Wenn zur WM nur „rechte“ Stimmung aufkommt.

Ich lese ja normalerweise keine Kolumnen oder Kommentare zu Fußball, doch heute stieß ich über einen Link auf einen Artikel, der ist einfach so bescheuert, dass man meint, der Schreiber hätte wohl zu viele Kopfstöße mit dem Medizinball geübt.

Der Redakteur Albert Linner schreibt im focus:

Die Einstellung gegenüber der Nationalmannschaft ist ein Spiegelbild der Stimmung im Land. War 2006 alles super, ist 2018 alles schlecht. Rechte Hetze hat jegliche WM-Euphorie vergiftet – das wirkt sich auch auf das DFB-Team aus.

Sicher muss dann rechte Hetze für ihn auch am Klimawandel schuld sein, an Einfuhrzöllen oder steigenden Bierpreisen. Nach seinen Worten war es damals so toll, weil wir ein „weltoffenes und tolerantes“ Fußballfest gefeiert haben, und es ist ihm wichtig zu erwähnen, dass die NPD damals nur 1,6% hatte. Das kommt mir auch immer als erstes in den Sinn, wenn ich an die WM 2006 denke. Zwar findet Albert die ganzen Fähnchen albern, fand es aber trotzdem geil,

allerdings eben nicht mit nationalistischem Hintergedanken, sondern harmlos, unschuldig, ohne sich über die 31 anderen teilnehmenden Nationen geschweige denn Menschen anderer Religionen und Ethnien zu stellen.

Da hast Du völlig recht Albert, denn heute kommt Deutschland nicht mehr harmlos und unschuldig daher, sondern hetzt mit moralischem Hintergedanken gegen alle Länder, die nicht die kunterbunte Haltung bis in die eigene Selbstvernichtung teilen, oder gegen Länder, die sich wie Russland von der Demokratie verabschiedet haben. Russland, das ultimative Reich des Bösen. Und jetzt haben wir die Unschuld verloren, sagst Du, weil,

wer fröhlich flaggenschwingend durch die Gegend läuft, könnte ja wieder im Verdacht stehen, mit Schreiern vom rechten Rand in einer Reihe zu stehen.

Das stimmt auch wieder! Damit das ja nicht passiert, heißt die d****** Mannschaft jetzt nur noch „die Mannschaft“, weshalb man auch gleich die drei Farben, die ich hier nicht nennen mag, von den Trikots entfernt hat. Könnte ja jemand Toni Kroos mit Bernd Höcke verwechseln, falls der zufällig in Moskau ist. Welcher Fan ginge da noch zusätzlich mit einer Deutschlandfahne feiern, wenn dauernd die Worte „du Dreck, du Pack, du Mischpoke“ in seinem Kopf widerhallen.

2006 war es für die Regierung ja zu blöd, dass sich die Deutschen für die Besucher aus dem Ausland nicht als humorlose, verkniffene Spießer zeigten, denen man dauernd die historische Schuld vorhalten muss, weil die Stimmung sonst zusätzlich noch zum 4. Reich umschlagen könnte. Das nachfolgende Selbstbewusstsein der Deutschen musste natürlich wieder eingefangen werden. Deshalb musste der Kampf gegen rechts deutlich intensiviert werden, die latente Gefahr musste neuerlich gebannt werden, weil täglich Flüchtlingsheime brennen könnten. Man muss diesen deutschen Dreck von der Wurzel an ausrotten. Trotzdem will sich auch bei denen, die vielfältig, bunt und tolerant sind, keine richtige Stimmung einstellen.

Es herrscht eine seltsame Anti-Stimmung in Deutschland. Befeuert durch die rechte Hetze der AfD, sei es gegen Jerome Boateng vor zwei Jahren (Gauland) oder Mesut Özil und Ilkay Gündogan (von Storch u. a.) kurz vor dem Turnier in Russland

Genau Albert! Die Stimmung ist heute dadurch so schlecht, weil irgendein fast 80-jähriger vor zwei Jahren gesagt hat, dass es Leute gibt, die nicht neben einem Neger wohnen wollen. Jetzt weiß ich auch, warum bei mir auch keine Stimmung aufkommen will, wenn ich bei einem WM-Spiel vor der Glotze sitze. Wäre ich ohne Dich gar nicht draufgekommen. Und ohne die Storch hätten ich auch nie erfahren, dass sich Özil und Gündogan mit Erdogan getroffen haben. Wegen der war mir nach dem Anpfiff auch gleich nach Hetzen und Schießbefehl.

Nach Deinen Worten schimpft es sich noch besser nach der Niederlage gegen Mexiko, da wäre Dir nun ein neues Sommermärchen viel lieber.

Man kann aber nicht alles haben. Wenn uns eine moralische Wichtigkeit wie Claudia Roth ermahnt, wir sollten bei der WM „äußerste Zurückhaltung“ walten lassen, dann folgen wir natürlich. Schließlich hat Angela Merkel schon 2013 dafür gesorgt, dass es keine unschönen Bilder aus Deutschland gibt. Was für ein Vorbild!

Dabei wäre für die Politik ein dreiwöchiges Fahnenmeer und eine komplette Faneuphorie wesentlich günstiger, denn dann wären wir gerade beim Bierholen, wenn Claus Kleber in der Halbzeitpause spricht. Ausgerechnet nach der Niederlage traf sich nämlich Merkel mit Macron.

Deutschland und Frankreich haben sich am Dienstag auf umfangreiche Vorschläge für Reformen in der EU geeinigt. Diese reichen von der Einrichtung eines jährlichen Euro-Zonen-Budgets über eine Interventionsarmee bis zur Prüfung, ob außenpolitische Entscheidungen der EU künftig mit Mehrheit getroffen werden können.

