlechten als sowieso schon. Sie setzt natürlich links und demokratisch gleich. Schön bequem.

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  2. […]Doch konservativ bedeutet heute nicht mehr die grobe nationale Selbstverteidigung. Die ist rechts. Die große, konservative Mehrheit in diesem Land will nun freiheitliche Demokratie konservieren. Sie muss lauter werden, damit deutlich wird: Es gab nie ein freieres, toleranteres, offeneres Deutschland als das von 2018.[…]
    Fast alle klassisch liberalen Anliegen, werden inzwischen nur noch von Konservativen verteidigt. Die Linken wissen schon, dass sie eine Minderheit sind, projizieren sich aber geschickt als vermeintliche Mehrheit. Die Konservativen und echten Liberalen haben nur noch nicht begriffen, dass sie die Mehrheit sind. Freiheit steht derzeit gegen Toleranzfaschismus und Offenheitswahn, auch wenn Linke uns anderes weismachen wollen.

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    1. Nein, die Linken wissen nicht, dass sie in der Minderheit sind und sie sind es auch nicht. Hillary Clinton hat mehr als die Hälfte der Stimmen geholt. Von den Nichtwählern sind die meisten auch indoktriniert und scheren sich nicht drum. Links ist DIE Weltreligion unserer Tage.

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      1. Hillary Clinton hat mehr als die Hälfte der Stimmen geholt. […]
        Ja, das taeuscht aber. Trump hat in den Staaten, die sowieso immer an die Demokraten gehen nicht mal vorbeigeschaut. Viele der konservativen Waehler in diesen Staaten gehen inzwischen auch gar nicht mehr zur Wahl, da es keinen Unterschied macht ob sie knapp verlieren oder deutlich. Dein letzter Satz wurde durch Umfragen bestaetigt.

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