Lustig ist anders.

„Verstehen sie Spaß“ mit Nervensäge Guido Cantz ist einer der wenigen Sendungen, die man als Hintergrundrauschen noch ertragen kann. Ich habe gestern zufällig drei der Verarschungen mitbekommen und das Gelaber von zwei Influencer. Das was ich gesehen habe, sagt auch viel über unser Land aus und das ist nix Gutes.

Bei einer war Tim Mälzer an einer Schule, um mit einer Klasse zu kochen, wurde dabei von einer Hauswirtschaftslehrerin genervt und die Schüler durften Fragen stellen. Die Fragen waren irgendwie unter der Gürtellinie. Da fragte einer sinngemäß, ob er sich auch schon eine Diät gekocht hätte, weil er so „fett“ sei. Melzer reagierte ganz souverän. Vor dreißig Jahren hätte so ein Schüler wohl einiges zu hören bekommen, vielleicht, ob er sich nicht seine „Pickelvisage“ operieren lassen möchte, denn das ist viel schlimmer als dick zu sein. Doch heute geht man als Erwachsener völlig selbstverständlich davon aus, dass Kinder völlig respektlos auftreten dürfen und entsprechend beleidigende Fragen stellen können und sie dafür auch noch ernst nimmt. Womöglich liegt es daran, dass viele Erwachsene sich inzwischen genauso infantil verhalten und sich zum gleichwertigen „Partner“ herablassen, anstatt ihnen einen Rahmen des Anstandes vorzugeben. Und damit meine ich nicht die ganzen sprachpolizeilichen Aktivisten, die wohl Schnappatmung bekommen hätten, wenn der Schüler das Wort „Neger“ oder „Schwuchtel“ verwendet hätte, sondern, dass man Erwachsene im normalen Umgang mit Respekt behandelt. Die Reaktion von Tim Mälzer zeigte, dass man mit so einer „Verarsche“ vielleicht vor dreißig Jahren landen konnte, heute ist das normaler Umgangston.

Dann kam ein Fahrlehrer, der eine dauertelefonierende, völlig kenntnisbefreite Schülerin unterrichtete. Wahrscheinlich malten sich die Macher schon aus, wie der Fahrlehrer mit hochrotem Kopf ausflippt. Weil der Fahrlehrer jedoch immer freundlich blieb und seinen Job hoch professionell machte, musste man Kleinigkeiten durch die Zusatzmoderation mit „lustigen“ Kommentaren aufpeppen, zum Beispiel als er auf den Fahrersitz wechselte und erst vergaß den Sitz zurückzustellen. War das lustig, dass er das mit seinen „dicken Bauch“ nicht gleich merkte! Den Machern scheint entgangen zu sein, dass es der größte Lacher wäre, die heutigen Fahrschüler live bei der Fahrstunde zu filmen. Von einem Fahrlehrer weiß ich, dass früher einer von zehn einen Schatten hatte, heute sind es neun von zehn. Was da zum Beispiel vorfällt, habe ich hier schon mal geschrieben. Wahrscheinlich hat der im richtigen Leben schon ganz andere Vollpfosten gehabt, als die, die man ihm hier untergeschoben hat. Und wie oben fällt auf, dass man dieses infantile und respektlose Verhalten als völlig normal erachtet. Heute denkt man da wirklich als letztes an eine versteckte Kamera.

Im Gegensatz zu den meisten Promis reagieren vor allem die männlichen Opfer, die man bei der Arbeit versucht zu verarschen, in keiner Weise überdreht, sondern weitgehend beherrscht, weil denen täglich Leute unterkommen, wo man dann wirklich beweisen muss, dass man noch Spaß versteht.

Die Krönung war aber die vermeintliche „Verarsche“ eines Teppichverlegers. Der musste allein einen wirklich großen Teppich in einem Zimmer mit einem Haufen Ecken verlegen. Da stand ein heimlich zu bewegender Ofen, so dass der Teppich wahlweise Fugen öffnete bzw. Wellen warf. Die einzelnen Opfer arbeiteten wirklich beeindruckend professionell und genau, da passte wirklich alles hundertprozentig. Nun muss man sich vorstellen, dass die normalerweise unter Zeitdruck sind und das schlimmste was passieren kann, ein Schaden ist, der dem Betrieb ein Haufen Geld kostet (hier vielleicht einige Hundert Euro) oder zu deutlichen Verzögerungen führt. Da ist ein Anpfiff vom Chef noch das geringste Problem, wenn man nicht gleich entlassen wird. Während auf der einen Seite der Wand die Fachleute versuchten, den vermeintlichen eigenen Fehler zu beheben, hockte hinter der Wand ein Dödel, der sich darüber einen Spaß machte und dabei bei jeder neuen Aktion grinsend die Glubscher wie ein grenzdebiler Soy-Boy aufriss, während der Arbeiter langsam in Panik kam und wohl seine Existenz davonschwimmen sah. Zeitweise erschien der Auftraggeber oder die Sekretärin im Zimmer und gaben ihm einen Vorgeschmack, was ihm sein eigener Chef wegen dieser Unfähigkeit blasen würde.

