Die Mär von der sprachlichen Verrohung.

Heute hat ja Christian Lindner von der FDP auch noch was zum Thema „zunehmende Verrohung der Sprache“ zu sagen. Irgendwie bleibt das in den Nachrichten immer so als Allgemeinplatz hängen, weil man irgendwie selbst nicht das Gefühl hat und mir auch so auf Anhieb kein Beispiel dazu eingefallen ist.

Deshalb habe ich einfach mal quergelesen unter den Ergebnissen zu „zunehmende Verrohung der Sprache“. Journalisten, Lehrervertreter, Sprachwissenschaftler und Schriftsteller geben dazu ihr Statement ab. Im Detail kann das jeder selber lesen, deshalb fasse ich das mal zusammen. Eigentlich hat eine Meute darauf gewartet, dass man nicht immer einen ganzen Satz von Gauland oder Weidel zitieren muss, um die Verrohung der Sprache durch die Rechten zu belegen. Endlich hat Söder das Wort „Asyltourismus“ gesagt, dass man einen Aufhänger für das Thema hat und uns die Intellektuellen die Welt erklären können, mit der sie nie Kontakt haben.

Der Schriftsteller Grünwald lässt sich beim Deutschlandfunk über die AfD aus, über Weidel und Gauland und sagt voraus, dass die AfD, wenn sie an der Macht ist, die Thematisierung des 3.Reiches zurückfahren wird. Grünwald dürfte entgangen sein, dass man in Berlin den Geschichtsunterricht schon abgeschafft hat und er auch in Bayern schon deutlich zurückgestutzt wurde. Da sieht dann eine Demo gegen Rechts (also gegen die Wiederkehr des Nationalsozialismus) wie eine chilllende, bunte Truppe aus, die einfach irgendwie Spaß haben will, garniert mit den „Spartakus-Kampftruppen“, die heute unter Namen wie verdi, MLPD, KPD, ANTIFA, Grüne Jugend, Solid usw. auftreten. Bei Grünwald ist dann dagegen eine Äußerung der linken Andrea Nahles halb so wild.

O-Ton Andrea Nahles: Und ab morgen kriegen Sie in die Fresse.

Gerk: Ist das eigentlich der Versuch, da einfach mal so kumpelhaft sozialdemokratisch rüberzukommen, und das ist dann völlig in die Hose gegangen? Weil ganz so fies klingt es nicht, aber es ist schon auch kein guter Stil, oder?

Grünbein: Nee, es ist auch unschön. Es bleibt dabei, das ist so ein bisschen Hooligan-Sprache, Fußballplatzsprache, Kneipensprache – wenn man ein bisschen Sympathie noch reinmischt, könnte man sagen, ja gut, es soll wohl an das alte Arbeitermilieu, quasi das ideale Publikum der SPD, anschließen, aber man sollte es lassen, ja.

Ist ja zu niedlich, dass der Interviewer ihm gleich die Richtung vorgibt. Ist ja nur irgendwie ganz lustig gemeint, mit ein bisschen Sympathie, was von Arbeitermilieu und so. Grünbein meint in der Überschrift ganz allgemein:

Das ist sprachliche Aufrüstung, die zu Gewalt führen wird

Aaaah ja.- Wer mir sympathisch ist, der darf auch pöbeln, denn bei den Guten ist das Wort ja nicht buchstäblich gemeint, da muss man schon differenzieren usw. blabla… Die „sprachliche Aufrüstung“ führt also bei der ANTIFA nicht zu noch mehr Gewaltbereitschaft? Das bezweifle ich.

Angesprochen auf die deftigen Worte von Strauß und Wehner meinte Grünwald, dass man damals im Plenum auch gelacht und darüber hinweggesehen hat. Wenn ich an die geifernde Nissen von der SPD denke und wie der grünen Antonia der rote Kopf anschwillt, wenn es sachliche Widerworte von der Opposition gibt, dann wird wohl scharf geschossen, wenn mal ein derberes Wort darunter ist.

