Lobos Welt.

Ich suche ja gerne im Netz nach Blogs und Seiten, die nicht konservativ sind, um auch die andere Seite zu hören, denn, wenn ich wohin verlinkt werde, wo sich die Foristen mit „Heil Kamerad“ begrüßen, dann glaube ich nicht, dass ich da was erfahre, was ich wissen müsste. Bei dem Stichwort „nicht rechts blog“ kam ich auf eine Seite, wo es hieß: Stark! Dreißig Bloggerinnen haben viel zu sagen. Nachdem ich alle geprüft hatte, musste ich aber feststellen, dass sich die Themen „vegan“, „Mülltrennung“, der „Blick auf die Welt aus friedenspolitischer und queerpraktischer Sicht“ und „feministische Mutterschaft“ anscheinend schon totgelaufen haben, wenn man die dürftige Anzahl der Veröffentlichungen sieht. Lohnte sich trotzdem, um zu sehen wie Frauen so ticken.

Die Suche „gegen rechts blog“ brachte dann die üblichen Verdächtigen, die über jedes Lagerfeuer von drei Nazis im Hinterland berichten (wie „Störsender“), als würde hier die zukünftige Hauptstadt der Bewegung liegen, oder die Blogs, die an die Mainstream-Tageszeitungen angegliedert sind, wo man die Argumente wiederholt, die sie vorher in ihren Blättern veröffentlicht haben. Kann man sich schenken.

Am Ende blieb mir nur Sascha Lobo mit einem einstündigen Vortrag über die nicht-rechte Sicht der Dinge. Der studierte zuerst Publizistik, dann Lebensmitteltechnologie und dann Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation. Was prädestiniert ihn eigentlich, dass er uns damit die Welt erklärt?

Der Vortrag handelt von der größten Bedrohung der Welt, nämlich- Überraschung- „Rechte und Rechtsextreme“. Damit ist alles gemeint, was nicht links ist. Allerdings verneint er das. Die anderen sind für ihn die „nicht-rechtsextreme Zivilgesellschaft“. Ich finde aber, dass die ANTIFA und die Grünen nicht mehr zur Zivilgesellschaft gerechnet werden können. Natürlich sind dann für ihn die AfD, die CSU und Teile der CDU auch rechtsextrem. Am Anfang zeigt er eine bedrohliche Europakarte, auf der eingezeichnet ist, wo „Rechtsextreme“ im Parlament sitzen, an der Regierung beteiligt sind bzw. sie stellen.

Es ist wirklich schwere Kost, wenn er jedes Wort bedeutungsschwer herauspresst, anstatt so zu reden wie normal. Er meint, dass die Konservativen den Leuten das Versprechen geben, sie vor der Andersartigkeit zu schützen und viele deshalb dafür anfällig sind. Diese Parteien verbreiten natürlich Hass, Rassismus, Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus usw. also die übliche Platte. Es genüge aber nicht, nur einfach dagegen zu sein, denn die Rechten sehen alles nur durch das Gefühl, müssten sich nicht an die Wahrheit halten und böten nur einfache Lösungen an.

Ach was. Ich kann mich jetzt nicht erinnern, dass sich die Parteien der nicht-rechtsextremen Zivilgesellschaft groß an die Wahrheit halten würden, wenn sie uns weißmachen, wir könnten allein mit regenerativer Energie auskommen, der Islam wäre Frieden oder es kämen nur Fachkräfte, Frauen und Kinder. Angst oder das Gefühl damit bei den Guten zu sein, sind ja die Haupttriebkräfte, warum wir jeden politischen Blödsinn mitmachen sollen.

Sasha Lobos Lösung ist ein „offensiver Sozialliberalismus“. Er sagt, wir müssten die „liberale Demokratie“ verteidigen. Das „liberal“ wird jetzt deshalb immer angehängt, weil ein Land mit einer demokratisch gewählten Regierung, die das ganze linke Tralala nicht mitmacht, für „liberale Demokraten“ keine echte Demokratie ist.

Ich kämpfe für eine Gesellschaft, in der eine jüdische, arbeitslose, lesbische She-Male im Bikini betrunken knutschend an jedem Ort mit einer stillenden schwarzen behinderten Ex-Muslima mit Kopftuch auf der Straße tanzen kann – ohne Angst um ihre Existenz haben zu müssen.

