Kohnens Schrei nach Aufmerksamkeit.

Die CSU hat es immer verstanden, womit man in Bayern die Wähler ködert. Die wissen, dass die wenigsten sich dafür interessieren, was ein Politiker sagt, sondern in Bayern genügt es, dass man an der Spitze keine Leute hat, für die man sich schon auf den ersten Blick schämen muss. Da reicht es, dass jeder der CSU-Männer einen Gamsbarthut beim Besuch der oberbayerischen Schützen tragen kann, ohne dass man das Gefühl hat es wäre Fasching. Bei den Frauen reicht eine mütterliche Aura, am besten noch kombiniert mit einem unverkennbar bayerischen Akzent wie bei Ilse Eigner. Dazu achtet man auch auf den Proporz innerhalb der einzelnen Regierungsbezirke, damit sich kein „Stamm“ benachteiligt fühlt. Dagegen ist die SPD immer zuerst genötigt, innerhalb ihrer Dümpelpartei die wenigen lukrativen Posten an die hochgedienten Parteisoldaten zu vergeben. In anderen Bundesländern hat die SPD inzwischen so viele derartiger Posten geschaffen, dass man auch bei einem Wahlergebnis von unter 10% alle dann arbeitslosen Abgeordneten mit Vollversorgungsposten bis zur Pension ausstatten könnte.

Nun hat die SPD als Spitzenkandidatin Natascha Kohnen installiert. Komisch, dass ich den Namen als Bayer erst vor einigen Wochen zu ersten Mal gehört habe, obwohl die schon seit fast 10 Jahren SPD-Generalsekretärin ist, hat aber eher den Charme einer SED-Sekretärin. Die Macher des Singspieles am Nockerberg, wo jährlich beim Starkbierfest Politiker „derblekt“ werden, umschreiben das derart, dass Kohnen einfach „zu normal“ wäre, so dass man sie glatt neu erfinden musste.

Fokus berichtet nun begeistert von einer Brandrede Kohnens, die ein Renner auf YouTube sein soll. Wahrscheinlich habe ich sie dort deshalb nicht wiedergefunden, sondern kenne nur die Version bei focus-online, weil auch ihre anderen Reden kaum mit den Aufrufen von Reden von AfD-Hinterbänklern mithalten können. Sucht man nach anderen Beispielen für Brand- oder Wutreden, dann stößt man zuerst auf die Flasche-Leer-Rede des ehemaligen Bayerntrainers Trappatoni, obwohl das schon über 20 Jahre her ist. Bis auf eine Rede von Lindner und Özdemirs jüngeren Datums war da jahrelang Funkstille. Kein Wunder, da gab es auch nix zu ärgern, denn schließlich setzte Merkel im Wissen um die blinde Gefolgschaft der Union die Forderungen von SPD und Grünen um. Atomausstieg, Übergabe der Souveränität Deutschlands an die EU oder die Energiewende. Da waren alle zufrieden. Das gleiche sehen wir in den einzelnen Bundesländern, wo SPD und CDU kreuz und quer koalieren, nur um irgendwie an der Macht zu bleiben.

Weil die CSU die großen Städte nicht mehr erobern kann, setzt man auf Personen, bei denen es zumindest auf den ersten Blick keinem Wähler aus dem ländlichen Bereich peinlich ist, von so einem politisch vertreten zu werden. Der Hinterhuber Bauer würde kaum einen Schäfer-Gümbel wählen und die Obermaier Rosi keine keifende Andrea Nahles.

Weil die Kohnen nicht immer „hier! hier!“ schreien kann, damit sie jemand wahrnimmt, muss sie das immer in Reden verpacken, wo man verstehen kann, dass für „Wutrede“ auch „Wutgeheul“ synonym verwendet werden kann.

Seit drei Monaten gehen sie dem ganzen Land und zwar ganz Deutschland auf die Nerven mit ihrem populistischen Rausgeplärre.

Ist ja auch zu blöd, dass jeder Hinterbänkler, der ein halblautes Statement abgibt, medial eher wahrgenommen wird, als die Kohnen mit ihrem Kreidegequitsche. Das Nockerberg-Singspiel hat es in einem Lied auf den Punkt gebracht:

Es ist schon ein Dilemma/ man merkt nichts von meinem Glemmer/ mit Gejodel werd‘ ich populär (…)  keiner kennt meine Aura/ so werd‘ ich immer saura (…) ich heiß Natascha Kohnen und hätt‘ gern Emotionen (..) die Frau hat supertolle Stärken/ doch erst mal muss man sie bemerken.

Am Ende ihrer Wutrede haut sie dann ihre SPD-Lösung raus:

Weniger Populismus mehr Humanität, das ist das was sie brauchen.