Dann darf eine Funktionärin vom Lehrerverband BLLV ihren Senf dazugeben. Wenn die eher „konservativ“ sind, dann will ich die Meinung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft gar nicht wissen. Sie sieht die Verrohung der Sprache, weil zunehmend die Begriffe „Schlampe“ oder Opfer“ fallen. Und dann erklärt sie ausgerechnet wie man reagieren soll, wenn jemand auf dem Schulhof „Scheiß Ausländer“ sagt. Ich sag jetzt mal, was wahrscheinlich ist und nicht, was sein soll:
In einer ländlichen Schule in Bayern dürfte für „Scheiß Ausländer“ eine kurze, deftige, verbale Rüge reichen. Bei linken Schulen gibt es einen Verweis, dazu ein Anti-Aggressionstraining und die Eltern werden vorgeladen und als Verfassungsfeinde vorgemerkt. In Berliner Schulen ruft die Pausenaufsicht vorsorglich den Rettungsdienst, falls er zu weit weg war und die Zusammenrottung der Mitschüler um dieses „Opfa“ bzw. diese „Schlampe“ nicht verhindern konnte. Die Frau Lehrerfunktionärin sieht aber dazu noch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe:

Wir müssen gemeinsam Haltung zeigen – ob am Stammtisch, in der Schule, in den Medien. Mit welchem Unterton ist ein Artikel geschrieben? Was geschieht, wenn einer den anderen diskreditiert? Was sagt die Lehrerin in der Schule? Wie sprechen die Menschen beim Metzger über die Flüchtlinge von nebenan? In diesen Situationen müssen wir alle aufmerksam sein und uns einmischen.

Aaaah ja.- Für die Mitgliedschaft beim NSLB, um diese „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ wahrzunehmen, ist sie zu jung, für eine ehemalige Führungsposition bei der APW ebenfalls. Zumindest sterben aber auch im BLLV die Denunzianten für diese „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ nicht aus.
Dann kommt noch ein längerer Artikel vom SPIEGEL, da reichen aber vier Zeilen:

Sprache ist Macht. Wer mit Sprache umgehen kann, kann sie für seine Zwecke benutzen. Das wissen Politiker nur zu genau. Sie versuchen, mit bestimmten Worten und Begriffen, den Ton zu setzen, Gefühle zu wecken, die Deutungshoheit zu erlangen.

Und dazu ein Bild von Söder mit erhobenen Maßkrug. Hilfe!!! Eigentlich müssten jetzt der SPIEGEL Insolvenz anmelden und die CSU 19% bekommen. Da haben uns die MM-Medien jahrelang mit Bunt, Vielfalt, Bereicherung, Weltoffenheit, Schutzsuchende und Fachkräfte zugetextet und jetzt meinen sie, dass die „Rechten“ mit dem Wort „Asyltourismus“ die Deutungshoheit übernehmen?
Anstatt, dass Söder genau das als Gegenargument bringt und den Medien und den Links-grünen reinwürgt, dass man uns seit Jahren mit Beschönigungsbegriffen zumüllt, kriecht er quer durch Bayern und nennt seine neue Errungenschaft nicht „Abschiebezentrum“, sondern „Ausreisezentrum“. Warum nicht gleich „Savety-Searchers-Service-Point“? Ein einziges Mal ein Mann sein, ein Mal nicht einknicken und der marxistische, sprachpolizeiliche Spuk hätte ein Ende!
In meinen Augen gibt es keine zunehmende Verrohung der Sprache. Sie war und ist je nach Milieu immer rau. Der Depp ist ein „Depp“ und der Kasperl bleibt ein „Kaschperl“ und der Neger ein „Näga“. In der bairischen Sprache (schreibt man hier wirklich mit „air“) gibt es, wie sicher auch in allen anderen Sprachen, unzählige Ausdrücke und Schimpfwörter, die nur durch Nuancen in der Bedeutung getrennt sind und in den meisten Fällen nur für den Außenstehenden roh klingen; und das war schon immer so.
Warum sich die Bürger auch außerhalb ihres Kreises einen raueren Ton angewöhnt haben – eigentlich wieder so reden wie vor 30 Jahren- liegt daran, dass man schon, wenn man Probleme konkret anspricht, als „Nazi“ oder „Rechter“ bezeichnet wird. Nun haben aber viele Bürger mitbekommen, dass diese schönredende, weichgespülte Hälfte nur eine Minderheit ist, die durch die Medien zur Mehrheit aufgeblasen wird. Wenn die Deutungshoheit in der Sache schwindet, weil sich die Realität nicht leugnen lässt, dann ist es auch mit der Deutungshoheit in der Sprache schnell vorbei. „Was bei Tische gesagt wird, das bleibt auch bei Tische„, haben mir meine Eltern schon als Kind beigebracht. Nun darf es wieder raus.

