Aus der Unwissenheit wäre nur ein kurzer Weg.

Manchmal braucht es ein Aha-Erlebnis, um plötzlich etwas völlig anders zu sehen. Am Wochenende hatte ich so eines. Ich unterhielt mich mit einem Bekannten, den ich lange nicht gesehen hatte. Irgendwie kamen wir auf die Dieselfahrverbote. Als ich meinte, dass das mit den angeblich so giftigen Stickoxiden auch so ein Blödsinn wäre, da ließ er mich meine völlige Unwissenheit spüren und meinte man müsse ja etwas gegen diese Dauerbelastung tun. Dass die Grenzwerte völlig überzogen sind, auch weil bei Arbeitern, die viel höheren Werten ausgesetzt sind und keinerlei Folgen bewiesen werden konnten, und die Werte bereits wenige Meter von der Straße entfernt kaum mehr der Rede wert sind, damit wollte ich ihn dann nach diesem Auftritt nicht mehr behelligen. (hier u. hier) Dabei hat er Uni-Abschluss und ist äußerst belesen. Bisher glaubte ich immer, dass je höher das Bildungsniveau ist, man am ehesten die Neigung zeigt, sich genauer zu informieren. Das mag wohl bei den untersten Bildungsschichten so sein, doch der Rest der Bevölkerung scheint mir in dieser Hinsicht nicht der Fall zu sein. Man könnte es natürlich damit erklären, dass manche eher die Zeit haben sich über Hintergründe kundig zu machen, als andere.

Doch ist das wirklich so. Wer ehrlich ist, der kein schon direkt nach der Tagesschau sagen, welche Meldungen wir gerade gehört haben. Nur, wenn wir beinahe permanent damit dauerberieselt werden, bleibt wirklich etwas hängen. Anderes wird auf allen Medien kurzzeitig über Gebühr aufgeputscht und ist dann für eine genauere Betrachtung nicht mehr der Rede wert. Wird dann immer nur wieder in einem Nebensatz angehängt, nicht um sich der Fakten zu erinnern, sondern es soll rein affektiv wirken. Man denke an den Fall Skripal oder die angebliche Manipulation der US-Wahlen durch Russland. Hört man nix mehr über die vermeintlichen Beweise. Warum wohl?

Kann man sich wirklich auf den Mangel an Zeit herausreden, wenn es kein Problem ist mehrmals am Tag in Radio und Fernsehen die beinahe immer gleichen Meldungen zu hören?

Ich habe es mal bei verschiedenen Dauerbrennern getestet. Es ist gar kein Problem im Internet in Sekunden an die gewünschten Informationen zu kommen, da sollte man wenigstens mal einen Wikipedia-Artikel überfleigen. Doch wer auf der Suche nach den Hintergründen des Klimawandels „Klimawandel“ in die Suchfunktion eingibt, erhält dort häufig auch nur das Gleiche, was man uns täglich reindrückt. Wer aber „CO2 Historie“ unter „Bilder“ eingibt, der erhält dieses Bild. Das ist doch sehr erhellend. „Historie“ ist überhaupt ein wichtiges Wort. Das funktioniert bei spezielleren Sachen nicht mehr, doch die Kombination der Bildersuche mit „Historie“ liefert in Sekunden Informationen, die viele Dinge in den Nachrichten recht schnell in einem anderen Licht erscheinen lassen. Man nehme nur „Nettolohnentwicklung“ oder „Steuerlast“. Die Zeit nicht zu haben, darauf kann sich keiner rausreden.

Auch eine banale Frage, die das Berichtete in Frage stellt, führt schnell zum Ziel. Als es noch Journalisten gab, da wurde grundsätzlich alles, was die Regierung sagt, von den Medien hinterfragt, da jede Regierung traf im Gegensatz zu heute auf Tageszeitungen oder Magazinen mit gegensätzlicher politischer Ausrichtung. Wenn die Medien heute berichten, Trump wäre viel unbeliebter als Obama. Einfach das Gegenteil in die Suchfunktion. Wenn man nach „Trump beliebt wie Obama“ sucht, dann erhält man wirklich dieses Ergebnis, obwohl dauernd das Gegenteil behauptet wird. Wer nach „Giftgas Syrien“ sucht erhält das gleiche Narrativ wie in der Tagesschau. Kombiniert man das worüber man zweifelt mit „fake“, dann weiß man, ob es überhaupt in Frage gestellt wird. In dem obigen Fall kann man sich dann nette Videos von den dilettantischen Schauspielern der Weißhelme ansehen, wenn man etwas länger sucht. Der ARD-Faktenfinder will das natürlich an einem Beispiel widerlegen. Dabei hat er aber eine Filmsequenz genommen, die in den einschlägigen alternativen Medien ohnehin nie verwandt wurde.