Ja, Sasha. Vor zwanzig Jahren konnte man das in Deutschland fast überall noch haben. Die hätte zusätzlich noch von einem anderen Planeten kommen können, hätte es keinen interessiert.  Die liberale Demokratie wie sie die letzten Jahre praktiziert wurde, hat aber dafür gesorgt, dass das jetzt nicht mehr möglich ist, ins besondere auch nicht in Deiner Multi-Kulti-Wunschwelt wie wir sie aus Berlin oder Duisburg kennen.

Dann sinnierst Du darüber, warum intellektuelle, alte weiße Männer nach rechts driften. Du lässt nicht gelten, wenn die sagen, dass das, was sie jetzt sagen, vor 20 Jahren links gewesen wäre. Du behauptest, sie könnten nicht ertragen, dass sie die Deutungshoheit verloren haben. Sie hätten einen „Hang zur geschwätzigen Erklärung ihrer eigenen Person“ und sie könnten nicht ertragen, dass zum Beispiel jetzt eine Frau Bundeskanzlerin wäre. Sie hätten einen „heroischen Penis als Politorgan“ und „projizieren ihre inneren Konflikte auf die Welt“. Das klingt eher nach dem Neid und dem Wahrnehmungsknick eines Hirnlosen. Ich halte jetzt einen Rüdiger Safranski, einen Sloterdjik oder Tichy nicht für den Schlag, der seine Eitelkeit an der Zustimmung einer linken Mehrheit gesundstoßen müsste. Die gehen davon aus, dass sie nicht von allen gelesen werden und das, was sie sagen oder schreiben, wird nicht erst dadurch veredelt, weil es die Mehrheitsmeinung wird oder sie damit die Deutungshoheit haben.

Wenn es um die Projektion innerer Konflikte auf die Welt geht, dann sind doch die, die sich für links halten, besonders anfällig. Sind es nicht Feministinnen und Weltverbesserer, die es nicht ertragen, wenn man sie nicht ernst nimmt, weil ihr ganzes Ego davon abhängt? Frauen, die weder Kinder noch Mann haben, glauben sie müssten als Fürsorgeersatz, die ganze Welt retten und wollen das auch den anderen aufnötigen. Im Übrigen sind Linke in den USA laut Umfrage unglücklicher als Konservative, muss wohl an diesen „inneren Konflikten“ liegen.

Lobo behauptet, dass „konservativ“ bedeutet, nach 20 Jahren linke Ideen zu übernehmen. Stimmt, wenn er damit die CDU/CSU meint. Dazu waren aber die Erzeugung eines schlechten Gewissens und Schuldgefühlen, Diffamierung und Stigmatisierung nötig und das Kapern sämtlicher ÖR-Medien als Propagandainstrument. Die Ideen selbst waren trotzdem Müll. Kein Wunder, dass man für die Positionen, die die CSU vor drei Jahrzehnten hatte, in Lobos Augen heute als rechtsextrem gilt. Allein im Vergleich zum (noch) konservativen, bayerischen Schulsystem sieht man, wohin diese tollen Ideen in anderen Bundesländern geführt haben.

Er sieht heute einen Kampf zwischen autoritär und nicht-autoritär. Autoritär ist für ihn, so interpretiere ich das, wenn man bestimmten Entwicklungen Grenzen setzt, so wie es Ungarn und Österreich tun. Lobo vergisst aber, dass das Volk sie dafür gewählt hat. Jens Spahn ist in dieser Hinsicht auch ein rotes Tuch für ihn, denn für ihn heißt „konservativ“, dass man Veränderungen nur so langsam von statten gehen lässt, dass sie erträglich sind. Ich würde mal sagen, dass dies nicht eine der schlechtesten Ideen ist. Weil er wohl kein Gegenargument hat, wirft er ihm vor, dass er sich in seinem Amt als Lobbyist betätigt hatte. Wenn man bedenkt, wer sich unter den Linken als Lobbyist für Windradhersteller, Asylindustrie und Gegen-Rechts-Kämpfer betätigt, dann braucht er Spahn wirklich nicht extra dafür tadeln.

Gegen Ende fordert er eine nicht rassistische Betrachtung der Realität, Redlichkeit und überprüfbare Daten. Wer hat noch mal den Karren in dieser Hinsicht an die Wand gefahren? Die Linken würden heute noch ungehindert die Realität und ihre eigenen Visionen schönreden, gäbe es im Internet keine Gegenöffentlichkeit. Und jetzt winseln sie und fordern selbst etwas, was sie jahrelang über Bord geworfen hatten.