Wären Söder und Seehofer Männer, dann bräuchten sie sich nur kurz dem lauen Lüftchen der linken Entrüstung entgegenstellen und die Sache wäre gegessen. An den Stammtischen im Wald hat sich ohnehin nie jemand getraut sich mit den Worten „Bunt, Vielfalt oder Weltoffenheit“ lächerlich zu machen.

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8 Gedanken zu “Die Mär von der sprachlichen Verrohung.

  1. Die Nummer mit der sog. „hate speech“ wird inzwischen als DDR 2.0 und Stasi wahrgenommen. Deswegen wurde das jetzt eingedeutscht, mit dem Begriff „sprachliche Verrohung“ (die Franzosen muessen das auch immer machen; jeder englische Originalbegriff wird mit einem oft wenig treffenden franzoesichen Wortgewusel ersetzt).

    Das gehoert alles zur Propaganda. Wie ich bereits in einem Artikel analysierte, behaelt der Politiker (bzw. die Partei) die Oberhand, der ungestraft andere beleidigen kann. Die CSU schnallt das nicht und bei der AfD gibt es noch zu viele geistige Tiefflieger um das konsequent umzusetzen.

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  2. Warum nicht gleich „Savety-Searchers-Service-Point“?
    Weil es nicht Arabisch ist.

    https://goldsteinweb.wordpress.com/2018/07/24/language-as-a-marker-for-political-division-causa-german/

    Du irrst dich leider mit den Mehrheiten. Der Söder weiß schon warum er zu kreuze kriecht. Ich wähl die Union so schnell nicht mehr. Man muss auch zu etwas stehen.

    Ich war mal in einem Supermarkt und hörte über die Regale eine Frau kreischen, „Was soll ich denn machen? Die SPD ist links, die FDP ist links, die CDU ist links…“ leider ist ihr da aufgefallen, wie laut sie war.“

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    1. Würde Söder die normalen konservativen Positionen vertreten, wie es die CSU schon immer getan hat, dann gäbe es in Bayern auch keine AfD. Das sind keine Radikalen, sondern die ehemaligen CSU-Wähler. Er bräuchte sich gar nicht bei den ganzen Linken einschleimen, weil er da ja ohnehin keinen Koalitionspartner bräuchte. Glaubt der Söder wirklich, dass die Leute wie die MS-Medien behaupten von der Stange gehen, weil er schärfere Maßnahmen in der Flüchtlingspolitik fordert? Das geben allein die Umfragen in Bayern nicht her. Söder ist ein Weichei.

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  3. Wenn der erste Mann im Freistaat sich seine Wortwahl von einem nach Peterprinzip beförderten Verwaltungsbeamten vorgeben läßt, dann hat die CSU als bayerische „Nationalpartei“ endgültig abgedankt. Das Sterben derselben wird etwas dauern, wird aber von seinem Bestatter Söder wohl nach Ablauf seiner selbst begrenzten Amtszeit abgeschlossen sein.
    …es sei denn, die CSU begrenzt Söders Amtszeit überraschend und installiert einen Mann, nachdem die bayerischen Seismographen ausgeschlagen haben, weil der Strauß in seinem Grab wargelt ob solch vollgeschissener Hosen.
    Der Mann hat beim BR gelernt, wie so ein wendiger Slalom geht, übersieht nur leider, dass die kommende Zeit einen Abfahrer benötigt.

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