Diese Leerphrase füllt sich trotzdem nicht mit Inhalt, auch wenn man sie rausplärrt. Die SPD kann ja gegen die CSU schlecht mit vermeintlichen Erfolgen von SPD-Regierungen in anderen Bundesländern Werbung machen. Die CSU hat zum Glück auf das dreigliedrige Schulsystem in Bayern solange draufgehalten, bis die ganzen SPD-Gesamt- und Gemeinschaftschulprojekte in den linken Bundesländern an die Wand gefahren waren. Damit anzugeben würde die SPD allein schon deshalb unter 5% drücken. Mit Atomausstieg und Energiewende und dem Mitleid mit den armen Flüchtlingen müssten sich die Bayern doch ködern lassen. Weit gefehlt. Die Bayern akzeptieren, dass in ihrem Bundesland eben drei Kernkraftwerke stehen müssen, weil man braucht eben sicheren Strom. Das wissen vor allem die Industriebetriebe rund um München und Nürnberg. Nur für die Weltenrettung will sich kein Bayer mehr die Landschaft verspargeln lassen, weil die inzwischen auch gemerkt haben, dass Windräder in Süddeutschland völlig unwirtschaftlich sind und auch hier bei Windstille keinen Strom liefern. Mit diesen Themen kann sich die Kohnen in Bayern mit den Grünen die Stimmen der 10% Klimaesoteriker und Refugee-Welcome-Teddybären teilen.

Bleiben noch innere Sicherheit, Arbeitslosigkeit und Finanzpolitik. Wenn sie diese Themen im Wahlkampf verschweigt, dann hat die SPD noch die Chance bei der Landtagswahl im Landtag zu bleiben.

Die CSU hat, wie andere Bundesländer auch, natürlich ebenfalls ein System von CSU-Seilschaften und Günstlingen installiert. Man hat es aber vermieden zu schamlos für alle Bürger sichtbar abzugreifen und es unterbunden, dass man der bayerischen Mentalität zu sehr gegen den Strich geht, indem man den Bayern das Gefühl gibt, sie wären zurückgeblieben, wenn sie nicht für Schwulenehe, bunte Vielfalt und Gendersternchen sind. Weil man dem Bürger aber in Sachen Flüchtligen zu viel zugemutet hat, gibt es jetzt auch hier die AfD. Zu lange hat man die Bayern innerhalb Deutschlands als rückständiges Agrarland bezeichnet, bis man den anderen gezeigt hat, dass die Bayern doch nicht so blöd sind und auch etwas von Industrie und High-Tech verstehen. Das würden sie der eigenen Regierung nie verzeihen, wenn sie ausgerechnet von ihr wieder als rückständig bezeichnet würden.

Wenn sich die Kohnen dagegen weiterhin unauffällig verhält -was ihr nicht schwerfallen dürfte- dann könnte die SPD wenigstens noch von denen gewählt werden, die ihr Parteibuch schon zu Högeners Zeiten hatten.

 

 

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7 Gedanken zu “Kohnens Schrei nach Aufmerksamkeit.

  1. Eigentlich ist Bayern eine sicherere Bank als Texas. Aber das kann sich auch mit der Demographie ändern.

    Man vergisst über die Aktivisten und Spitzenpolitiker oft diese scheinbar dummen Linken. Okay, Tagesthemen und so werden von Ideologen betrieben. Aber bei der Frau z.B. geh ich von Dummheit aus. Also eine Hillary Clinton hätte fresch strategisch rechts geblinkt, so wie Seehofer. Die Kohnen scheint aber „Populismus“ als Hauptproblem zu sehen. Und ich glaub, für viele „empathische“ Menschen ist es nicht intellektuell zu erfassen, dass Mitmenschen wirklich anders sind als sie selbst. Die müssen sich einfühlen können und andere Kulturen kann es dann z.B. nicht geben. Eine Ausnahme gibt es. Das Schwarze Nazi-Loch. Das absorbiert jegliches Licht und löst Panik aus. So viel Angst, dass man gar nicht die Grenzen dieses schwarzen Lochs erfassen kann. Alles Nazi. Und ich hab den Eindruck, dass Frauen besonders unter dem Problem leiden.

    Nebenbei möchte ich mich für die Dame entschuldigen. Kohnen klingt nach einer Variation des Namens Cohen (wie z.B. in Cohn-Bendit), d.h. sie ist vermutlich jüdisch.

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      1. Ich sehe bei ihr keine wirklichen visuellen Marker (und ich spekuliere). Bei russisch-stämmigen Juden fehlen die aber meiner Meinung nach eh. Beispiel: Harrison Ford, Roseanne Bar, der Typ von Akte X oder Broder. Die Kahane hat natürlich das feuerrote Haar und die Reich-Ranicky Lippen und andere Marker. Ich finde nicht wirklich, dass sich beide Frauen ähnlich sehen. Vermute, dass Natascha russische Wurzeln hat. Für Kahane kann man sich nur in Dauerschleife entschuldigen. 😉

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  2. Woher kennt er denn den „Charme einer SED-Sekretärin“?
    Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sehen wir da auch keinen signifikanten Unterschied zwischen der Dame und anderem weiblichen Personal, das da so in den Führungsebenen der verschiedenen Parteien incl. der CDU/ CSU „herum turnt“. Deren „Charme“ ertragen zu müssen, läßt uns eine Margot Honnecker vergleichsweise „staatsmännisch“ erscheinen.
    Irgendwann wird uns auch jemand einmal erklären müssen, wie ein Frau Merkel an die Spitze der CDU gelangen konnte. Deren „Werdegang“, wie er der „weltweiten, allumfassenden, und nur die reine Wahrheit verkündenden Enzyklopädie des Netzes“ zu entnehmen ist, liest sich zwar recht plausibel – dennoch wir verstehen das nicht, wir haben das von Anfang an nicht verstanden.

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