Einmal ein richtiger Mann sein!

In einem Gespräch mit dem Kabarettisten Erwin Pelzig meinte Seehofer:

Die, die entscheiden, sind nicht gewählt und diejenigen, die gewählt sind, haben nicht zu entscheiden.

Wer die Nachrichten einigermaßen durchgehend verfolgt hat, der wird seit gestern Abend etwas festgestellt haben, vorausgesetzt er kann sich noch an die letzten drei Wochen erinnern. Dort hatten sich die Medien teilweise schon so positioniert, dass ein Ende Merkels nahe wäre, sodass es sogar wieder sowas wie ein politisches Spektrum in den Medien gab. Bild vermeldete am 14.06.2018

Kanzlerin Merkels Asylpolitik findet wenig Rückhalt in der Bevölkerung. Der aktuelle ARD-Deutschlandtrend zeigt: Die Mehrheit der Deutschen unterstützt den Kurs von Innenminister Horst Seehofer.

Die Zurückweisung bestimmter Flüchtlinge an der Grenze befürworteten 62%, die CSU stand geschlossen hinter Seehofer. Man hatte das Gefühl, dass sich die merkeltreuen Journalisten teilweise neu positionierten, um gleich richtig im Wind zu stehen. Nun ist seit gestern abrupt etwas eingetreten. Auf allen Nachrichtenkanälen geben sich die Politik“wissenschaftler“ die Klinke in die Hand und geben nun Seehofer die Schuld an der Eskalation. Sie schieben es teilweise auf seine Eitelkeit und seine persönliche Abneigung gegenüber Merkel. Der Inhalt des Ergebnisses des EU-Beschlusses wird nicht mehr diskutiert, als würde der jetzt umgesetzt. Dass der Kompromiss auf reinem Wunschdenken beruht und den Versuch, eine Lösung in die ferne Zukunft zu schieben, wird nicht mehr erwähnt. So wie ich hier geschrieben habe, wird die „europäische Lösung“ mit dem von Merkel favorisierten EU-Beschluss einfach geleichgesetzt. Dass viele eine EU-Lösung wollen, in der Zwischenzeit die nationalen Grenzen aber gesichert sehen wollen, wird gar nicht in Betracht gezogen. Während die Menschen gerade jetzt spüren, dass es bei uns noch eine Demokratie gibt, wo man von der Straße und durch Umfragen Druck machen, kann, dass endlich etwas konkret in der Sache bewegt wird, sehen die Politexperten vom Dienst gleich wieder die Demokratie in Gefahr. Der dümmste Kommentar kam von Professor Oberreuter aus Passau, der wohl zu Lange im universitären Steuersaft gegart hat.

Wenn die Irrationalität auf die Spitze getrieben wird, ist es ein gutes Zeichen, wenn dann eine starke Gruppe zur Kenntnis nimmt, dass die Ergebnisse von Frau Merkel in Europa zumindest ein Ansatzpunkt sind, von dem aus man – sozusagen – weiterkämpfen kann. Natürlich wäre die CSU falsch beraten, wenn sie sagen würde: Ok, das war’s. Sie muss bei dem Thema den Daumen draufhalten und auf Konkretisierung drängen. Aber es wäre ja ein Einstieg gewesen in eine vernünftige Strategie der Sicherung und der Kontrolle.

Irrationalität des Vorschlags von Seehofer und der Forderung endlich mal was Konkretes zu bewegen? Frau Merkels Ergebnisse sind ein Ansatzpunkt, wo man weiterkämpfen kann? Hilfe! Der Herr sollte nicht dauernd in seiner Uni hocken oder im migrationsbefreiten Stadtteil seines Wohnorts. Die Frau hat schon vor drei Jahren nur gelabert, als man alles noch schönreden konnte. Hätten die ihren Arsch bewegt, hätten sie eine Lösung gehabt, als die ersten Bürger merkten, dass hier nicht nur Fachkräfte kommen, sondern Leute, die sich eingeladen fühlen, hier Sozialleistungen abzugreifen und den einheimischen Frauen nachzustellen. Die ist die letzten Jahre auf ihrem Hintern gehockt und hat Symbolpolitik gemacht. Und warum ist das nicht aufgefallen? Weil die ganzen EU-Gesetze in allen Bereichen durch die Anwälte von Lobbyisten vorgefertigt sind zum einfachen Abnicken. Jetzt wo die EU-Eliten unter Druck der EU-Bürger zum Handeln gezwungen werden, sieht man wie unfähig und weltfern die sind. Wer einigermaßen Grips hat, überprüft die Tragfähigkeit seiner Lösung damit, dass man sich in die Position der Gegenseite hineinversetzt und den worst case annimmt. Wenn sie über Ankerzentren in Nordafrika fabuliert, müsste sie sich fragen, ob die überhaupt jemand geschenkt möchte. Ihre Vorstellungskraft reicht nicht, sich vorzustellen, was los ist, wenn man 1000 junge Männer, teilweise gewaltbereit mit unterschiedlichem Glauben, am besten zusammen mit einer Hand voll Frauen, in einem Lager unterbringt.