Da hat man euphorielos vielleicht doch mehr nüchterne Momente, dass einem politisch unerwünschte Fragen dazu in den Sinn kommen, wenn man das hört.

Das, was dieses Weib da mit Macron vereinbart hat, grenzt an die völlige Selbstaufgabe Deutschlands. Der Oberzahlmeister kann dann durch einfache Mehrheit noch mehr gemästet werden und gleichzeitig mit ganz Afrika geflutet werden, wenn jeder das Land wählen darf, wo er schon familiäre Bindungen hat. Da müssen die Schlepper nicht mal mehr ein Boot chartern, sondern brauchen nur noch einem Illegalen in Deutschland Papiere in die Hand drücken und das passende Gegenstück am Strand von Italien an den Nächstbesten verhökern.

Auch wenn die Merkel die Deutschen hasst, wünscht sie „der Mannschaft“ doch einen Sieg gegen Schweden. Denn dann würden wir gar nicht mitbekommen, wie mit dieser Vereinbarung aus dem Seehofer die heiße Luft entweicht, weil dann kann er höchstens noch die an der Grenze zurückweisen, die zu blöd waren, sich die Papiere und die passende Familienstory rechtzeitig zu besorgen. Die paar kann man aber sicher nachträglich noch einfliegen, damit die Flüchtlingsheime von der CARITAS und der SPD auch wirklich ausgelastet sind.

Der Albert träumt davon, dass wir eine Euphorie bekommen wie 2006 und 2015 zusammen. Dass die Fans vom Public Viewing direkt zu den Bahnhöfen strömen und mit den neuen „Flüchtlingen“ den WM-Titel feiern, nachdem sie auf dem Weg noch schnell die paar versprengten Nazis von der AfD an den Laternen aufgeknüpft haben.

Warte noch etwas Albert und kauf Dir schon mal ein Fähnchen, denn in ein paar Wochen kannst Du sicher wieder am Bahnhof jubeln wie 2015. Wenn auch voraussichtlich ohne WM-Titel.

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10 Gedanken zu “Wenn zur WM nur „rechte“ Stimmung aufkommt.

  1. Heute etwas wütend?

    Frau Roth hatte am Wochenende der ZEIT ein Interview gegeben und da war eine geile Stelle. Sinngemäß wie folgt.

    Roth: Ich war im Fußballfieber. Da hab ich sogar den Balkonbeflaggt.
    ZEIT: Echt? Sie, Claudia Roth? Die Deutschlandflagge?
    Roth: Nein, aber die Regenbogenflagge.

    Sie hatte noch andere antideutsche Sachen losgelassen und ein Kommentator meinte sinngemäß:
    „Ich hatte es ja nicht vor, aber jetzt geh ich in den Keller und hol auch ne Flagge hoch.“

    Ich hatte aus Spaß geantwortet: „Die deutsche oder die schwule?“

    Zensoren hatten es entfernt mit Hinweis: Bitte nicht verallgemeinern!

    Ich frag mich immer wieder, ob Linke die Bedeutung von Worten kennen. Verallgemeinern?!?

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    1. Wütend? Mitnichten. Es macht mir nur Spaß, in die Rolle von jemanden zu schlüpfen, der dessen Geschreibsel wie andere wirklich scheiße findet. Im Grunde würde ich so einen Text rein privat nie lesen. Ich möchte eigentlich nur aufdröseln, was daran scheiße ist. Sozusagen als Dienstleister damit man von der emotionalen auf die sachliche Ebene kommt.

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      1. Hab auch morgen oder übermorgen einen Text über Aggression insgesamt fertig. Pros und Cons. Allerdings unvollständig. Ich weiß nämlich auch nicht ganz wie man die Energie leitet und wann man sie dämpft.

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  2. In Ihrem „Kerngeschäft“ haben es die Grünen doch begriffen. Dort nennen sie es „Artenvielfalt“ deren Verlust das Ende für unsere Umwelt bedeuten würde.
    Warum meinen sie, wenn sie, bezüglich unserer Zivilisation als ganzes, das Gegenteil befürworten, begrüßen oder gar befördern, auch das Gegenteil herauskäme?
    (Wir unterstellen hier ein Verständnis von „Nation“ als in einem Nationalstaat organisierte Völker – es sind bzw. waren immer mehrere.)

    Die Linken, besonders diese Fraktion um Gysi, Kipping, Riexinger und van Aken, die da von der Überlebtheit des Nationalstaates faseln, hätten wir jüngst auf deren Parteitag gern darauf hingewiesen, daß sie das Lied derjenigen singen, die hinter solchen Vorhaben wie TTIP und TISA stehen, dieselben, die ein vitales Interesse an der weitgehenden Aushöhlung des Nationalstaates deshalb haben, weil nur dieser für den Einzelnen (noch) einen „Status“ gewährleisten kann, den wir unter dem Begriff „Bürger“ kennen, welcher erheblich mehr, vor allem mehr an Souveränität, bedeutet, als das, was besagte Kräfte aus bekannten Gründen für wünschenswert halten, und uns daher gern auf etwas herabstufen würden, was mit dem Fachterminus „Verbraucher“ doch recht trefflich beschrieben ist.
    (Wir sehen natürlich, daß auch innerhalb des Nationalstaates, und uns scheint, besonders in geistiger Hinsicht da schon recht erfolgreich, auf letzteres hingearbeitet wird. Dieser rührselige infantile Kosmopolitismus funktioniert da wie ein Placebo, welches nur scheinbar eine nicht richtig diagnostizierte Krankheit heilt.)

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