Jetzt soll es eine „offensive sozialliberale Demokratie“ richten und wie die aussieht, kann man sich schon denken. Die EU muss viel Geld in die Hand nehmen und investieren, um die soziale Unterschiede auszugleichen, dann hätte auch der Rechtspopulismus keine Chance. Da muss der „Staat“ wohl gut wirtschaften, um das ganze Geld zu verteilen. Lobo sieht nicht, dass die finanzielle Knebelung der Bürger jede Eigeninitiative abwürgt. Die wollen nichts geschenkt, sondern die wollen nicht, dass Steuergelder für jeden Klimafeministischen-multikulti-Regulierungskrimskrams verschwendet werden, um hier das vermeintliche Paradies auf Erden zu schaffen.

Für Sasha Lobo entstehen die Probleme nicht durch das Aufeinandertreffen verschiedener Ethnien, sondern durch die soziale Ungleichheit. Er bringt als Argument, dass die Mehrheit der Amerikaner die Multiethnizität als Bereicherung empfinden und meint dann, dass es in Deutschland nur 28% seien und wir schuld daran, dass sich die Türken immer noch ausgegrenzt fühlen. Ich bezweifle, dass die Amis bei der Bereicherung vorherrschend an ihre Moslems gedacht haben; wohl eher an Europäer und Asiaten. Deshalb hinkt dieser Vergleich völlig. Kriminalität hat für ihn „sozioökonomische Gründe“. Alles darf bei Lobo als Begründung herhalten, nur nicht die Ethnie, die Kultur oder die Religion.

Er will, dass die Probleme offen benannt werden und er versucht es zum Schluss seines Vortrages auch. Doch die Lösung ist für ihn wie für alle Linken immer die gleiche sozialistische Platte. Der Staat gibt das Geld dafür aus, die Ungleichheit zu beheben. Ich beraube die Fleißigen und schenk‘ es den Armen.

Jedes Konzept, das zur Lösung von oben übergestülpt wird, ist meiner Meinung nach zum Scheitern verurteilt, solange die Kommunen nicht auf unterster Ebene selbst regeln dürfen, was sie für richtig halten, sondern jeden EU-Blödsinn umsetzen müssen. Ich glaube, die Bürger wären auch zu Abstrichen bereit, solange wichtige Entscheidungen in ihrer Hand bleiben.

Zusammenfassend finde ich, dass Lobos Gehabe ein bisschen zu dick aufgetragen ist, für das, was er inhaltlich bietet. Es ist der Versuch, die Realität, die sich nicht mehr leugnen lässt, in sein linkes Weltbild zu integrieren, indem man Ursachen für Fehlentwicklungen einfach umdeutet. Seine Lösung ist wieder das Gleiche unter anderem Namen: Sozialistische Gleichmacherei.

Hätte ich mir vorher schon denken können.

9 Gedanken zu “Lobos Welt.

  1. Lobo ist soooooo 90er. Aber im Ernst es gibt echt keine queerfeministisch, antikapitalistisch und anti-islamophobe Boggerei. Der Markt ist komplett abgedeckt durch die Leitmedien. Kein „Chachila möchte in der Prostitution arbeiten, aber ihre Mutter verwährt der fünfjährigen ihren Traum“. In 5 Jahren ist die ZEIT soweit, aber wo ist die Avantguard?

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    1. Stimmt! Ich wollte es nicht schreiben, dass es keine linken Blogger gibt, denn vielleicht habe ich nur keinen gefunden. Aber es gibt wirklich keine und der Niggemeier schreibt, dass das größte Problem der Klimawandel wäre, Ruhrbarone verlinken nur den Mainstreamschrott. Und das ganze Feministengedöns lese ich nur zur Belustigung.

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      1. Kein Antirassismus. Nichts gegen Rechtspopulismus. Kein Anti-Trump. Null Remoanders (anti-Brexit). Jedenfalls nichts aus eigener Feder. Bei der Linken ist auch lange nix mehr originell. Selbst die queertheoretische Scheiße ist kalter Kaffee. Im Spam findest du einen Kommentar mit ein paar verbliebenen Links zu kleinen Bloggern. Es ist aber wirklich mau. Nichts was eine Konkurrenz zu Achgut oder Tichy mit Texten füllen könnte.

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  2. Mal so. Mir leuchtet die verfassungsmäßigkeit der GEZ überhaupt nicht ein. Also wäre es offiziell ne Steuer, okay. So ist es aber eine Enteignung. Jetzt ist die GEZ auf Zweitwohnung verfassungswidrig.

    Mein Problem…

    AUF WELCHEM VERFASSUNGSTEXT BERUFEN DIE SICH EIGENTLICH!

    Karlsruhe scheint komplette Narrenfreiheit zu haben. Die könnten auch Bundeskaffeesatzgericht genannt werden.

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