Das wird in den Medien jetzt vollkommen ausgeblendet. Fast befindet man sich wie die letzten Jahre wieder im Sperrfeuer der merkeltreuen Journale, die alles kritiklos supi findet, was EU und Merkel machen. Und plötzlich tauchen wie aus dem Nichts gleich die passenden Umfrageergebnisse auf.

Im aktuellen Streit über den Umgang mit Flüchtlingen wünschen sich 75 Prozent der Deutschen eine Lösung auf europäischer Ebene. Nur jeder Fünfte fände es sinnvoller, eigene nationale Lösungen anzustreben.

Ach was. Da haben jetzt zwei Drittel auf die Schnelle ihre Meinung geändert. Und selbiger Oberreuter meinte mittags in einem Interview auf B5, dass die Bürger keinen Streit wollen, sondern politische Stabilität. Da sollen also lieber politische Versager, die die Stabilität Deutschlands durch Nichtstun oder „humanitäre“ Entscheidungen seit drei Jahren gefährden, an der Macht bleiben; Hauptsache unveränderte Harmonie, wo sich alle die Eier kraulen. Sind die Deutschen so blöd oder will man uns damit nur diese neuste Umfrage einigermaßen glaubhaft unterschieben?

Obama hätte die irrlichternden Politiker und Journalisten der letzten Tage nicht so hängen lassen. Die Transatlantiker hätten längst die Fäden gezogen. Nun hat man wohl von anderer Seite durchgesteckt, dass man Merkel noch brauche, um die Migration nach Europa am Laufen zu halten. Und plötzlich versammeln sich nach Aussage eines CDU-Politikers (heute tgesschau24, Name weiß ich nicht mehr) alle einhellig hinter Merkel, dabei kann ich mich erinnern, dass die Unterstützung in der CDU auch schon gebröckelt ist. Aber wer von denen möchte nicht seine Job bis zum Ende der Legislaturperiode behalten?

Wir werden nie erfahren, woher der plötzliche politisch-mediale Umschwung gekommen ist, doch die Seite muss über erhebliches Druckpotential verfügen. Der Tod von Rowedder und Herrhausen zeigte, dass die vor nichts zurückschrecken.

Nach Zahlen, die ich heute Mittag gelesen habe, schwindet auch der Rückhalt für Seehofer in der eigenen Partei. Aus der völligen Geschlossenheit wurden in kürzester Zeit 48% für ihn und 49% gegen ihn.

Seehofer persönlich kann politisch nichts mehr gewinnen und wird auch gegen die EU-Eliten im Hintergrund nicht ankommen. Doch er könnte den Bruch riskieren und die ganze Quatschbude zum Einsturz bringen oder zumindest merklich in Bedrängnis bringen. Vielleicht denkt er bei sich nach 40 Jahren Winden, sich verbiegen lassen und Schönreden:

„Heute Horst, wirst du zum ersten Mal ein richtiger Mann sein!“

 

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8 Gedanken zu “Einmal ein richtiger Mann sein!

  1. „Heute Horst, wirst du zum ersten Mal ein richtiger Mann sein!“

    Nein, wird er nicht !

    Wer eine Merkel als Chefin akzeptiert, hat schon verloren.
    Wenn ein Maas als Außenminister gut ist, dann weiß ein Innenminister, wie er einsortiert wird, -von der Dame-, nämlich genau so.
    Der Selbstwert eines Mannes sollte ein anderer sein.
    Ich empfinde fast schon Mitleid mit ihm, nachdem ihm jetzt sogar die eigenen Leute in den Rücken fallen, kann man noch infamer sein ?