Man dürfte nun meinen, dass diejenigen, die sich immer für gebildet halten und überall mitreden, zumindest dazu in der Lage wären. Doch was in den bildungsfernen Schichten reine Faulheit und Desinteresse sind, ist die Autoritätshörigkeit im Rest der Bevölkerung, die nach meiner Erfahrung recht gleichmäßig dort verteilt ist. Wer mag schon an einem Claus Kleber zweifeln oder an dem „Experten“ im Studio? Wer dazu insgeheim noch fürchtet, sozial ausgegrenzt zu werden, weil er nicht mit der Meute heult, der sollte sich mangels Rückgrat morgens am besten immer eine Dachlatte ins Kreuz nageln, um aufrecht stehen zu können. Was soll der ganze Zinnober mit Uniabschlüssen, wenn ich sogar damit zu feige bin mit Fakten das Wort zu führen. Wer sich selbst als Experte sieht, der sollte sich nicht damit brüsten, die gleiche Meinung zu haben wie der vermeintliche „Experte“ bei Karin Mioska. Der sollte sich eine Minute Zeit nehmen dessen Lebenslauf zu googeln, ob da nicht ein „Regierungssprecher“ zu Wort kommt, weil er einer genehmen NGO angehört oder gleich selbst von einer Partei gesponsert wird. Der Aufwand für diese Erkenntnis ist sicher nicht abendfüllend.

Wer sich täglich auch von Nachrichten berieseln lässt und das Neuste vom Tage einsaugt, der glaubt sich informiert. Wer alles ausblendet, was jemand labert oder ohnehin täglich wiederholt wird, der hat auch Zeit wegzuhören und zu fragen: Was wird nicht berichtet? Da reicht es, das Presseportal zu überfliegen oder „jouwatch“, was dann auch anregend zu lesen ist. Und dann stellt sich sicher für jeden, der das zum ersten Mal liest die Frage, warum wird dieses oder jenes in den ÖR-Medien nicht berichtet. Schon mal wieder was vom Mord an Sophia L. in Spanien gehört? Dass sie in spanischen Medien als Einwanderin und Flüchtlingshelferin in Lesbos und SPD-Mitglied geführt wird und die sozialistische Partei des Baskenlandes Andrea Nahles ihr Beileid ausgedrückt hat? Sicher nicht, denn die Kombination aus Sattelschlepper, Marokkaner und Nachrichtensperre könnte die Bevölkerung ja beunruhigen (hier u. hier). Für manche Fragen, muss man jedoch erst den medialen Müll wegräumen, um darauf zu kommen.

Bildung bedeutet für mich nicht in erster Linie belesen zu sein, mit seinem Fachwissen hausieren zu gehen und die „richtige Haltung“ zu zeigen, sondern aus Neugier unkonventionelle Fragen zu stellen, auch auf die Gefahr hin, dass das Ergebnis das eigene Weltbild in Frage stellen könnte. Dabei halten sich zu viele, die einen Hochschulabschluss in ganz speziellen oder gar sinnlosen Fachgebieten haben, für allkompetent, so wie jeder sich als Fußballexperte sieht, weil er ein Mal die Woche die Sport-BILD liest. Was ich nicht weiß, kann ich doch ohnehin nachschauen. Die Überheblichkeit der Bildungsschicht und deren Autoritätshörigkeit bringen für eine notwendige politische Korrektur genauso wenig, wie jeder Feinripp-Pöbler der täglich RTL schaut. Die Mehrheit lehnt den Kurs von Angela Merkel und der EU in vielen Bereichen, nicht nur in der Flüchtlingskrise, inzwischen ab, dennoch wird dort höchstens damit angegeben, dass man es ohnehin besser wüsste, aber trotzdem nicht zu seiner Meinung steht, wenn es hart auf hart kommt. Früher haben die klügsten Köpfe, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen zum Nutzen aller angestoßen. Heute kämpfen sie für Zustände und esoterische Visionen, als würde Deutschland nur aus ihresgleichen bestehen und der restliche Laden dann einfach so weiterlaufen. Und Clausi Kleber erklärt ihnen die Welt. Wie armselig!

Mir kommt mein über 80-jähriger Schwiegervater mit sechs Jahren Volksschule und ohne Internet immer wesentlich gebildeter vor. Vielleicht, allein deshalb, weil er die Hetzerei gegen andere Länder und die Versprechen der Glückseligkeit auf Erden und deren Folgen noch aus der Nazizeit kennt. Der ist von Haus aus schon richtig eingenordet, an der richtigen Stelle Zweifel anzubringen.

Es gibt wie gesagt die, die aus Autoritätshörigkeit und Überheblichkeit glauben alles zu wissen. Dazu diejenigen, die das ohnehin nicht interessiert, leider nicht das geistige Potential haben, einfach zu viel um die Ohren haben oder schlichtweg Angst haben, etwas Falsches zu sagen.

Wer heute noch etwas bewegen will, der muss inzwischen nicht nur Zeit, Wissen und Neugier haben, sondern auch Mut haben, eine inkorrekte Meinung offen auszusprechen. Wer dafür noch auf die Straße geht und damit nicht nur seine vermeintlich moralische Höherwertigkeit zur eigenen Selbsterhöhung demonstriert, dem gilt meine volle Anerkennung. Ich weiß, dass es dazu einer besonderen Motivation bedarf.

 

 

 

3 Gedanken zu “Aus der Unwissenheit wäre nur ein kurzer Weg.

  1. Wir haben uns überbildet. Es ist kein neues Problem. Ich glaube, Orwell hat gesagt, dass es Ideen gibt die so dumm sind, dass sie nur von Intellektuellen geglaubt werden. Soll heißen, dass manche Verbriefung und einseitige Obzession manche dazu verleitet, neues Wissen auszublenden. Heute ist der ganze akademische Betrieb auch links unterlaufen.

    Noch etwas für den „Intellekt“ oder wie auch immer du ihn nennst.

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