Den professionellen Bespaßern ist entgangen, dass sich nur ein Land, in dem täglich und verlässlich auch vermeintliche niedere Dienste professionell und mit viel Sachverstand ausgeführt werden, solche Hohlköpfe wie sie für die banale Unterhaltung durchgefüttert werden können.

Deren geistige Beschränktheit ist so groß, dass man Angst haben muss, dass das Opfern eines Teppichverlegers nicht das Ende sein könnte. Wie wäre es im Krankenhaus die für jeden Patienten beschrifteten Medikamente nachträglich zu ändern? Den Refugee-Welcome-Medien ist ja entgangen, dass die Schwestern und Pfleger dauernd unterbesetzt sind und neuerdings mit kulturellen Eigenheiten bis zu körperlichen Angriffen herumschlagen müssen, dass die, wie ich aus erster Hand weiß, immer am Rande stehen einen schwerwiegenden Fehler zu begehen und zwar nicht, weil sie unprofessionell arbeiten würden.

Versuchen sie mal einen Busfahrer in der Großstadt, einen Zugbegleiter, einen Lehrer oder Polizisten in dieser Weise wie oben zu bespaßen, wenn denen schon lang das Lachen vergangen ist. Die reagieren im ersten Moment nach der Auflösung wie die obigen Teppichverleger. Die sind völlig erleichtert, dass dieser Kelch an ihnen vorübergegangen ist, und es ist ihnen alles andere als zum Lachen zumute. Dieses Ereignis wird, auch wenn es ein Fake war, tief ins Bewusstsein einbrennen, weil man an das Gefühl völliger Ohnmacht erinnert wird. Ich weiß von diversen Baustellen, wie sich die Nackenhaare aufstellen, wenn sich durch eine Unachtsamkeit die Situation anbahnt, dass der ganze Laden steht oder ein riesiger Schaden produziert werden kann. Da fühlt man sogar mit jedem Kollegen.

Ein Guido Cantz meint, dass es überall mit ein bisschen dummen Geschwätz läuft wie in den Geisteswissenschaften oder in ihrem eigenen Laden, wo nicht mal mehr die größte Lusche einen Schaden anrichten kann und nur der Illusion einer Tätigkeit nachgehen. Verarscht doch mal eine Genderforscherin, wie viele Geschlechter sie schon gevögelt hat oder geht in eine Moschee und macht Euch über das Bückbeten lustig. Schließlich habt ihr bei der Kirche auch keine Berührungsängste.

Dass nur das Deutsche Fernsehen eine derartige gequirlte Scheiße in diesem Format produziert, sieht man an der französisch-kanadischen Ausgabe Just for laughs. Ohne das Ganze überflüssige Gelaber schaffen die es, was wirklich Lustiges zu produzieren.

So in den Augenwinkeln habe ich mitbekommen, dass auch Tim Mälzer die Verarsche der Teppichverleger völlig daneben fand und zog ein Versprechen gegenüber Guido Cantz zurück, ihm nach der Sendung Sushi zu servieren. Beim Schwenk ins Publikum war aber klar, dass die nix kapiert haben. Das sind die Leute, die den zwei talentfreien Influencern, keine Ahnung wie die geheißen haben, freiwillig das Geld für blödes Gesülze und ein bisschen Sing-Sang hinterherwerfen, widerstandlos GEZ-Gebühren für Dauerpropaganda und seichteste Unterhaltung entrichten, aber den Mindestlohn für einen Handwerker, den sie ins Haus kommen lassen, als für völlig ausreichend erachten.

Früher konnten die „Opfer“ noch selbst darüber lachen, wenn man sie drangekriegt hat. Heute zeigt man dem Cantz danach den Stinkefinger (Mälzer) oder würde ihm am liebsten in die Eier treten. Spätesesten dann dürften sie merken, dass man beim Spaß auf Kosten anderer nicht jemanden buchstäblich opfern muss, damit es lustig ist.

 

 

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5 Gedanken zu “Lustig ist anders.

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