    ….und jetzt haben wir die perverse Situation, dass ein Drehhofer einen auf Haltung und Konsequenz macht, während ein Söder einen Affenzirkus über Grenzschutz veranstaltet und vortäuscht, nun wohl der neue Drehsöder ist.
    Liebe eingesetzte Polizisten, macht euren Dienst, aber erwischt um Gottes Willen keinen von diesen Kerlen, und wenn doch, bring ihn unauffällig in die nächste Aufnahmestelle. Sonst Bastonade !

    Hat die CSU noch Männer, so richtig mit Haltung, Standpunkt und Konsequenz, ein Mann, ein Wort und so, …..außer dem wendigen Herrn Seehofer ?

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  2. Uns würde ja wirklich einmal interessieren, wer denn die sind – und zwar mit Namen und Adresse – die da nicht gewählt wurden, aber entscheiden. Da hätte Meister Pelzig vielleicht einmal nach stoßen sollen. Das ewige Gefasel von „den Eliten“ oder dem sog. „Tiefen Staat“ ist etwa so hilfreich, wie „nachts ist es kälter als draußen“.
    Wir möchten dazu wärmstens auf folgendes Interview verweisen, und wir empfehlen, achtsam zu lauschen, besonders der Antwort auf die Frage (ab 8:40):

    Wir fanden da einen „Verdacht“ bestätigt, den wir schon seit längerem hegen.

    Zudem glauben wir: Man ist sich wohl durchaus bewußt, hier eine „ganz üble Suppe angerührt“ zu haben, fürchtet nun aber, jede weitere „Zutat“ könnte die „Brühe“ in so etwas wie Glycerintrinitrat verwandeln.

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    1. Seehofer ist einfach nur ein Weichei. Natürlich haben gewählte ihren Entscheidungsrahmen. Allerdings ist die deutsche Verfassung auch nicht besonders gut, d.h. ein Entscheider wird selten direkt gewählt. Gäbe es Gewaltenteilung in D, dann hätte der Ministerpräsident einen unabhängigen Bereich vom Parlament und würde auch unabhängig gewählt. Aber die Deutschen halten halt ihre Verfassung für die beste und entsprechend kann man dann nur Listen wählen oder Parlamentarier, deren Einfluss herzlich gering ist.

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      1. „Seehofer ist einfach nur ein Weichei.“
        Vielleicht ist er weder Weichei noch Macher.
        Berufsmäßige Herkunft Amtssekretär, karrierefördernd Rot-Kreuz-Mafia (Rettungszweckverband), Hobby oder Neigung Miniatureisenbahn. Die Grundentscheidung eines jeden Verwaltungs- oder sonstigen Beamten ist erst einmal, ich will oder kann nicht für mich selber sorgen, ich will unter einen Rock.
        Taktik im Kleinen recht gut, politische Strategie heillose Überforderung.
        Das Denken im Kleineisenbahnermilieu beschränkt sich auf Weiche links und Weiche rechts, manchmal eine neue Weiche, aber immer auf dem Gleis bleiben, dann geht auch alles seinen Gang.
        Körperlich groß und egozentriert kam er gut voran.
        Er hat sich halt erfolgreich durchgemerkelt, was auch sein besonderes Verhältnis zu dieser Dame gut erklärt, wären beide nicht narzistisch, sie kämen gut miteinander aus.
        Wäre er rechtzeitig in einen Schachverein eingetreten, hätte er seine Grenzen schnell erkannt oder aber hätte gelernt, dass ein Denken und Entscheiden Zug um Zug ohne Gesamtstrategie zu einem nicht kalkulierbaren Ergebnis führt.
        Oder aktuell betrachtet, welche Wege wären zielführend und schadensvermeidend in der Asylkrise gewesen, wenn er wirklich etwas hätte erreichen wollen.
        Jetzt hat er mit seinen Weichenstellungen jedes Ziel verfehlt und immensen Flurschaden hinterlassen.
        Ich denke, dass seine doch recht erfolgreiche Karriere zeigt, er ist kein Weichei, sich in der CSU durchzusetzen erfordert schon auch erhebliche Härte.
        Letztendlich ist er ausführender Beamter geblieben, Entscheider mit Verantwortungsübernahme und Standpunkt ist er nie geworden, hat ihm offensichtlich auch keiner gesagt. Eigentlich ideal für ein Kabinett Merkel !
        Aber was ich überhaupt nicht verstehe, ist, wie Wähler (auch die Parlamentarier und CSU-ler haben ihn gewählt) einem Mann vertrauen können, dem nicht einmal seine Ehefrau vertrauen kann. Schon hart.
        Jetzt haben wir halt einen lame-duck-Innenminister !

