Die Angst vor „falschen Narrativen“.

Eine kurze Diskussion im Kommentarbereich hat mich dazu bewogen, noch mal ein Thema aufzugreifen, das von den Medien so behandelt würde, als wäre es irrrelevant, beträfe uns nicht und wäre nur ein Splin an den Universitäten. Es geht um Narrative.

Hinz und Kunz schwafeln heutzutage vom „Narrativ“

So die Überschrift zu einem WELT-Artikel. Dabei gibt es einen guten Grund, dass man dieses Thema so abfällig behandelt, weshalb ich es mal allgemeinverständlich behandeln will. Die Definition lautet:

Ein Narrativ ist eine sinnstiftende Erzählung, die Einfluss hat auf die Art, wie die Umwelt wahrgenommen wird. Es transportiert Werte und Emotionen,[1] ist in der Regel auf einen bestimmtem Kulturkreis bezogen und unterliegt dem zeitlichen Wandel. In diesem Sinne sind Narrative keine beliebigen Geschichten, sondern etablierte Erzählungen, die mit einer Legitimität versehen sind.

Das kürzeste Narrativ ist meine eigene Biographie. Da erinnere ich mich auch nicht an jeden Tag, sondern es ist eine zusammenhängende grobe Geschichte mit verschiedenen besonderen Ereignissen und Wendepunkten. Im Nachhinein sehe ich dann bestimmte Dinge mit der Zeit anders, als in der Zeit wie sie geschehen sind. Vielleicht war manche Arbeit doch überflüssig oder man hat sich in Menschen getäuscht. Ein ähnliches Narrativ gibt es über meine Familie, meinen Heimatort, das Land, Europa und die Welt. Aber auch darüber wie ich Frauen oder Männer sehe oder Entwicklungen in der Gesellschaft oder der Technik.

Mit der kompletten Geschichte, die jeder selbst darüber hat -und sei sie noch so lückenhaft-, legitimiert er sein Handeln und seine politische oder religiöse Gesinnung. Wegen der Legitimation für das Handeln sind stimmige Narrative so wichtig, weil ich damit auch meine eigene Position oder Macht legitimiere. Nicht nur Einzelpersonen legitimieren sich durch ein Narrativ, sondern auch alle Eliten, indem sie sich darauf berufen. Das lief solange reibungslos bis das Internet kam.

Nehmen wir als Beispiel einen einzigen Satz. Das ist auch ein Narrativ.

Syriens Präsident Assad führt Krieg gegen das eigene Volk.

Da braucht nichts erklärt werden, weil dieser Satz immer angereichert wurde mit Giftgas, Fassbomben, syrische Flüchtlinge usw., dass wir das im Kopf grundsätzlich mitdenken. Damit kann der Westen sein Eingreifen durch die USA im Verweis, dass man diese Unmenschlichkeit beenden muss, legitimieren. Das muss und soll gar nicht hinterfragt werden. Erweitern wir das Narrativ.

Syriens Präsident Assad führt Krieg gegen das eigene Volk und der Westen unterstützt verschiedene Oppositionsgruppen und leistet humanitäre Hilfe.

Dann kam der IS ins Spiel und man hatte in den Medien zunehmend Probleme zu unterschlagen, dass auch die sogenannten Oppositionsgruppen vom IS durchsetzt waren und es nicht um Befriedung ging, sondern um einen Regimewechsel, der schon lange vorher von den USA geplant war. Wer in Syrien als vermeintlicher Helfer auftritt wie die Weiß-Helme, sind nichts anderes wie ein westliches Propagandainstrument, um die passenden Bilder (also Narrative) zu liefern, und auch mit Terroristen keine Berührungsängste hatten. Medien und Politik versuchen mit allen Mitteln das ursprüngliche Narrativ zu erhalten.

Indem man ein Narrativ als solches erkennt und bezeichnet, distanziert man sich von ihm. Das kritische Bewusstsein, das Lyotard geweckt hat, ist ein glaubensverschlingender Moloch. Er kann gar nicht anders, als jede Art von Sinnstiftung zu verdächtigen, ein gemachtes Narrativ zu sein.

