Der Neid der Unmusikalischen.

Laut unseren Sprachingenieuren ist das Deutsche ja mit unsagbaren Wörter kontaminiert, weil sie während der Nazizeit verwendet wurden, obwohl diese vor der Zeit als unverfänglich galten. Man denke nur an „entartet“, „Endlösung“ oder „Lügenpresse“. Inzwischen zuckt man innerlich schon, wenn man unbedacht die Wörter „Autobahn“, „Schäferhund“ oder „Mutter“ ausgesprochen hat. Vielleicht kann man sich bei letzterem noch zu „Gebärende“ durchringen, schließlich heißen Studenten jetzt auch „Studierende“, auch wenn sie gerade nicht studieren oder gar nur wegen der billigen Krankenversicherung eingeschrieben sind.

Das Gleiche gilt auch für die Musik. Manche Lieder sind zurecht verboten. Doch bei jedem Stück Marschmusik vom Anfang des letzten Jahrhunderts wird in Wikipedia darauf hingewiesen, dass es auch während des 3. Reiches gespielt wurde, ist wirklich bescheuert. Doch es gibt noch eine Steigerung. Beethovens 9. Symphonie, denn am Ende eines Artikels im kanadischen Star schreibt der Autor (alles Folgende übersetzt):

Sollen wir eine Ikone zerstören? Natürlich nicht. Wir sollten es wie jedes andere Kunstwerk behandeln – und uns Zeit nehmen, um zu erkennen, wie schwierig es tatsächlich ist, es zu analysieren.

Sollten wir nicht auch kanadische Komponisten ermutigen – und präsentieren, die uns mit etwas Eigenem lassen können?

Beethovens 9. Hat drei lange Sätze vor dem Finale der „Ode an die Freude“, die jeweils mit Kontrasten und Diskontinuitäten gefüllt sind. Die Ode selbst schreit uns unerbittlich, beharrlich, manchmal mehr als Spott als Ermahnung an

Haben wir nicht genug Schreie und Spott in unserer Welt? Lasst uns Beethovens musikalisches Geschwätz wieder im Pantheon der musikalischen Schätze verstecken und stattdessen anderen Werken etwas Zeit zum Hören geben.

Musikalisches Geschwätz? Da muss man sich schon mal ansehen, welches Genie sich da soweit und mit welcher Begründung aus dem Fenster lehnt. Der Herr heißt John Terauds und es heißt, er ist der Gründer von Musical Toronto und einer der einflussreichsten Stimmen Kanadas in der klassischen Musik (soll zumindest unter diesem Link stehen). Das kann ich jetzt nicht so glauben, wenn jemand auf Youtube 55 Abonnenten hat und bei vier veröffentlichen Videos in 5 Jahren mit dem letzten mit gut 55 000 Aufrufen auf fünf Monate und es nicht wie jeder Hinterbänkler im Bundestag auf einen eigenen Wikipediaeintrag bringt. Sieht man sein Foto auf Twitter, dann ist das dann ein ewiger Student, wenn er jetzt noch immer Theologie studiert und sich anscheinend mit einem Musikleiterposten bei einer Kirchengemeinde über Wasser hält.

Wenn man nun seinen Artikel ansieht, dann passt der genau zu dem kanadischen Vielfalt-Bunt- und Genderland des eierlosen Trudeau.

Wir leben in einer Zeit, die nicht friedlicher ist als die von Beethoven. Unsere heutigen Konflikte messen die großen Traditionen und Denkweisen des 19.Jahrhunderts mit einem (hoffentlich) freieren, spontaneren, umfassenderen 21.Jahrhundert mit mehr Teilhabe.

Wir haben das Ideal der Stärke in der Einheit des 19.Jahrhunderts ausgedrückt in der Ode an die Freude kratzt an der Stärke in der Vielfalt des 21.Jahrhunderts.

Er schreibt, die Menschen hätten die Symphonie begierig aufgenommen und es wurde zur musikalischen Fahne des Deutschtums, schließlich schreibt er, Beethoven hätte sie 1820 komponiert, also in einer Zeit, wo der Ruf nach einem eigenen deutschen Nationalstaat aufkam, denn im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern blieb Deutschland in Kleinstaaten zerbröselt. Übrigens zog sich Beethovens erster Kontakt mit Schiller „Ode an die Freude“ bis zur Premiere fast 30 Jahre hin.

Da liegt er meiner Meinung total falsch. Die ersten Kritiken nach der Premiere waren alles andere als positiv, gleichzeitig war dieser Genuss dem gemeinen Volk gar nicht möglich. Wichtiger ist jedoch, dass Beethoven schon 1786 die Ode von Friedrich von Schiller vertonen wollte. Das war aber die Zeit des Sturm und Drang. Die Jungen wollten sich den strengen Konventionen der Gesellschaft entledigen und kritisierten die Arroganz der Vertreter der Aufklärung gegenüber dem einfachen Volk, was leicht ins Gegenteil umschlagen könnte. Die Aufklärung hatte zwar die Bürger vom Joch und vom Aberglauben der Kirche weitgehend befreit, doch die Hierarchien bleiben erhalten, denn die Eliten meinten, die Gesellschaft müsste trotzdem „verstandesmäßig“ geordnet sein: Auf der einen Seite die aufgeklärten Eliten, auf der anderen das gemeine Volk. Da wirkt Schiller eher wie der erste Gleichstellungsbeauftragte und die Warnung Klopstocks reicht ja bis in die Gegenwart herein, wenn heute von Europapolitikern was von New Governance gefaselt wird, wo die vermeintlichen Eliten für unser Wohlergehen sorgen wollen, weil wir zu unmündig sind.