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      2. Ja, du hast recht. Das war auch vereinfachend von mir gesagt. Ich meine nur, dass er den sterbenden Schwan bei dem Zitat gemimt hat. Gerade als bayrischer Ministerpräsident hat er Spielraum. Ich halte ihn auch für einen der wenigen verbliebenen richtigen Männer in der Union. Ich denke auch, dass er weder blöd noch untaktisch ist. Das Problem ist mMn einfach, dass man in einem Meer von Weicheiern keinen Umsturz organisiert kriegt. Seine private Untreue ist nicht mein Bier, aber politisch verlässlich ist er auch schon länger nicht mehr.

        Ein Stoiber hat die Erklärung 2018 auch nicht unterschrieben, obwohl er faktisch schon seine Karriere hinter sich hat. Von Alice Schwarzer bin ich total enttäuscht. Bei der hätte ich einen Sprung an Merkels Gurgel erwartet. Ein Seehofer oder ein Söder allein bringen das Merkel nicht zum wackeln. Die sind auch zu machtorientiert. Die sind maskulin genug, einen Silberrücken anzugreifen, aber nicht, um sich für die Gruppe zu opfern. Eine soldatische Grundhaltung geht denen ab.

        Einen Flurschaden bei den Versuchen sehe ich aber auch nicht. Da muss man ein paar mal durch bis was klappt.

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  3. Ach Herr Goldstein, wir müßten da jetzt wieder „Klugscheißen“, und wir wissen noch nicht einmal, ob wir da so richtig liegen. Ihr seid die Experten der Demokratie. Wir glauben, das mit diesem Begriff einige Illusionen grundsätzlicher Art verbunden sind.
    Etwas weniger fernliegend nur soviel:
    Wir glauben, daß die Konstruktion der deutschen Verfassung nicht das entscheidende Problem ist, sondern die Tatsache, daß wesentliche, wenn nicht gar die wesentlichsten Kompetenzen, d.h, Gestaltungsbefugnisse, bei Institutionen der EU liegen – wobei solche zunächst übertragen wurden, was aber im weiteren dazu führte, daß auf europäischer Ebene Kompetenzrahmen sukzessive ausgeweitet wurden und werden. Wenn man sich die rechtliche Ausgestaltung des so hoch gehaltenen Subsidiaritätsprinzips etwas genauer ansieht, verwundert das nicht.
    Man merkt auch ganz deutlich bei Interviews oder Gesprächsrunden im Beisein von EU-Parlamentariern,
    daß selbige z.T. eine andere Sichtweise vertreten, was an sich verständlich ist.
    M.E. müßte die Direktwahl des EU_Parlaments beseitigt, und durch eine Vertretung, welche sich aus Angehörigen der jeweiligen Landesparlamente der EU-Mitglieder zusammensetzt, und welche mit abgestuften, z.T. auch weiteren, Entscheidungsbefugnissen auszustatten wäre, ersetzt werden.
    Da das nicht geschehen wird, ersparen wir uns hier eine Darstellung unserer Überlegungen, welche zu dieser „ganz tollen Idee“ geführt haben.

    Übrigens: Man kann, oder konnte, ähnliche Prozesse auch im Bund-Länder-Verhältnis beobachten, z.B. im Bereich der sog. konkurrierenden Gesetzgebung oder bei Fragen der Zustimmungsbedürftigkeit der Gesetzgebung des Bundes (eine Methode ist da die Zerlegung in Teile, die jeweils für sich nur eine Einspruchsbefugnis des Bundesrates begründen und nach und nach zur Entscheidung vorgelegt werden – „bis es kein Zurück mehr gibt“; das ist zwar „verboten“, aber sich dagegen zu wenden, setzt voraus, zumindest erkennen zu können, daß es sich um eine „Teilgesetzgebung“ im o. g. Sinne handelt).

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