Dem Autor in der WELT passt es auch nicht, dass man den Mainstream-Narrativen an den Karren fährt, weil sie ja soooo sinnstiftend sein sollen.

Es werden bestimmte Dinge darum entweder verschwiegen, man berichtet einseitig oder kann gar nicht genug kriegen Hintergründe auszuleuchten, während man in anderen Fällen es tunlichst vermeidet, Zusammenhänge herzustellen, so dass manche Meldungen in Bezug auf das verbreitete Narrativ völlig unlogisch sind. Warum waren die Weiß-Helme immer vor Ort und durften in den Medien immer ihren Senf dazugeben, während sie nach der Befreiung in allen Fällen plötzlich verschwunden waren, anstatt dann über die Befreiung zu berichten? Nun sollen die Weiß-Helme von der NATO evakuiert werden, während die Syrer in die befreiten Städte zurückkehren. Das wird zwar beides gemeldet, doch niemand beschäftigt der Widerspruch. Der obige Autor wettert gegen „Narrative“, obwohl es die ureigenste Aufgabe von Journalisten wäre, die Mächtigen zu kontrollieren und deren Narrative zu hinterfragen, vor allem auch im obigen Fall.

Natürlich muss man nicht jedes einzelne Ereignis in die Waagschale werfen, damit auch Politiker ihr Handeln legitimieren. Das wäre auch für die Bürger ermüdend, sodass man den Kern des Narratives herunterbrechen muss. Das wissen auch deren PR-Leute, so dass es wichtig ist die Sprache zu beherrschen. Das Wort „Asyltourismus“ beinhaltet das Narrativ, dass hier auch genügend Leute kommen, um hier vorübergehend einfach abzukassieren. Das würde aber das Narrativ vom armen Flüchtling in Frage stellen, der von der „Asylindustrie“ (sic!), bemuttert werden will, während man die Bürger mit diesem Narrativ moralisch nötigt, jegliche negativen Auswirkungen klaglos hinzunehmen.

Dadurch, dass die verschiedenen Narrative über Syrien, Ukraine, Flüchtlinge, Euro und Europa, mit denen Politiker ihr Handeln legitimieren, inzwischen allmählich unter dem Druck des Internets bzw. der schlichten Realität zerbröselt, spaltet sich die Gesellschaft in die Öffentlichkeit, die die offiziellen Narrative glaubt, und einer Gegenöffentlichkeit, die diese gerechtfertigter weise hinterfragen. Dabei lenkt die Gegenöffentlichkeit im Netz ihren Blick auf die Widersprüche der offiziellen Narrative, versuchen sie aber darüber ein anderes Narrativ zu verbreiten, dann heißt es sofort „Verschwörungstheorie“. Immer ein gutes Stichwort in diese Richtung weiter zu suchen.

Ich habe in einem früheren Artikel schon ausführlich auf ein mögliches übergeordnetes Narrativ, das sich aus der Kulturgeschichte der Menschen ergibt, hingewiesen und es begründet. Es ist ein gutes Handwerkszeug, wo man suchen muss, deshalb will ich es kurz wiederholen:

Beständige Macht braucht vier Faktoren:

  1. Die Macht, zu bestimmen, wie viel Geld jemand besitzen darf: Könige, Regierungen, Banken usw.
  2. Militärische Macht.
  3. Eine (pseudo-)transzendente Rechtfertigung: Götter, Gott, Allah, Kommunismus u. a. politischen Ideologien, Klimawandel
  4. „Verkünder“: Früher Priester, Boten, Geschichtsschreiber; heute die Medien, Kultur-u. Wirtschaftseliten, Universitäten, die diese (pseudo-) transzendente Rechtfertigung unter die Leute bringen.