Und die Forderungen und Warnungen des Sturm und Drang sollen seiner Meinung nach nun an der Stärke der Vielfalt des 21.Jahrhunderts kratzen? Terauds schreibt, dass  „wir aus heutiger Sicht wissen, dass einseitige Aufrufe zur Weltbruderschaft in Freude eine Kehrseite haben, nämlich die Tyrannei“.

Abgesehen, dass Schiller das nicht gemeint hat (einfach die Ode googeln), ist es doch der Aufruf der Globalisten, dass mit Multikulti, Vielfalt und Bunt ohne nationale Grenzen alles gut wird, der Weg in die Tyrannei, weil man sowas nur mit Gewalt durchsetzen kann.

Dazu gibt er dann Beispiele wo Beethovens 9. für (nationale) politische Zwecke missbraucht wurde, zum Beispiel bei Hitler, bei Macron bei seiner Amtseinführung und um den Fall der Mauer in Deutschland zu feiern. Dass es EU-Hymne ist und dies Graf von Coudenhove-Kalergi vorgeschlagen hatte, erwähnt er nicht explizit, schließlich war das ein Oberglobalist, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die europäischen Völker zu zerstören.

Er zitiert in Übereinstimmung mit seiner Meinung einen Franco-argentinischen Gelehrten (der muss es wissen) der die Schnittpunkte und Paradoxon des Guten und Bösen analysiert. Das Musikstück sei das richtige Musikstück zur richtigen Zeit: sozial, politisch und ästhetisch.

Das halte ich für Blödsinn. Zu allen Zeiten bis heute, kennen die meisten Leute nur das Thema des Stücks und da auch nur die instrumentale Version. Den Text auswendig oder gar verstehen zu können, damit gehört man schon zu den Exoten. Die wenigsten haben alle Sätze komplett und mehrmals gehört. Doch die werden sich die tiefe Ästhetik und Genialität des Stückes erarbeitet haben, denn ästhetische Wahrnehmung ist eine aktive Handlung in nicht bloßes Berieselnlassen.

Und auch die Politiker, die zu bestimmten erhebenden Momenten ein passendes Musikstück suchen, haben natürlich erst die komplette Geschichte, seine Instrumentalisierung und die Intention des Stückes analysiert. Kann man knicken. Die suchen ein erhebendes Stück von dieser höchsten Qualität, damit es dem Anlass angemessen ist. Und unsere Kultur „weiß“, dass Beethovens Werk genau diese musikalische Forderung erfüllt, denn es ist anrührend und ergreifend. Das dürfte man in Zentralafrika oder in islamischen Staaten für deren Anlässe aufgrund der kulturellen Wurzeln anders sehen. Da ist nichts von dem Stück kontaminiert, bloß, weil es ein Adolf auch gerne gehört hat.

Ich frage mich, warum diese Kritik aus dem angelsächsischen Bereich kommt. Ich bin jetzt mal ganz böse.

Wenn eine Sprache so arm ist, dass sie laut Pons-Übersetzer für die Worte „anrührend“ und „ergreifend“ in beiden Fällen nur das Wort „moving“ kennt, bei letzterem zusätzlich nur den Allerweltsbegriff „touching“, der wird in einer Zeit, in der man meint, alles politisch sezieren zu müssen, auch nicht nachempfinden können, dass man Dinge zu aller Zeit auch mit „interesselosem Wohlgefallen“ genießen konnte und auch heute noch kann.

Der Kanadier scheinen noch in der „Ermutigungsphase“, um auf Beethovens Level zu kommen, wenn Terauds schreibt:

Besides, shouldn’t we be encouraging — and showcasing — Canadian composers who might be able to galvanize us into attention with something homegrown?

Wohl noch keinen gehabt, der große Symphonien komponieren kann. Vielleicht kann der ja Trudeau überzeugen für sein links-gender-multikulti-Land eine passende Symphonie für großes Orchester schreiben zu lassen. Ein Anfang ist schon gemacht, worauf man aufbauen kann.

Mein Favourit!

 

 

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3 Gedanken zu “Der Neid der Unmusikalischen.

  1. Hat dies auf HEIMDALL WARDA – Die das Gras wachsen hören rebloggt und kommentierte:
    Das hat gesessen! Es ist sehr wahrscheinlich nicht nur Neid, sondern ehrlich ausgesprochenes Unverständnis bis vollkommene Ignoranz, das Menschen derartige Äußerungen tätigen läßt. Vielleicht ist es auch ganz einfach die linkstypische ANTI Haltung, der egal ist, was sie kritisiert und von angeblichen Sockeln stürzt, hauptsache es stürzt möglichst laut und geht dabei kaputt. Im Grunde ist die Zeit dieser Hohlköpfe vorbei und man muß nur noch mit einem halben Ohr hinhören.

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