Jedes bisherige Reich ist immer dann untergegangen, wenn einer dieser Faktoren ausgefallen ist und alle anderen damit hinweggefegt hat. Denn alle vier sind und waren immer eng miteinander verbandelt. Man denke an den Spruch: Halt du sie dumm, ich halt sie arm! Eine militärische Niederlage hat früher auch den göttlichen Bestand oder das politische System delegitimiert. Dazu natürlich auch die Könige und deren „Verkünder“.

Warum wehren sich Medien, Politiker und Universitäten so, wenn das offizielle Narrativ hinterfragt wird? Warum nennt man diejenigen, die den menschengemachten Klimawandel in Frage stellen oder die Gender-Theorien „Klimaleugner“ bzw. Anti-Feministen, anstatt sich mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen? Warum gibt es in den USA den Militärisch-Industriellen-Komplex und die Medien beschäftigen ca.2000 ehemalige Generäle als Experten?

Mein vorgeschlagenes, übergeordnetes Narrativ mag man für „Verschwörungstheorie“ halten, doch auch die Medien können nicht umhin, dass sie deren Existenz unbeabsichtigt bestätigen. 2015 meldete n-tv

Das Establishment gegen Trump oder Cruz.

 Komisch, dass man bei der Suche „Trump gegen Establishment“ heute keine Artikel in den MM-Medien mehr findet bzw. höchstens den Begriff „Establishment“ für eine wirre Worterfindung hält. Würden dort unabhängige Journalisten arbeiten, könnte man ja mal interessehalber fragen, wer dort dazugehört und welchen Einfluss sie haben. Wenn ich selber dazugehöre, würde ich da aber auch nicht suchen.

Warum sehen die deutschen Geschichtsschulbücher so aus wie sie aussehen? Einfach mal „Die Schlafwandler“ lesen und vergleichen. Auch das Buch „Der Krieg, der viele Väter hatte“ ist zu empfehlen. Sie zitieren viele Zeitungsartikel aus den großen britischen und US-Tageszeitungen. Da könnte das Narrativ vom bösen Deutschen, der den Nationalsozialismus in den Genen trägt, leicht ins Wanken geraten.

Das offizielle Narrativ über diese Zeit war eine sinnstiftende und verbindende Erzählung, dass so ein Unheil nicht mehr geschehen darf, und hat Deutschland jahrzehntelang vor militärischen Einmischungen und Größenwahn bewahrt.

Doch das Narrativ hat sich abgenutzt und die Folge ist nicht das Auftreten rechter Parteien, sondern dass nun der deutsche Größenwahn im Gewand eines vermeintlichen Welt-Humanismus daherkommt; die Welt soll wieder am deutschen Wesen genesen. Wer Parallelen sieht, relativiert nach Meinung der Medien und Politiker angeblich die beiden Diktaturen und die beiden Weltkriege. Warum tun sie das? Weil sich die Völker nachweislich nicht feindselig gegenüberstanden, sondern es erst Medien, Politiker, Banken(!) und den Verweis auf höhere Ziele brauchte, um sie gegeneinander aufzuhetzen und sie in den Krieg zu nötigen. Verlierer war immer das einfache Volk.

Die künstliche Erregung über Wörter wie „Asylindustrie“ oder „Asyltourismus“ dient nur dazu Deutschland politisch und gesellschaftlich zu spalten, damit sich der Blick nicht dorthin wendet, wo die wahren Kriminellen sitzen. Im Konglomerat aus Geld, Militär und Medien/Kirchen, das vorgibt, für höhere Ziel im Namen des Guten zu kämpfen.

 

 

 

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2 Gedanken zu “Die Angst vor „falschen Narrativen“.

  1. Rateaufgabe: Was könnte wohl das größte Narrativ schlechthin sein?
    Das so groß und übergeordnet ist, dass es das gesamte Weltbild geprägt hat?
    Wo Geldtransfers in ungeheurer Größe von abhängen und das bei Entlarvung die komplette Welt, wie sie jetzt aussieht aus den Angeln heben würde?

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